Freund und Helfer

26. September 2012 12:33; Akt: 26.09.2012 12:59 Print

«Jeder Polizist hofft, dass er nie schiessen muss»

von A. Hirschberg - Die Polizei schiesst nur, wenns nicht mehr anders geht. Die meisten Beamten müssen während ihrer ganzen Dienstzeit nicht auf Verdächtige schiessen. Wann aber kommt die Waffe zum Einsatz?

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Nach den tödlichen Zwischenfällen auf der Ibergeregg und in Montreux vor einigen Tagen stellt sich die Frage: Wann darf ein Polizist schiessen?
Harald Düring*: Zu den Fällen selbst kann ich nichts sagen. Den Schusswaffengebrauch regelt das Gesetz aber ganz klar: Die Polizei gebraucht die Waffe als letztes Mittel. Nur wenn ein Polizist oder Dritte direkt und unmittelbar an Leib und Leben bedroht sind, darf er schiessen. Das ist er etwa, wenn der Täter selbst eine Waffe auf ihn richtet. Der Schusswaffengebrauch muss wenn möglich angedroht werden. Dies geschieht mit dem Warnruf: «Halt, Polizei» und der sichtbaren Waffe.

Dann dürfte er schiessen?
Theoretisch ja. Jeder Polizist muss aber selbst abwägen, ob er von der Waffe wirklich Gebrauch macht. Wenn der Täter etwa seine eigene Waffe nicht senkt, kann eine Schussabgabe angemessen sein.

Da lastet ein riesiger Druck auf dem Polizisten.
Ja, das ist eine ganz heikle Situation. Nach dem Ziehen der Waffe muss der Polizist ständig die Lage beurteilen und neu einschätzen. Innert Sekundenbruchteilen muss er entscheiden: Schiessen oder nicht Schiessen?

Wie trainiert man das?
Die Ausbildung im Schusswaffengebrauch ist mehrstufig. In einer ersten Phase wird die technische Waffenhandhabung trainiert. Dann geht es in die zweite Phase über, zur Taktik. In verschiedenen realistischen Situation wird zuerst theoretisch und dann praktisch trainiert.

Wie muss man sich das vorstellen?
Der Polizist wird immer wieder in wechselnde Situationen gebracht, in welchen er auch über den Schusswaffeneinsatz entscheiden muss. Als höchste Stufe in der Ausbildung erfolgt dann der Einsatz in realistischen Situationen, wo auch mit einer speziellen, nicht tödlichen Trainingsmunition auf einen «Täter» geschossen wird.

Ein zentraler Teil der Ausbildung also?
Ja und nein. Die Ausbildung zielt in erster Linie darauf ab, dass der Polizist nicht schiessen muss und in der Lage ist, eine Situation einzuschätzen. Intensiv trainieren wir darum auch den Einsatz von anderen Mitteln wie Deeskalation, Pfefferspray oder Einsatzstock. Zudem sind die Polizisten im Bereich Kommunikation und Selbstverteidigung ausgebildet.

Schüsse auf Verdächtige sind also die absolute Ausnahme?
Es kommt oft vor, dass die Schusswaffe gezogen wird. In den allermeisten Fällen wird aber nicht geschossen. Die meisten Polizisten schiessen in ihrer ganzen Karriere zum Glück nie.

Wie ist das, wenn man wirklich schiessen muss?
Ich bin schon 23 Jahre bei der Polizei und musste noch nie schiessen. Wenn wirklich geschossen wird, ist das sehr tragisch für das Opfer und dessen Angehörige, aber auch enorm belastend für den Polizisten.

Wie kann man damit umgehen?
Ein Kollege von mir hat schon im Einsatz jemanden tödlich getroffen. Das war lange eine grosse Belastung für ihn, seine Familie und sein Umfeld. Das eine ist die Tatsache, dass man jemanden getötet hat. Das andere ist die rechtliche Seite. Die Untersuchung, ob die Schussabgabe gerechtfertigt war oder nicht. In der Regel wird der Polizist psychologisch unterstützt. Irgendwo muss er aber schliesslich selbst damit fertig werden. Wir sind keine Killer. Jeder von uns hofft, dass er nie schiessen muss.

* Harald Düring ist der Chef der Sicherheitspolizei bei der Kantonspolizei St. Gallen und Verantwortlicher Offizier für die taktische Ausbildung in der Polizeischule Ostschweiz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • a.fo am 27.09.2012 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Rambos

    Ich habe Vertrauen in unsere Polizei. Wenn sie schiessen müssen, dann sollen sie es tun. Oder sollen sie warten, bis sie erschossen werden?

  • Kollegin am 26.09.2012 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Urteil ohne Fakten...

    Würde man Wochen später auch noch berichten wenn der Polizist gestorben wäre? Wir lassen uns bespucken, beschimpfen und werden oft sogar tätlich angegangen, alles ohne gross reagieren zu dürfen! Aber trotzdem machen wir unsere Arbeit gerne, da es immer wieder schöne Erlebnisse gibt. Und ja, wir haben den Beruf gewählt- mit allem Drum und Dran! Aber sind wir deswegen weniger wert als Andere? Müssen wir aufgrund der Berufswahl tatsächlich damit rechnen erschossen zu werden ohne uns wehren zu dürfen? Derzeit weiss keiner warum es zu der Schussabgabe kam- also abwarten und urteilen- wenn überhaupt

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  • shimano am 26.09.2012 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Polizei ist an der Waffe ausgebildet!

