CO2-Belastung

12. Juli 2016 05:39; Akt: 12.07.2016 09:49 Print

Wer Fleisch isst, soll eine Umwelt-Steuer zahlen

von J. Büchi - UNO-Experten wollen Fleisch verteuern. Auch in der Schweiz liebäugeln Umweltverbände mit einer Abgabe auf Burger und Schnitzel.

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Umweltverbände wollen Fleischtiger zur Kasse bitten, weil die Fleischproduktion das Klima stark belaste. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Die Schweizer haben Appetit auf Fleisch: Über 50 Kilogramm vertilgen wir pro Jahr und Kopf. Geht es nach UNO-Experten, sollte diese Gewohnheit künftig stärker ins Geld gehen: Sie wollen, dass die Regierungen eine Umwelt-Steuer auf Fleisch erheben.

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In einem Bericht für das UNO-Umweltprogramm schlägt das International Resource Panel (IRP), ein Zusammenschluss aus 34 Top-Forschern und 30 Regierungen, Alarm: Allein in den nächsten zehn Jahren werde der Fleischkonsum weltweit um bis zu 20 Prozent zunehmen. Die Folgen für die Umwelt und die Gesundheit müssten im Preis von Lebensmitteln berücksichtigt werden, fordert Studienautor Maarten Hajer laut «Washington Post».

Aufschlag von 20 bis 100 Prozent

Auch Schweizer Umweltorganisationen orten Handlungsbedarf. «Die Herstellung tierischer Produkte trägt am meisten zur Klimaerwärmung bei – noch vor dem globalen Strassen- und Luftverkehr», sagt Georg Klingler von Greenpeace. In vielen Ländern müssten die Menschen hungern, weil auf ihren Feldern Futtermittel für Tiere angebaut würden – auch der Regenwald werde zu diesem Zweck abgeholzt.

«Dass Fleisch so billig erhältlich ist, trägt wesentlich zum aktuellen Überkonsum bei», so Klinger. Greenpeace würde die Einführung einer Fleisch-Steuer deshalb befürworten. «Die Kosten für die Umweltzerstörung und Gesundheitsschäden dürfen nicht länger auf die Allgemeinheit abgewälzt werden.» Zu Beginn reiche ein Aufschlag von ungefähr 20 bis 30 Prozent. «Wenn das nichts nützt, ist aber auch eine Verdoppelung des Preises vorstellbar.»

Rind am problematischsten

WWF-Sprecher Philip Gehri sagt: «Aus Klimasicht müsste beim Preis aller Produkte – ob es sich nun um eine Bratwurst oder einen Kugelschreiber handelt – die Klimabelastung drin sein.» Ihm schwebt eine Abgabe vor, die am Ende wieder an die Konsumenten zurückverteilt würde. «Wer mehr Gemüse isst, würde unter dem Strich profitieren, Fleischtiger müssten etwas tiefer in die Tasche greifen als heute.»

Am stärksten würde sich eine solche Klima-Abgabe beim Rindfleisch bemerkbar machen: Ein Kilogramm davon verursacht in der Produktion fast 90-mal so viel Treibhausgase wie die gleiche Menge an Gemüse. Gehri geht davon aus, dass bereits ein Preisaufschlag von mehreren Rappen pro Produkt langfristig zu einer Änderung des Konsumverhaltens führen wird.

«Der Konsument ist mündig»

Für den Nationalrat Bastien Girod (Grüne) ist eine Klima-Steuer auf Fleisch hingegen der falsche Ansatz: «Kein Parlament der Welt würde so etwas gutheissen.» Sinnvoller sei es, die Alternativen zu fördern: «Wenn Fleischersatzprodukte geschmacklich besser werden, entscheidet sich der Konsument automatisch vermehrt für pflanzliche Produkte.» Zudem gebe es auch Möglichkeiten, Fleisch umweltfreundlicher herzustellen.

