Erste Hilfe

29. August 2017 10:41; Akt: 29.08.2017 16:22 Print

Müssen Autofahrer bald zweimal in den Nothelfer?

von B. Zanni - Die meisten Menschen könnten laut einer Umfrage einem Unfallopfer keine Nothilfe leisten. Zur Debatte stehen obligatorische Auffrischungskurse.

storybild

Obwohl Führerscheinbesitzer einen obligatorischen Nothelferkurs absolviert haben, könnten viele keine Erste Hilfe leisten. (Bild: Colourbox)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bei einem Verkehrsunfall zählt jede Minute. Doch dass Zeugen Erste Hilfe leisten, ist nicht selbstverständlich. Laut einer Umfrage des Touring Clubs Schweiz TCS wären die allermeisten Personen im Umgang mit einer konkreten Unfallsituation überfordert. Nur sieben Prozent der Befragten konnten spontan die vier Grundregeln nennen, die bei einem Unfall gelten. Zudem war nur ein Drittel in der Lage, drei dieser vier Massnahmen aufzulisten. Weiter sind nur einem Drittel die drei Kriterien bekannt, um den Zustand einer verletzten Person einzuschätzen (siehe Box).

Umfrage
Sollen Führerscheinbesitzer in obligatorische Kurse, um ihr Wissen über Erste Hilfe aufzufrischen?
38 %
28 %
8 %
24 %
2 %
Insgesamt 3835 Teilnehmer

Der TCS führt dies unter anderem darauf zurück, dass die meisten befragten Personen zwar einst den für den Führerschein obligatorischen Nothelferkurs machten, das Gelernte seither aber nicht mehr auffrischten. Der TCS bedauert dies, da die Todeszahlen auf den Schweizer Strassen bedeutend gesenkt werden könnten (siehe Box). Der TCS macht darauf aufmerksam, dass das Opfer bei über 50 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle wenige Minuten nach dem Unfall stirbt. «Diese Zahl könnte massiv gesenkt werden, wenn alle Verkehrsteilnehmer die lebensrettenden Sofortmassnahmen kennen würden.»

«Überleben scheiterte an Erster Hilfe»

Verbände wollen die Situation entschärfen. Viele Menschen zeigten bei der Ersten Hilfe ungenügende Kompetenzen, sagt Martin Gappisch, Direktor des Interverbands für Rettungswesen IVR-IAS. «Abhilfe schaffen könnte, wenn jeder Führerscheinbesitzer einen obligatorischen Auffrischungskurs in Erster Hilfe leisten würde.» Es komme immer wieder vor, dass Opfer eines Verkehrsunfalls nur darum nicht überlebten, weil es an der Ersten Hilfe scheiterte. «Oft trauen sich andere Verkehrsteilnehmer Erste-Hilfe-Handlungen nicht zu, weil sie sich nie mehr damit befasst haben.»

Gappisch ortet aber auch ein gesellschaftliches Problem. «Leider ist es heute so, dass sich die Menschen lieber aus der Verantwortung ziehen und schnell am Unfall vorbeifahren.»

Unvergessliches Erlebnis

Auch Bruno Schlegel, Präsident der Fachkommission des Schweizer Fahrlehrer Verbands sagt, er wolle ein Obligatorium für Auffrischungskurse im Verband aufs Tapet bringen. Sinnvoll wäre seiner Meinung nach auch, wenn Fahrlehrer solche Übungen in die Stunden integrierten. «Viele Automobilisten haben keine Ahnung, wann und wie sie Erste Hilfe leisten könnten.» Anderen Autofahrern helfen zu können, gehöre fast zum Ehrenkodex eines Lenkers.

Auf der Strasse sei er zum Glück noch nie Zeuge eines Unfalls geworden. Als er noch als Automechaniker tätig gewesen sei, habe er mit einem Kollegen bei einer Kundin Erste Hilfe geleistet. «Ich werde nie vergessen, wie wir es schafften, sie ins Leben zurückzuholen.» Er wolle sich nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn er keine Ahnung von Erster Hilfe gehabt hätte.

