Schweizer AKWs

27. März 2011 00:00; Akt: 26.03.2011 23:23 Print

Viele Mängel und kein Geld für Reparaturen

225 Mängel weisen die Schweizer AKWs total auf. Allfällige schärfere Sicherheitsvorkehrungen kosten aber viel Geld.

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Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi, bescheinigt den fünf Schweizer AKWs noch vor kurzem, dass sie sicher sind. Doch die nun publizierte Mängelliste zeigt ein anderes Bild: 225 Sicherheitsmängel sind darin aufgeführt. 86 bei Leibstadt, 73 bei Beznau 1 und 2, 36 bei Gösgen und 30 bei Mühleberg, wie der «Sonntags Blick» berichtet. Mit dem Paul Scherrer Institut und dem atomaren Zwischenlager Zwilag sind es gar 250 Beanstandungen.

Im Normalfall stellen die meisten Mängel keine akute Gefährdung dar, sagt das Ensi. Kommt es aber bei einem Unfall zu unerwarteten Kettenreaktionen, könnten schon kleine Sicherheitslücken ausser Kontrolle geraten. Darum müssen die Atom-Kontrolleure im Auftrag von Bundesrätin Doris Leuthard alle AKW's neu auf Herz und Nieren prüfen.

Auch das Bundesverwaltungsgericht hat vom Ensi neue Informationen über die Sicherheit des AKW Mühlebergs verlangt: Bis zum 8. April muss eine Zusammenstellung aller aufgrund der Ereignisse in Japan ausgelösten Abklärungen, Massnahmen und Sicherheitsfragen, beim AKW Mühleberg eingereicht werden. Das zeigt eine Verfügung des Gerichtes, die der «Sonntags Zeitung» vorliegt.

Kein Geld für schärfere Sicherheitsvorkehrungen

Allfällige Sanierungen könnten die Werke viel Geld kosten. Gemäss Kapsar Müller, unabhängiger Finanzexperte, fehlt den beiden AKW Leibstadt und Gösgen jegliches Kapital, um die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. «Leibstadt und Gösgen brauchen dringend neues Kapital und zwar in hoher Summe», sagt er.

Müller ist auch Präsident der Stiftung Ethos und Mitglied der Swiss-GAAP-FER-Kommission, die Empfehlungen zur Rechnungslegung herausgibt. Die beiden grössten Aktionäre der beiden AKW, Alpiq und Axpo, sind bereit, Geld einzuschiessen. «Falls notwendig wäre Alpiq selbstverständlich bereit, zusätzliche Mittel bereitzustellen», sagt Sprecher Andreas Werz. Bei Axpo heisst es, man hafte im Rahmen der Verpflichtungen als Aktionär.

(aeg)