Hochsaison im Sommer

30. August 2016 19:36; Akt: 30.08.2016 19:36 Print

Velounfälle unter Alkohol-Einfluss häufen sich

Der Sommer ist heiss, das Bier fliesst: Viele fahren mit dem Velo an eine Party. Auf dem Heimweg passieren dann häufig Unfälle – oft mit schweren Folgen.

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Ein angetrunkener Mann fährt mit dem Velo nach Hause. Er übersieht den Randstein beim Zebrastreifen. Das Vorderrad des Velos wird weggedrückt, der Mann fliegt über die Lenkstange und wird verletzt. Das ist nur der neuste Fall mit einem alkoholisierten Velofahrer, den die Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich registriert hat. Besonders oft passieren solche Unfälle im Sommer, wie verschiedene Polizeikorps auf Anfrage bestätigen.

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Im ersten Halbjahr 2016 sind in der Stadt Zürich 53 Velofahrer unter Alkoholeinfluss verunfallt. Davon passierten 24 Fälle in den Monaten Mai und Juni. In den fünf kühleren Monaten zuvor waren es lediglich 29 Fälle. 2015 war es noch extremer: Von Januar bis April gab es nur 8 Unfälle, von Mai bis September hingegen 60.

Schwerpunkt bei betrunkenen Velofahrern

Im Kanton Basel-Stadt fehlt eine saisonale Statistik, 2015 kam es aber insgesamt zu 166 Unfällen mit Velofahrern. 2014 waren es nur 151. Damit setze sich der Trend der Vorjahre bei den Velounfällen fort, sagt Martin Schütz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements. «Erneut standen mehr Velofahrer beim Unfall unter Alkoholeinfluss, und zwar mit über 0,5 Promille.»

Waren es im 2014 noch deren 14, verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr 23 unter Alkoholeinfluss verunfallte Velofahrer. Schütz: «Um diesen Trend entgegenzuwirken, setzt die Verkehrspolizei in ihren kontrollierenden Tätigkeiten in diesem Themenfeld einen ihrer Schwerpunkte.»

«Nicht gestattet und gefährlich»

Urs Ambauen, Geschäftsführer des Blauen Kreuzes Zürich, vermutet, dass viele Menschen meinten, sie seien vernünftig, wenn sie mit dem Velo statt dem Auto an eine Party fahren. «Es ist noch nicht allen klar, dass auch Velofahren unter Alkoholeinfluss in der Schweiz nicht gestattet und zudem sehr gefährlich ist.» Er müsse deshalb auch immer wieder Klienten auf seiner Beratungsstelle darauf hinweisen, dass das Velo keine Alternative zum Auto sei, wenn man betrunken nach Hause kommen wolle.

Dass im Sommer besonders viele betrunkene Velofahrer verunfallen und sich dabei oft auch schwere Verletzungen zuziehen, zeigen auch die neusten Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU): Zwischen 2011 und 2015 waren jeweils im Januar sechs Prozent der schwer verletzten oder getöteten Radfahrer beim Unfall alkoholisiert. Im Februar waren es sieben und im März und April je acht Prozent. Dann nimmt der Wert zu: 10 Prozent im Mai, 11 Prozent im Juni.

Höheres Risiko, tödlich zu verunfallen

Laut Heiko Ciceri, Sprecher der Dienstabteilung Verkehr Stadt Zürich, ziehen sich die meisten Velofahrer beim Sturz eine Verletzung zu. «Das geht von sehr leicht bis sehr schwer.» Studien belegen, dass alkoholisierte Velofahrer ein fast dreimal höheres Risiko haben, tödlich zu verunfallen, als jene, die nüchtern unterwegs sind. Das Hauptproblem hierbei ist, dass die Fahrer oft keinen Helm tragen und sich dadurch Kopfverletzungen zuziehen.