«Nicht jeder ist der Typ dazu»

Gesundheitspolitikerin Maja Ingold (CVP) hingegen hält obligatorische Auffrischungskurse für wenig sinnvoll. «Noch lange nicht alle Menschen sind der Typ dafür, spontan und kompetent Erste Hilfe zu leisten», so die Nationalrätin. Menschen, die sich dies jedoch zutrauten, sollten die Möglichkeit haben, intensiv Wiederholungskurse zu besuchen. Auch der TCS ruft Autofahrer dazu auf, freiwillig Kurse zu besuchen. «Um Erste Hilfe leisten zu können, muss man sich aus eigenem Antrieb dafür interessieren», sagt David Venetz, Sprecher des TCS. Es genüge auch, mittels Internet oder in einer Broschüre zu repetieren.

Aber auch die Ausbildung selber hält manche Menschen vom Helfen ab. «Wir stellten fest, dass in Ersthelferkursen bisher grundsätzlich zu viel und zu breites Wissen vermittelt wurde», sagt Regina Gorza, Direktorin des Schweizerischen Samariterbunds. Seit dem 1. Januar 2017 seien die Kurse daher anders ausgerichtet und basierten auf einem stärkeren Einbezug der Kursteilnehmenden. «Diese lernen Erste-Hilfe-Kompetenzen vermehrt in Form von praktischen Übungen und anhand von realistischen Unfallsituationen.» So seien Ersthelfer schneller bereit, im Ernstfall Hilfe zu leisten.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 29.08.2017 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    @Natürlich zahlt der Führerscheinbesitze

    Natürlich zahlen sollen das dann wieder die Führerscheinbesitzer! Man findet dauernd neue Möglichkeiten abzuzocken in unserem Land... es ist zum Schämen!

    einklappen einklappen
  • Gandalf am 29.08.2017 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Also einfach für Frauen oder?

    Weil Männer dieses Zeugs ständig im Militär oder Zivilschutz auf Endlosschlaufe repetieren, das wollte ich einfach mal noch Klarstellen!

    einklappen einklappen
  • Batteryman am 29.08.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke?

    Finde das eine gute Idee mit dem Auffrischungs-Nothelfer! Aber nicht auf meine Kosten!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rico S am 30.08.2017 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Stumpfsinn

    Bei den Hundehaltern wollte man ja auch zugreifen. Jetzt wird alles wieder rückgängig gemacht. Es würde nicht erstaunen, wenn nun neuer Stumpfsinn zu dessen Nachteil über dem Bürger ausgeschüttet würde. Weit über das Mass genügend Mitarbeiter sind bei den Behörden vorhanden, die aus lauter Langeweile über immer neuen Stumpfsinn nachsinnen .

  • Andy Ratlos am 30.08.2017 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    bei Verkehrsunfall zählt jede Minute

    Nicht nur bei einem Verkehrsunfall zählt jede Minute! Bei einem medizinischen Notfall zählt jede Sekunde! Somit wären Erste-Hilfe Kurse für Jeder-Mann / -Frau sinnvoll. Jene Gruppierungen, die dieses Anliegen wollen, sollen auch für das entsprechende Angebot sorgen und die Kosten dafür tragen!

  • Anakena am 30.08.2017 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Habe mich schon gefragt,

    wann die Fahrlehrer einen weiteren vom ASTRA genehmigten Abzockversuch unter dem Deckmantel der Verkehrssicherheit unternehmen werden. Grundsätzlich ist gegen eine Verbesserung der Erste Hilfe-Kenntnisse nichts einzuwenden, die Realisierung sollte aber ohne Fahrlehrer, sondern mit den Samaritervereinen zusammen erfolgen und für alle Verkehrsteilnehmer Pflicht sein. Auch Velofahrer, die an eine Unfallstelle fahren, müssen in die Pflicht genommen werden. Eine weitere staatliche Vergoldung der Fahrlehrer ist abzulehnen.

  • mech am 30.08.2017 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    spickzettel

    man kann auch einfach ein kleinen spickzettel mit dem grundverhaltem im portemonnaie haben wenn man es wirklich nicht weiss.aber noch den nothelfer machen ist übertrieben.

  • hene pfaeffli am 30.08.2017 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nothelfer

    Haben wir schon wieder eine .ähnliche Geldquelle gefunden um den Autofahrer zu schröpfen