Fitnessstudios

10. Juli 2017 17:21; Akt: 10.07.2017 18:07 Print

Abo-Falle – das kann der Kunde dagegen tun

Weil Fitnessstudios Verträge automatisch verlängern, sind Kunden verärgert. Die Stiftung Konsumentenschutz warnt vor 19 Anbietern.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Lina* aus Bern ist verärgert: «Ganze 499 Franken habe ich verloren», sagt die 26-Jährige. Weil sie ihr Jahresabonnement bei einer grösseren Fitnesskette nicht drei Monate vor Ablauf schriftlich kündigte, ist dieses automatisch um ein weiteres Jahr verlängert worden. Erst Wochen nach Ablauf habe sie die neue Mitgliedschaftsrechnung an den verpassten Kündigungstermin und die damit verbundene Verlängerung erinnert. «Dieses Vorgehen ist doch eine absichtliche Falle des Unternehmens», ärgert sich die nun unfreiwillige Kundin.

Umfrage
Hatten Sie auch schon Probleme mit automatischen Vertragsverlängerunen?
73 %
27 %
Insgesamt 1924 Teilnehmer

Ebenfalls der automatischen Aboverlängerung zum Opfer fiel der Berner Silas*, Mitglied eines anderen Schweizer Fitnessunternehmens: «Völlig widerwillig muss ich nun rund 500 Franken für mein aufgezwungenes Fitnessabo hinblättern» Dies, obwohl er bereits seit letztem Herbst aus dem Vertrag austreten möchte. «Künden kann ich allerdings erst immer per 1. September», so der Kunde.

Konsumentenschützer prangern schwarze Schafe an

Solche Verträge sind bei der Stiftung für Konsumentenschutz seit längerem ein Thema: «Wir behalten die Schweizer Fitnesscenter genau im Auge», sagt Alex von Hettlingen von der Stiftung für Konsumentenschutz. Weil Fitnessverträge teils Klauseln beinhalten, die alles andere als kundenfreundlich sind, haben die Konsumentenschützer schon vor rund eineinhalb Jahren Listen erstellt: eine weisse Liste für diejenigen mit reiner Weste, eine graue für Studios, die sich durch ihre AGBs im halb legalen Bereich bewegen, und eine schwarze Liste für diejenigen, die ihre Kunden mit illegalen Verträgen an sich binden.

Trotz öffentlichem Pranger sind noch heute drei Fitness-Unternehmen auf der schwarzen Liste, 16 Studios bewegen sich nach wie vor im Graubereich. «Besonders loten die Studios bei der Kündigungsklausel das Gesetz aus», sagt von Hettlingen. Wer nicht von sich aus kündet, verpflichtet sich unbewusst für ein weiteres Jahr Schwitzen und Pumpen. «Für die Kunden sind solche automatischen Vertragsverlängerungen ärgerlich, da es sich jeweils um hohe Beträge handelt», so der Konsumentenschützer.

Betroffene Kunden sind empört

Auch Silas' Fitnesscenter steht auf der grauen Liste. Silas hat die Betreiber um einen Verzicht auf die Forderung oder einen Nachlass ersucht, jedoch kein Entgegenkommen gespürt. Auch gegenüber 20 Minuten wollte das Unternehmen am Freitag keine Stellungnahme abgeben.

Silas hat mittlerweile einen Anwalt konsultiert – «um mich aus dem Knebelvertrag zu befreien», sagt er. Der Rechtsberater schätze seine Chance aber als äusserst gering ein. «Wenn es einem bei Vertragsabschluss mitgeteilt wird, kann man später nicht mehr viel dagegen unternehmen», weiss Silas heute.

«Leider!», meint Cécile Thomi, Leiterin Recht der Stiftung Konsumentenschutz, dazu. «Doch eine automatische Aboverlängerung ist ein absoultes No-go, egal, wie gross oder klein sie im Vertrag festgehalten wurde», sagt die Juristin. Sie hätten für die Kunden eigentlich nur Nachteile. Man solle die Vertragsverlängerung deshalb nicht einfach so hinnehmen: «Suchen Sie umgehend das Gespräch», rät Thomi. Mit etwas Glück seien die Rechnungssteller kulant.

