SBB

26. September 2017 19:21; Akt: 26.09.2017 19:21 Print

Zugbegleiter sollen Pendler stärker betreuen

von Stefan Ehrbar - Die Zugbegleiter der SBB sollen weniger kontrollieren und mehr helfen. Das Projekt der Bahn stösst auf Widerstand beim Personal.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Alle Billette vorweisen, bitte!» Diesen Satz werden Pendler in Zukunft wohl weniger hören. Die SBB plant, den Beruf der Zugbegleiter umzukrempeln. Sie sollen in Zukunft mehr Zeit in die persönliche Betreuung der Kunden investieren. Statt Zugbegleiter sollen sie Kundenbegleiter heissen. Das sieht das Projekt «Zugbegleitung 2020» vor.

«Generell wünschen sich alle Kunden mehr Informationen und Präsenz bei Störungen, Verspätungen und speziellen Vorkommnissen», sagt SBB-Sprecher Olivier Dischoe. Diesem Bedürfnis werde vermehrt Rechnung getragen. Billette würden aber auch in Zukunft kontrolliert.

Fusion bei Zugbegleitern

«Mit neuen Begleitkonzepten sollen die Sichtbarkeit und die Präsenz bei den Kunden erhöht werden», sagt Dischoe. Ziel sei es, den Mitarbeitern weiterhin ein attraktives Berufsbild mit breiter Aufgabenvielfalt zu bieten. «Die Mitarbeitenden werden bei den Kunden vor allem dort präsent sein, wo diese individuelle und persönliche Lösungen benötigen.»

Über das Projekt berichtete Anfang Jahr erstmals die «Ostschweiz am Sonntag». In den vergangenen Monaten wurde es nun in Zürich und Genf getestet. Die Erkenntnisse daraus sollen in das zukünftige Berufsbild einfliessen, die Auswertung der SBB ist aber noch nicht abgeschlossen. Laut ersten Informationen von 20 Minuten könnte das Projekt vor allem bedeuten, dass die heutige Teilung der Teams der Zugbegleiter in solche des Fern- und Regionalverkehrs aufgehoben wird.

Zugbegleiter helfen im Bahnhof

Damit würden in Zukunft auch Zugbegleiter des Fernverkehrs Stichproben im Regionalverkehr durchführen, während Mitarbeiter des Regionalverkehrs auch auf den Zügen des Fernverkehrs unterwegs wären. Im Fernverkehr sind keine Stichkontrollen geplant, möglich sind aber Schwerpunktkontrollen, bei denen beispielsweise drei bis fünf Zugbegleiter einen einzelnen Zug kontrollieren.

Insgesamt dürfte die Zeit, die in die klassische Ticketkontrolle investiert wird, sinken, während das Personal häufiger individuell den Kunden helfen soll. So könnten Zugbegleiter beispielsweise auch in der Kundenlenkung auf den Bahnhöfen eingesetzt werden oder über Anlässe informieren, sagt Jürg Hurni, Sekretär bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV.

Hunderte Unterschriften auf Petition

Auch weiterhin werden die Zugbegleiter betriebliche Aufgaben durchführen. «Einen Zugchef wird es auch in Zukunft noch brauchen», sagt Hurni. Einen grösseren Teil des Jobs sollen hingegen die digitalen Kompetenzen einnehmen. Bereits heute arbeiten die Zugbegleiter mit Smartphones, in Zukunft könnte die Komplexität noch zunehmen.

Das Personal befürchtet, dass sich die Arbeitsbedingungen verschlechtern könnten. So wehren sich die Zugbegleiter etwa gegen die Möglichkeit, dass im Fernverkehr nicht mehr auf jedem Zug zwei Zugbegleiter unterwegs sind. Der Unterverband des Zugpersonals des SEV hat deshalb bei der SBB-Führung bereits zwei Petitionen eingereicht, die von Hunderten unterschrieben wurden. «Wir werden dafür kämpfen, dass die Arbeitsbedingungen auch in Zukunft attraktiv bleiben», sagt Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erich T. am 26.09.2017 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Sicherheit.

    Ich möchte Billetkontrolle wie gehabt. Schwarzfahrer sollen keine Chance haben. Aber zusätzliches Personal namentlich Bahnpolizei sollte gerade am Abend die Züge begleiten und hart durchgreifen.

    einklappen einklappen
  • t. Swissguy am 26.09.2017 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Gefühls Gesellschaft

    Heutzutage geht es nur noch um Gefühle und möglichst wenig selber machen. Hürden gibt es schon gar nicht mehr. Was soll das? Einfach SBB app ausbauen und dort reinschreiben wenn man Probleme hat. Nicht enen Psychologen für den Zug ausbilden. Das ist komplett Weltfremd. Hört mal auf mit eurer Gefühlsduselei!!!

    einklappen einklappen
  • AnonymousSG am 26.09.2017 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe?

    Dafür kann man das Personal auch so fragen! Oder am Bahnhofschalter -.- oder per Alternative noch den grossen Fahrplan in jedem Bahnhof anschauen! Kontrolleure sind zum Kontrollieren da sonst sollen die mich nächstes Mal auch auf die Toilette begleiten und mir den A... abwischen

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hin Gucker am 27.09.2017 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WC Notstand

    Heute wieder 2 WC verstopft und überlaufen. Alles am Boden. Sollen zuerst mal schauen dass die WC funktionieren. Das wäre ein Fortschritt.

  • Kafi Satz am 27.09.2017 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wellness Oase Zug?

    Super, bitte en Kafi, da en Massage!? Weiss die SBB was sie will?

  • Tom am 27.09.2017 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verzeu das am Färima...

    ...heist nun neu: Verzeu das am Zugbegleitör.

  • I.Diot am 27.09.2017 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ich noch sagen wollte

    Die SBB hat es wieder geschafft Unsummen auszugeben um ein bisschen zu sparen.

  • Knaller am 27.09.2017 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Denken hilft sbb-Management

    Um das optimal umzusetzen müssten mind. 10 Zugsbegleiter pro Zug vorhanden sein. Ein voller Zug zu betreuen braucht Personal.. viel Spass dabei!