Proviande, die Schweizer Branchenorganisation der Fleischwirtschaft, hält fest, es gebe keine guten und schlechten Lebensmittel: «Der Konsument ist mündig und soll entscheiden, was er einkauft», so Sprecher Marcel Portmann. Die Schweizer Landwirtschaft verursache rund 12 Prozent des nationalen Treibhausgasausstosses, viel weniger als der Verkehr. Auch der Frischwasserverbrauch sei im internationalen Vergleich stark unterdurchschnittlich.

Weiter verweist Portmann darauf, dass zwei Drittel der Landwirtschaftflächen in der Schweiz Wiesen und Weiden seien. Diese könnten aufgrund ihrer Beschaffenheit ausschliesslich für die Nutztierhaltung gebraucht werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dampfnudel am 12.07.2016 05:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder ein Grund nach DE zu gehen

    Wenn das kommt dann werde ich nach DE gehen und nur noch da mein Fleisch kaufen. Kann ja nicht sein, das die leute, die jetzt noch Teueres Schweizerfleisch kaufen nochmal bestraft werden.

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  • Molly am 12.07.2016 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So so

    Es wird immer besser, es ist erstaunlich, wie einfallsreich Politiker sind um an noch mehr Geld zu kommen.

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  • Nitro06 am 12.07.2016 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dofer gets nicht

    na ja ich weis nich wer auf solche ideen kommt. aber doffer kann man garnicht sein! was komt als nächstes eine Steuer auf die luft die wir athmen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Caro am 13.07.2016 22:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ja bei besserer Geldmittelverteilung

    Es kann nicht sein, dass Fleisch so viel günstiger als Obst und Gemüse ist. Allerdings finde ich, dass eine Versteuerung von Fleisch aus Massenproduktion vollkommen reichen würde. Fleisch, das gut produziert wird, verursacht auch nicht so viele Probleme. Natürlich sollte dann das Geld aus Steuern in sinnvolle Fleischalternativen gehen oder an die Menschen, die nur noch Futtermittel produzieren und sich selbst dadurch kaum noch ernähren können. Das das nicht passieren wird, ist leider sehr wahrscheinlich.

  • Felix am 13.07.2016 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Überfällig!

    Seit Jahren überfällig und immer wieder abgelehnt von der geschmierten Politik. Und zusätzlich eine satte Sozialabgabe für die riesigen Zusatzkosten im Gesundheitswesen oben drauf... NICHT nur in der Schweiz! Ach armseeligen Leute und IHR Fleisch. Wenn es wenigstens IHR Fleisch wäre...

  • Der Baumeister am 13.07.2016 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gemüse vs Fleisch

    Viele Menschen können sich heutzutage ja eh kaum Gemüse leisten, weil der Mist mittlerweile unglaublich teuer ist. Abgesehen davon ist die Treibhausgas pro Menge Rechnung kompletter Unfug: 100g Rinderfilet -> 162 kcal 100g Salatgurke -> 12 kcal 100g Eisbergsalat -> 12 kcal 100g Gemüsezwiebel -> 28 kcal 100g Paprika -> 35 kcal 100g Sojabohnen -> 149 kcal Zu Sojaanbau: Das einzige Produkt was genügend Protein und Fett liefert (Lebenswichtig) abgesehen vom Rind ist hier ebenfalls Soja (s.O) Die Bilanz ist also weit entfernt von 90x.

  • Susanne am 13.07.2016 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    UNO soll echte Probleme lösen

    Seit etwa 50 Jahren weiss die UNO ganz genau, was mit dem unbegrenzten Bevölkerungswachstum an Problemen entsteht. Und was macht die UNO in diesem Bereich? Eigentlich nichts. Doch, einer wettert immer gegen den Kapitalismus, ist aber auch kein Lösungsansatz.

  • Immer mehr Steuern am 13.07.2016 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Immer mehr Steuern

    Man könnte meinen, die Steuerverwaltung schreibt rote Zahlen und muss nach kreativen Wegen suchen, um zu Geld zu kommen. Vermutlich wieder mal auf Kosten vom Mittelstand und den Armen.