Vor Gericht verloren

Sollte der Einwand wie bei Fitnesskunde Silas nicht fruchten, gebe es die Möglichkeit, den Rechtsweg einzuschlagen – «dieser ist leider teuer, das Ende ist zudem ungewiss». Vor vier Jahren habe sich eine Mutter für ihren Sohn vor Gericht gewehrt, doch ohne Erfolg: «Das wirtschaftsfreundliche Handelsgericht hat dem Abo-Anbieter recht gegeben», so Thomi.

Doch es lohne sich, zu kämpfen: Ein Musterprozess mit positivem Ausgang würde dem Widerstand gegen automatische Vertragsverlängerungen Aufwind geben. «Und wir versuchen mit unseren Listen, weiterhin Druck auszuüben», so Konsumentenschützer Alex von Hettlingen.

*Namen geändert

(miw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gebranntes Kind am 10.07.2017 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Aber bei Swisscom ok?

    Ist halt ein Staatsbetrieb im Prinzip, da drückt man wohl gerne ein Äuglein zu. Keine Ahnung obs heute noch so ist, aber vor einigen Jahren verlor Swisscom mich als Kunden, nachdem sie mir lässig lächelnd mitteilten, ich hätte nochmals das selbe Abo für 2 Jahre, ich müsse halt einige ausdrücklich einige Monat vorher künden... Solche Abo-Fallen sind eine Frechheit sondergleichen und m.E. eigentlich kriminell.

    einklappen einklappen
  • Höisu am 10.07.2017 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Genau lesen!

    Bei Abschluss eines Abos darauf, dass solche Punkte vom Vertrag ausgeschlossen werden, sonst keinen Vertrag abschliessen. Was denkt ihr, wie schnell die gewissen Anbieter ihre Praxis ändern?

    einklappen einklappen
  • anita am 10.07.2017 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    reiseversicherung

    nicht nur bei fitnesscenter ist das so. bin soeben bei globetrotter in die falle getappt. ich hatte vergessen, die reiseversicherung vor ablauf eines jahres zu kündigen, also läuft diese um ein weiteres jahr weiter. schade somit bekommt meine schöne reise einen faden beigeschmack

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabian Lustenberger am 11.07.2017 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Turnverein statt Fitnesscenter

    Ich gehe schon gar nicht in die teuren Fitnesscenter. Lieber im Turnverein, ist viel günstiger, kollegialer und erst noch gesünder für den Körper.

  • fairman am 11.07.2017 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Rechnungsstellung vor Ablauf senden!

    Man muss solchen Anbieter zwingen vor Ablauf der Kündigungsfrist die Rechnung an den Kunden senden zu müssen. Damit können sich Kunden die keine Verlängerung mehr wollen den Vertrag rechtzeitig kündigen. Das wäre eine sauberer Geschäftsvorgang für alle Beteiligten.

  • Kevin am 11.07.2017 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    es mag für betroffene ärgerlich sein, aber eine wirkliche falle ist es nicht. als anbieter (egal welcher Dienstleistung) darf man doch wohl davon ausgehen, dass der kunde die Vertragsbedingungen gelesen und verstanden hat bei Unterzeichnung. die Bedingungen sind klar kommuniziert und wer es nicht versteht, ist ganz klar selbst schuld. sont wird auch stets nach eigenverantwortung geschrien.

    • Fritz Franz am 11.07.2017 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Kevin

      Tönt für mich, als möchte sich ein schwarzes Schaf aus der Affäre reden. Wieso muss ein Vertrag zum Nachteil des Kunden sein?

    einklappen einklappen
  • Escobar am 11.07.2017 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kleine Kinder

    Ist bei Zusatzversicherungen, Handyabos etc. nicht anders, nur weil gewisse nicht lesen können sucht man die Schuld bei anderen. Ihr seit Urteilsfähig also solltet ihr eure Verträge lesen bevor ihr sie unterschreibt!

  • Cavi33 am 11.07.2017 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jahresverträge mit Ablauf, basta

    Ich gehe in ein Fitness Studio und müsste eigentlich bei Vertragsunterzeichnung schon die Kündigung unterschreiben lassen, das hinterlässt doch schon ein ungutes Gefühl.