Im Suff aufs Velo zu steigen, ist aber nicht nur gefährlich, sondern kann auch ins Geld gehen. Wer von der Polizei mit mehr als 0,5 Promille auf dem Sattel erwischt werde, müsse mit einer Verzeigung rechnen, sagt Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Je nachdem sei auch ein Velo-Fahrverbot möglich. «Im Härtefall kann das Strassenverkehrsamt einem Radfahrer sogar den Auto-Führerausweis entziehen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. ierli am 30.08.2016 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    Velo / Auto

    Betrunken + Velo = Selbstgefährdung Betrunken + Auto = Fremdgefährdung (natürlich gibt es Ausnahmen)

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  • Karl Brodowsky am 30.08.2016 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber mit Velo als mit Auto bei Alkohol

    Natürlich ist es gefährlicher mit Alkohol Velo zu fahren und ich möchte es hier nicht propagieren. Aber ich finde es sinnvoll, das zu tolerieren. Wichtig ist, dass die Leute, die Alkohol getrunken haben, nicht Auto fahren. Wenn sie aufs Velo ausweichen, ist schon sehr viel gewonnen, weil sie dann (fast) nur sich selbst gefährden. Außerdem merkt man beim Velo eher, dass man nicht mehr fahren kann, weil das Gleichgewicht nicht mehr so gut ist. Aber eines sollte klar sein: Das Velo ist und bleibt ein Fahrzeug und gehört auf die Straße, nicht auf das Trottoir. "Vehicular Cycling"...

  • Carito am 30.08.2016 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Stigmatisieren von Kiffern

    Zum Glück sind keine Cannabis Genießer wieder daran Schuld!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anakena am 31.08.2016 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt davon

    Handy am Lauschlappen, Musik auf beiden Löffeln, vollgekifft, vollgesoffen, Rotlichter gibt es keine, Stoppstrassen schon gar nicht, Trottoirs sind in erster Linie für Velofahrer, wo ein Baum oder eine Stange ist, da ist auch ein Veloparkplatz, Parkverbotsschilder für Velos werden ignoriert, Autos, die im Weg stehen werden durch Fusstritte beschädigt, Autolenker, die einen Fehler machen und dadurch einen Velofahrer zum Bremsen zwingen, werden aufs Übelste beschimpft. Das ist das Ergebnis der jahrelangen Verhätschelung der Velofahrer durch die Polizei. Rigoroses Durchgreifen ist angesagt!

  • V.Elo am 31.08.2016 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    besoffene Biker

    So wie viele Velofahrer verkehrswidrig und gefährlich in der Gegend umhergondeln müssen die Meisten von ihnen ständig besoffen sein. Und wenn neuerdings noch ein Elektromotörli dazu kommt ist ein ehemaliger Velofahrer einfach überfordert. Die tödlichen Velo-Unfälle werden weiter steigen.

    • Gustav Gans am 31.08.2016 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      Elektr.Velo

      Das Problem, finde ich ist 50 Jahre nicht mehr Velo gefahren und dann direkt auf ein Motörli wechseln.Sehe in der Stadt täglich unsichere ältere Leute, womöglich noch mit Taschen umgehängt welche die halbe Strassen-Seite brauchen!!!

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  • Mike Meier am 31.08.2016 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Einnahmequelle

    Ein Velofahrverbot...wow typisch schweizerisch. Wie wärs denn damit: Polizei nimmt ab 12 Uhr nachts die Velofahrer von der Strasse und macht einen Alki-Test. Natürlich verbunden mit einer saftigen Busse und Velokonfiszierung falls positiv. Gute Einnahmequelle auch für klamme Gemeinden...

  • Martial2 am 31.08.2016 00:50 Report Diesen Beitrag melden

    Die Meisten waren Schweizer...

    Das ist längstens bekannt, solche Helden haben wir schon vor Jahre im Schwarzwald gesehen; im Biergarten mit Bier Mass und "Kleiner Feigling" dazu, (45 %-iger Schnaps). Dann aber hallo, lustig in die Pedalen treten bis zum nächsten Baum !!

    • Fred F. am 31.08.2016 01:50 Report Diesen Beitrag melden

      Na klar

      Und in Holland sind die meisten besoffenen Velofahrer Deutsche.

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  • M.B. am 30.08.2016 23:47 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mal was, wo ich fein raus bin

    Ich hab nämlich gar kein Velo...

    • andi am 31.08.2016 04:04 Report Diesen Beitrag melden

      Schon

      Ich schon, aber keinen Alkohol...

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