Jahresstatistik

09. Juni 2015 12:21; Akt: 10.06.2015 09:28 Print

Richter verurteilen mehr jugendliche Dealer

Minderjährige haben 2014 generell weniger Straftaten begangen als im Vorjahr. Doch ein grosses Problem bleibt.

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Beim Betäubungsmittelhandel hat das BFS einen markanten Anstieg festgestellt. Ein Teenager dreht sich auf der Landiwiese in Zürich einen Joint. (24.09.2005) (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Das Schreckgespenst Jugendgewalt verliert weiter an Bedeutung. Auch wegen anderer Delikte sind 2014 weniger Minderjährige verurteilt worden. Dagegen verharrten die Verurteilungen von Erwachsenen auf Rekordniveau.

Letztes Jahr wurden gegen Jugendliche noch 1400 Urteile wegen Gewaltstraftaten gefällt, 16 Prozent weniger als 2013. Seit 2010 beträgt der Rückgang bei den Gewaltdelikten Minderjähriger fast 50 Prozent, wie die am Dienstag publizierten Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigen.

Jugendliche Straftaten von 2007 bis 2014.

Insgesamt fällten Richter und Behörden letztes Jahr noch 12'800 Urteile gegen Jugendliche. Das sind 4 Prozent weniger als 2013. Gegenüber 2010 beträgt das Minus gar 18 Prozent. Dagegen stagnierte bei den Erwachsenen die Zahl der Verurteilungen mit über 110'000 nahe beim Höchststand des Vorjahres.

Weniger Verstösse gegen das Strafgesetzbuch

Die Urteile wegen Delikten gegen das Strafgesetzbuch (StGB) waren 2014 sowohl bei den Jugendlichen (-6 Prozent) wie auch bei den Erwachsenen (-7 Prozent) rückläufig. Auf der anderen Seite registrierte das BFS bei den Minderjährigen einen markanten Anstieg des Betäubungsmittelhandels um gut einen Fünftel.

Bei den Erwachsenen stand dem positiven Trend namentlich bei den Diebstählen (-14 Prozent) ein deutliche Zunahme bei den Verkehrsdelikten gegenüber. Hier erreichten die Verurteilungen mit 58'300 ( 6 Prozent) einen neuen Höchstwert. Stark zugenommen haben laut BFS vor allem Fälle von grober Verletzung der Verkehrsregeln.

Starker Anstieg bei Frauen

Bei den Frauen war der Anstieg besonders ausgeprägt. Dennoch stehen sie sowohl bei den Strassenverkehrsdelikten wie auch bei den Verurteilungen von Erwachsenen insgesamt mit einem Anteil von je etwa einem Sechstel klar in der Minderheit.

2014 waren gemäss den Daten des BFS gut 40 Prozent der verurteilten Personen im Erwachsenenalter schweizerischer Nationalität. Personen, die nicht dauerhaft im Land wohnhaft sind, machten ein Drittel aus, Angehörige der ausländischen Wohnbevölkerung einen Viertel. Bei den Jugendlichen waren sieben von zehn Verurteilten schweizerische Staatsangehörige.

Mehr kurze unbedingte Freiheitsstrafen

Die im Rahmen der Revision des Sanktionenrechts im Jahr 2007 für die Erwachsenen eingeführte bedingte Geldstrafe ist mit knapp 76'300 Verurteilungen weiterhin die am häufigsten verhängte Strafe .

Die mit der Revision zurückgedrängte unbedingte Freiheitsstrafe von einem bis sechs Monaten wird seit 2010 aber wieder vermehrt angeordnet. Trotz einem leichten Rückgang im Jahr 2014 werden heute jährlich knapp 6900 dieser kurzen Freiheitsstrafen verhängt, 26 Prozent mehr als vor der Revision.

(dia/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leser am 09.06.2015 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Grauzahlen?

    Würde gerne mal noch wissen wie viele Bürger unnötig vors Gericht gestellt wurden, und dann von der Anschuldigung frei gesprochen wurden.. Ohne Entschädigung natürlich. Kein Wunder nimmt die Straffälligkeit um Strassenverkehr zu. Es braucht ja in gewissen Kantonen nur noch einen schlechten Tag beim Polizisten und schon ist man unbegründet 4-5 Wochen Fussgänger. Ohne Recht auf Schadenersatz versteht sich. Gute Statistik, macht weiter so!

  • Alex Ott am 09.06.2015 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Statistik

    Anstieg bei SVG..? Klar wenn auf jeder geraden CH Autobahn mehr und mehr Blitzer stehen, die Schwerkriminelle mit 3km/h zu schnell blitzen!

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  • MB am 09.06.2015 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staat braucht Geld

    Man merkt, der Staat braucht Geld. Aber er macht es natürlich wieder völlig falsch. Erhöhte Polizeipräsenz überall im Lande. In diesem Jahr wurde ich (20) im Kanton SG/TG über 10 Mal zu Fuss kontrolliert. 2 mal eine Busse wegen Cannabis bekommen macht 200 stutz... Auch Blitzer stehen in letzter Zeit mega viele herum. Aber anstatt das Gras kontrolliert zu legalisieren wollen sie es lieber so machen. Gäbe Geld, Arbeitsstellen und weniger Kriminelle! Unverschämtheit!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Bütler am 10.06.2015 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vortäuschung

    Das habenwir gerade in der Schule. Verfälschte Statistiken... der Nullpunkt der y-Achse ist nicht erstchtilch. Die Statistik geht von 12000 - 16000 also einen Ausschnitt vom 4000. Doch darunter liegen noch 12000... Würde man die ganze Statistik zeigen, dann würde das Gefälle nie und nimmer so gross und positiv aussehen.

  • Hil Billi am 10.06.2015 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    GUT SO....

    Und dennoch sind die Strafen zu Mild.

    • Gegen Goofen am 10.06.2015 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hil Billi: Daumen hoch

      Sie sprechen mir aus dem Herzen. Nur mit hohen Strafen, die wehtun, lernt diese Generation Taugenichtse (8 Jahre und aufwärts) vielleicht wieder, wie man sich benimmt und, was Gehorsam ist.

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  • fabienne am 10.06.2015 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    super

    richtig so....ich würde das auch machen, wenn ich keinen job hätte...der staat gibt dir ja nichts....tolles geschäft!macht weiter so!

  • xell am 10.06.2015 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Man rechne 1+1 zusammen...

    Ist doch logisch das Verbrechen bei Jugendlichen zurück gehen und bei Erwachsenen zunehmen, die "bösen Jugendlichen" von damals sind jetzt gross =D

  • Sonja am 10.06.2015 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Autofahrer und Kiffer!

    Die Milchkühe der Nation. - Bei den Autofahrern und Kiffern ist halt ohne grossen Aufwand "etwas zu holen". - Mir fehlt ein Verbot für Verbote ;-)