Tödliche Schneedecke

27. Januar 2017 11:40; Akt: 27.01.2017 11:40 Print

Schwache Greifvögel fallen reihenweise vom Himmel

Weil sie in der schneebedeckten Landschaft nicht mehr genug Futter finden, fallen Greifvögel reihenweise geschwächt vom Himmel.

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Der bitterkalte Januar macht nicht nur den Menschen zu schaffen, auch gewisse Tiere haben damit Mühe. So auch die Greifvögel, die in der schneebedeckten Landschaft keine Beutetiere mehr finden. Das hat gravierende Konsequenzen: «Greifvögel können etwa drei bis fünf Tage ohne Futter überleben, dabei bildet sich ihr Brustmuskel zurück und sie können zum Schluss nicht mehr fliegen», sagt Andreas Lischke (Bild), Leiter der Greifvogelstation Berg am Irchel, die von Spenden lebt. Er päppelt geschwächte Greifvögel auf und hat derzeit alle Hände voll zu tun. «Es befinden sich 31 Patienten in der Station, meist Mäusebussarde, aber auch Rotmilane, Turmfalken, Waldkäuze und ein Sperber.» Die Mäusebussarde würden ganz besonders unter den Wetterbedingungen leiden, weil ihre Ernährung so stark auf Mäuse spezialisiert ist. «Sie sollten eigentlich zwischen 750 und 1100 Gramm wiegen, bei uns kommen aber regelmässig Vögel an, die gerade noch 400 Gramm wiegen», so Lischke. Bei solch extrem ausgehungerten Tieren müsse er extrem vorsichtig vorgehen. «Wenn sie einfach mit Fleisch vollgestopft werden, können sie es nicht verdauen und es fängt in ihrem Magen an zu gären», das könne für die Tiere tödlich enden. Die Vögel bleiben in der Regel zwei bis drei Wochen in den Volieren der Greifvogelstation und werden dann bei gutem Wetter wieder freigelassen. «Unsere Patienten bilden aber nur die Spitze des Eisbergs», sagt Lischke. «Die meisten Tiere werden nachts von Füchsen gefressen, wenn sie zu schwach zum Fliegen sind. Viele verunglücken auch tödlich auf den Strassen.» Dafür könne man aber nicht nur den Winter verantwortlich machen. «Dieser lange Winter macht nur ein schon existierendes Problem deutlicher: Es hat viel zu viele verbaute Flächen und darum nicht genügend Beutetiere für die Greifvögel.» Wer im Freien auf einen am Boden liegenden Greifvogel stösst, sollte sofort die nächstgelegene Greifvogelstation anrufen. «Wir sind rund um die Uhr erreichbar, Im Notfall kommt auch die Tierrettung und übernimmt den Transport in die Station», sagt Lischke. Aber man sollte den Vogel auch in Sicherheit bringen. «Man sollte ihn beherzt von hinten über die Schulter greifen und in eine Kartonschachtel setzen.»

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Der bitterkalte Januar macht nicht nur den Menschen zu schaffen, auch gewisse Tiere haben damit Mühe. So auch die Greifvögel, die in der schneebedeckten Landschaft keine Beutetiere mehr finden. Das hat gravierende Konsequenzen: «Greifvögel können etwa drei bis fünf Tage ohne Futter überleben, dabei bildet sich ihr Brustmuskel zurück und sie können zum Schluss nicht mehr fliegen», sagt Andreas Lischke, Leiter der Greifvogelstation Berg am Irchel, die von Spenden lebt. Er päppelt geschwächte Greifvögel auf und hat derzeit alle Hände voll zu tun. «Es befinden sich 31 Patienten in der Station, meist Mäusebussarde, aber auch Rotmilane, Turmfalken, Waldkäuze und ein Sperber.»

