Freundschaft zerbrochen

06. März 2016 12:36; Akt: 07.03.2016 16:11 Print

Ignaz Bearth zofft sich mit Pegida-Chef Bachmann

von Marco Lüssi - Immer wieder trat der Schweizer Ignaz Bearth als Redner an Pegida-Demos in Dresden auf – mit dem Segen von Anführer Lutz Bachmann. Jetzt sind die beiden zerstritten.

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Da waren sie noch Freunde: Lutz Bachmann (links), bekanntestes Gesicht von Pegida Dresden, mit Ignaz Bearth bei einem Auftritt am 6. April 2015. Ignaz Bearth posiert bei einer Montagsdemo in Dresden mit Pegida-Anhängern. An den Demos in Dresden nahmen teilweise über 10'000 Personen teil. Bearth brachte dort auch T-Shirts seiner Direktdemokratischen Partei unter die Leute. Immer wieder trat Bearth in Dresden als Redner auf. Ermöglicht wurden Bearth diese Auftritte vom deutschen Pegida-Führer Lutz Bachmann. Doch damit dürfte es nun vorbei sein: Die beiden liefern einander seit dem 5. März 2016 einen Fight auf Facebook. Bearth ist bei Bachmann offenbar in Ungnade gefallen. Auf Facebook schreibt Bachmann: «Ignaz hat Pegida vor Monaten im Einvernehmen verlassen und ist in keiner Weise Repräsentant unserer Bürgerbewegung.» Bearth reagierte, ebenfalls auf Facebook, postwendend: Das seien «unglaubliche Aussagen» von Bachmann. Und er stellt klar: «Lutz ist nicht unser Führer.» Lutz Bachmann ist hochumstritten: Negativschlagzeilen machte er unter anderem, als ein Foto auftauchte, auf dem er als Hitler posierte. Ignaz Bearth fungierte Anfang 2015 als Sprachrohr von Pegida Schweiz. Am 16. Januar 2015 gab der Präsident der rechten Kleinpartei DPS und ehemalige Pnos-Anhänger bekannt, er trete von seinem Amt als Pegida-Sprecher zurück. Mit diesem Banner warb Pegida Schweiz für ihre Kundgebung. Auf dem Flyer war Bearth noch als einer der Redner bei der ersten Schweizer Pegida-Demo angekündigt. Diese Kundgebung fand jedoch nie statt. Stattdessen begann Bearth, Pegida-Anlässe in Deutschland und Österreich zu besuchen. Schlagzeilen machte Bearth Anfang 2015 mit seiner Facebook-Seite, weil die Mehrzahl der auffällig vielen Likes von Indern kamen. Mittlerweile ist es ihm gelungen, den Anteil an Indern bei seinen Likes zu senken.

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Zwischen Ignaz Bearth (32), Vertreter von Pegida Schweiz, und Lutz Bachmann (43), dem bekanntesten Gesicht von Pegida in Dresden, fliegen die Fetzen. Bis vor kurzem noch verband die beiden Exponenten der islamfeindlichen Bewegung ein freundschaftliches Verhältnis, immer wieder durfte Bearth an den Montagsdemos in Dresden als Redner auftreten.

Dazu wird es wohl nicht mehr so bald kommen: Bearth ist bei Bachmann in Ungnade gefallen. Der umstrittene Dresnder Pegida-Anführer griff den Ostschweizer am Samstag in einem Facebook-Post an: «Ignaz hat Pegida vor Monaten im Einvernehmen verlassen und ist in keiner Weise Respräsentant unserer Bürgerbewegung!» schrieb Bachmann – und verlieh dem besonderen Nachdruck, indem er alles in Grossbuchstaben schrieb.

Hintergrund seines Ärgers über Bearth: Der Schweizer will am 12. März, einen Tag vor den Wahlen in drei deutschen Bundesländern, bei einer Grossdemo in Berlin auftreten, die radikale rechte Kreise unter dem Motto «Merkel muss weg – wir schaffen das» organisieren. Bachmann lehnt diese Kundgebung ab und ruft alle Pegida-Anhänger auf, ihr fernzublieben.

«Lutz ist nicht unser Führer»

In einer Ansprache lieferte Bachmann dafür eine abenteuerliche Begründung: «Diese Demo wurde vom Verfassungsschutz initiiert, um einen Tag vor dem wichtigen Länderwahlen eine Eskalation zu provozieren, die man dann der AFD und den konservativen Kräften in die Schuhe schieben kann.» Die weit rechts positionierte Alternative für Deutschland (AFD) ist die Partei, zu deren Wahl Pegida aufruft – gewählt wird am 13. März Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

Bearth wehrte sich postwendend gegen den Angriff – indem er noch am gleichen Tag auf Facebook vier Videosequenzen veröffentlichte, um gegen die «Verleugnungen von Lutz Bachmann» zu protestieren.


Es sei eine «unglaubliche Frechheit», dass Bachmann behaupte, dass er Pegida verlassen habe: Er sei noch immer Repräsentant von Pegida Schweiz und werde als solcher in Berlin sprechen. Mit den Organisatoren der Demo in der deutschen Hauptstadt habe er telefoniert, sie hätten ihm einen guten Eindruck gemacht. Und er stellt klar: «Lutz ist nicht unser Führer, Pegida ist nicht Lutz, Lutz ist nicht Pegida.»

Vergeblich für National- und Kantonsrat kandidiert

Ignaz Bearth, ehemaliges Pnos- und SVP-Mitglied, ist heute Präsident einer Minipartei, der Direktdemokratischen Partei Schweiz. Für diese kandidierte er erfolglos bei den letzten Nationalratswahlen und bei den St. Galler Kantonsratswahlen.

Vor allem aber ist Bearth als Redner an Pegida-Veranstaltungen unterwegs – mit Dutzenden Auftritten nicht nur in Dresden, sondern auch in anderen deutschen, in österreichischen und tschechischen Städten. Kurze Zeit fungierte Bearth als Sprecher von Pegida Schweiz, er gab dieses Amt jedoch Anfang 2015 ab. Weder Bearth noch Bachmann waren am Sonntag für eine Stellungnahme zu ihrem Zerwürfnis erreichbar.