    Wir sind zum Glück von amerikanischen Verhältnissen weit entfernt! Erstens ist die Polizei sicher sehr gut an der Waffe ausgebildet und zweitens ist es nochmals etwas ganz anderes, ob ein Polizist mit gezogener Waffe droht oder wirklich schiesst. Auch sind heutige Polizeipistolen relativ gut gegen leicht nervöse Zeigefinger geschützt (Anti-Stress-Abzug). Ich habe genug Vertrauen in die Polizei, dass sie angemessene und vernünftige Entscheidungen treffen kann. An dieser Stelle: Vielen Dank für euren unermüdlichen Einsatz!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • a.fo am 27.09.2012 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Rambos

    Ich habe Vertrauen in unsere Polizei. Wenn sie schiessen müssen, dann sollen sie es tun. Oder sollen sie warten, bis sie erschossen werden?

  • Stud am 26.09.2012 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu viele Rechte

    Der Polizei mehr Rechte geben ist in der Theorie ok. Jedoch muss man festhalten, dass sie kein neutrales und vorallem legal bewaffnetes Gefüge ist. Jeder Polizist ist ein Mensch, mit Erfahrungen, Meinungen und Überzeugungen. Viele Rechte und Freiheiten können so schnell zu einem Missbrauch der Machtposition der Polizei führen.

  • Dario am 26.09.2012 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tödlicherschuss erlaubt??? Wo bleibt die ausser ge

    Absoluter schwachsinn!!! Also soweit ich mitbekommen habe hat der mann in montreux zwar die waffe in der hand aber nirgends angsetzt um auf jemanden zu schiessen und ausserdem seit wann ist es der polizei erlaubt einen menschen tödlich zu treffen?!? Soweit ich weiss dürfen die bur schiessen und zwar in bereiche wo es nicht tödlich enden kann sondern wo die person ausser gefecht setzt z.b. Schulter,arm, beine also soll der nur richtig bestraft werden die polizei erlaubt sich aber auch alles und das ohne konsequenzen und ein normaler muss hinter gitter für jahre ich versteh das echt nicht mehr

    • FruitieCrab am 27.09.2012 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Profischütze?

      Aha also sind Sie woll ein Profischütze und können mir mit verbundene Augen einen Apfel vom Kopf schiessen? In stresssituationen ist es nicht einfach zu Zielen. Ebenfalls ist das schiessen mit der Pistole beziehungsweise das treffen nicht immer einfach, die Kugel fliegt selbst nach Jahrelangem training nicht immer genau da hin wo man es gerne möchte. Wegen des treffens kann ich aus eigener erfahrung sprechen ich bib Mitglied eines Schützenvereins ich schiesse nur auf Zielscheiben aber auch da treffe ich nicht nur die 10 auch wenn ich es gerne möchte.

    • Ralf Hase am 27.09.2012 17:40 Report Diesen Beitrag melden

      Ahja

      So eine Meinung vertreten doch meist Leute die schon Konflikte mit der Polizei hatten. Mal überlegt man eventl nicht immer genau das trifft auf was man zielt bedingt durch die Stresssituation und ähnliches?

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  • Hans-Beat am 26.09.2012 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waffen

    Ein Freund von mir ist seit 38 Jahren im Waffenhandel! Und ich seit 42 Jahren im Schützenverein. Seit über 20 Jahren gibt es richtig gute Betäubungswaffen! Die extrem zielsicher sind, und den Gegner innerhalb Sekunden ausser gefecht setzen! Je nach Betäubungsmittel. Ist das eine mögliche Lösung?

    • Mike am 27.09.2012 19:01 Report Diesen Beitrag melden

      Waffen

      nein.

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  • Anonym am 26.09.2012 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habe da eigene Ansichten

    Ich sehe das etwas anders als Herr Dürig. Ich bin selber Polizist und sage jedem der hofft, dass er nie schiessen muss, den falschen Job gewählt hat. Das sind dann diejenigen die in einer gefährlichen Situation angst haben oder nicht bereit sind auf jemanden zu schiessen. Solche gefährden sich selber und seine Arbeitskollegen. Ab der anderen Aussage, dass man von der Waffe gebrauch machen kann wenn das Gegenüber eine Waffe auf den Polizisten richtet, kann ich nur den Kopf schütteln. In dieser Situation ist es vielleicht bereits zu spät !

    • polizist am 27.09.2012 13:08 Report Diesen Beitrag melden

      ganz genau!

      bin auch ein Schroter. Ich sehe das genau wie du. Wir sind sowieso die Idioten, egal ob schon auf uns geschossen wird oder nicht. Schlimmer sind die Kollegen, die niemals schiessen würden, wegen den Untersuchungen danach. Und mit solchen Leuten im Nachtdienst als Sicherungsmann jemanden kontrollieren, ist weiss Gott nicht immer angenehm.

    • schweizer am 27.09.2012 16:33 Report Diesen Beitrag melden

      Schlechtes Bild

      Das klingt gerade nach Revolver-Held und nicht jemand der Recht und gesetzte schützt ! Den normalen Polizisten sollten alle tödlichen Waffen abgenommen werden und gegen Betäubungswaffen ersetzt werden, für härtere fälle haben wir immer noch die Spezial Kommandos. Die sind auch sehr gut ausgebildet, nicht so wie manche "Schroter"

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