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Insgesamt 4813 Teilnehmer

Die Mäusebussarde würden ganz besonders unter den Wetterbedingungen leiden, weil ihre Ernährung so stark auf Mäuse spezialisiert ist. «Sie sollten eigentlich zwischen 750 und 1100 Gramm wiegen, bei uns kommen aber regelmässig Vögel an, die gerade noch 400 Gramm wiegen», so Lischke. Bei solch extrem ausgehungerten Tieren müsse er extrem vorsichtig vorgehen. «Wenn sie einfach mit Fleisch vollgestopft werden, können sie es nicht verdauen und es fängt in ihrem Magen an zu gären», das könne für die Tiere tödlich enden. Deshalb bekommen Lischkes Patienten zuerst meist nur Glukoselösung und Notnahrung zu fressen. Sie bleiben in der Regel zwei bis drei Wochen in den Volieren der Greifvogelstation und werden dann bei gutem Wetter wieder freigelassen.

Viele werden von Füchsen gefressen

«Unsere Patienten bilden aber nur die Spitze des Eisbergs», sagt Lischke. «Die meisten Tiere werden nachts von Füchsen gefressen, wenn sie zu schwach zum Fliegen sind. Viele verunglücken auch tödlich auf den Strassen.» Dafür könne man aber nicht nur den Winter verantwortlich machen. «Dieser lange Winter macht nur ein schon existierendes Problem deutlicher: Es hat viel zu viele verbaute Flächen und darum nicht genügend Beutetiere für die Greifvögel.»

Wer im Freien auf einen am Boden liegenden Greifvogel stösst, sollte sofort die nächstgelegene Greifvogelstation anrufen. «Wir sind rund um die Uhr erreichbar, im Notfall kommt auch die Tierrettung und übernimmt den Transport in die Station», sagt Lischke. In der Zwischenzeit sollte man den Vogel in Sicherheit bringen: «Man sollte ihn beherzt von hinten über die Schulter greifen und in eine Kartonschachtel setzen.»

(lz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stephi am 27.01.2017 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke für Euren Einsatz für diese Tiere!

    Ich hatte einen Nachbarn der in seinem Garten im Winter Milane fütterte... Legte auf einem Baumstumpf tote Kücken aus welche dann geholt wurden. Ich weiss man sollte Wildtiere nicht füttern-aus diesem Grund mach ich dies auch nicht. Aber es war immer toll dies zu beobachten! Ich liebe diese anmutigen und wunderschönen Tiere...

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  • N.Bachmann am 27.01.2017 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viel zu viel verbaute Flächen?

    ich verweise auf den Artikel das letztes Jahr zum Glück nur 145000 Leute zugezogen sind.

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  • Susanne Arnold am 27.01.2017 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    kein Paradies

    Die Natur ist aus den Fugen, egal, wie wir regulieren, es ist mehr ein Pfuschen. Wir haben zuviel Beton und Verkehr und die elenden Einfamilienhaussiedlungen übers ganze Land. Wir sind zu viele. Vogelsterben in harten Wintern gab es aber schon immer, da profitieren andere Tiere wie Fuchs davon. Denen gehen dann dafür im Frühling bei Nässe die Jungen ein. Natur ist kein Paradies.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nervig am 28.01.2017 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder normale Zeiten

    Zum Glück ist es jetzt vorbei!

  • Müsli am 28.01.2017 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierwelt

    Immer wieder Interessant zu sehen, wie die Tiere sich vor Kälte schützen können. Sie sind gut Ausgestattet. Sie müssen Überleben können.

  • Jairo am 27.01.2017 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Veränderte Welt..

    auch ich bin mit Winter=Winter u Sommer=Sommer gross geworden, da hat noch niemand an unser Klima gedacht und welche Folgen unser Handeln haben könnte.. so schlimm wie es heute auch ist- wir Menschen können uns schützen- die Tiere müssen ganz alleine mit den Folgen zurechtkommen..

  • Puurli am 27.01.2017 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Go vegan, Greifvögel!

    Früher haben wir schon in solchen Situationen mal die Nachgeburt einer Kuh, Schlachtabfälle oder verendete Ferkel auf Feldern ausgelegt um Vögel zu füttern. Heute ist sowas natürlich nicht mehr möglich.

  • Angel in blue Jeans am 27.01.2017 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bald Frühling

    Nun ist es ja wärmer geworden. Heute in Altdorf 16,4 Grad.