Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Freund und Helfer
26. September 2012 12:33; Akt: 26.09.2012 12:59 Print
«Jeder Polizist hofft, dass er nie schiessen muss»
von A. Hirschberg - Die Polizei schiesst nur, wenns nicht mehr anders geht. Die meisten Beamten müssen während ihrer ganzen Dienstzeit nicht auf Verdächtige schiessen. Wann aber kommt die Waffe zum Einsatz?
-
Erschiessung in Montreux: Suchte der Mustang-Raser den Tod?
-
Tödliche Verfolgung: Polizist hat Strafverfahren am Hals
-
Mustang-Raser von Montreux: «Er war ein so guter und ehrlicher Mann»
-
Ibergeregg: Polizei erschiesst 24-jährigen Moldawier
-
Mehrmals aufgefallen: Der donnernde Mustang ist im Wallis bekannt
Nach den tödlichen Zwischenfällen auf der Ibergeregg und in Montreux vor einigen Tagen stellt sich die Frage: Wann darf ein Polizist schiessen?
Harald Düring*: Zu den Fällen selbst kann ich nichts sagen. Den Schusswaffengebrauch regelt das Gesetz aber ganz klar: Die Polizei gebraucht die Waffe als letztes Mittel. Nur wenn ein Polizist oder Dritte direkt und unmittelbar an Leib und Leben bedroht sind, darf er schiessen. Das ist er etwa, wenn der Täter selbst eine Waffe auf ihn richtet. Der Schusswaffengebrauch muss wenn möglich angedroht werden. Dies geschieht mit dem Warnruf: «Halt, Polizei» und der sichtbaren Waffe.
Harald Düring ist der Chef der Sicherheitspolizei bei der Kantonspolizei St. Gallen.
Bildstrecken
Schiesserei auf der IbergereggDer Mustang-Raser aus dem Wallis
Dann dürfte er schiessen?
Theoretisch ja. Jeder Polizist muss aber selbst abwägen, ob er von der Waffe wirklich Gebrauch macht. Wenn der Täter etwa seine eigene Waffe nicht senkt, kann eine Schussabgabe angemessen sein.
Da lastet ein riesiger Druck auf dem Polizisten.
Ja, das ist eine ganz heikle Situation. Nach dem Ziehen der Waffe muss der Polizist ständig die Lage beurteilen und neu einschätzen. Innert Sekundenbruchteilen muss er entscheiden: Schiessen oder nicht Schiessen?
Wie trainiert man das?
Die Ausbildung im Schusswaffengebrauch ist mehrstufig. In einer ersten Phase wird die technische Waffenhandhabung trainiert. Dann geht es in die zweite Phase über, zur Taktik. In verschiedenen realistischen Situation wird zuerst theoretisch und dann praktisch trainiert.
Wie muss man sich das vorstellen?
Der Polizist wird immer wieder in wechselnde Situationen gebracht, in welchen er auch über den Schusswaffeneinsatz entscheiden muss. Als höchste Stufe in der Ausbildung erfolgt dann der Einsatz in realistischen Situationen, wo auch mit einer speziellen, nicht tödlichen Trainingsmunition auf einen «Täter» geschossen wird.
Ein zentraler Teil der Ausbildung also?
Ja und nein. Die Ausbildung zielt in erster Linie darauf ab, dass der Polizist nicht schiessen muss und in der Lage ist, eine Situation einzuschätzen. Intensiv trainieren wir darum auch den Einsatz von anderen Mitteln wie Deeskalation, Pfefferspray oder Einsatzstock. Zudem sind die Polizisten im Bereich Kommunikation und Selbstverteidigung ausgebildet.
Schüsse auf Verdächtige sind also die absolute Ausnahme?
Es kommt oft vor, dass die Schusswaffe gezogen wird. In den allermeisten Fällen wird aber nicht geschossen. Die meisten Polizisten schiessen in ihrer ganzen Karriere zum Glück nie.
Wie ist das, wenn man wirklich schiessen muss?
Ich bin schon 23 Jahre bei der Polizei und musste noch nie schiessen. Wenn wirklich geschossen wird, ist das sehr tragisch für das Opfer und dessen Angehörige, aber auch enorm belastend für den Polizisten.
Wie kann man damit umgehen?
Ein Kollege von mir hat schon im Einsatz jemanden tödlich getroffen. Das war lange eine grosse Belastung für ihn, seine Familie und sein Umfeld. Das eine ist die Tatsache, dass man jemanden getötet hat. Das andere ist die rechtliche Seite. Die Untersuchung, ob die Schussabgabe gerechtfertigt war oder nicht. In der Regel wird der Polizist psychologisch unterstützt. Irgendwo muss er aber schliesslich selbst damit fertig werden. Wir sind keine Killer. Jeder von uns hofft, dass er nie schiessen muss.
* Harald Düring ist der Chef der Sicherheitspolizei bei der Kantonspolizei St. Gallen und Verantwortlicher Offizier für die taktische Ausbildung in der Polizeischule Ostschweiz.
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 194 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt


















Keine Rambos
Ich habe Vertrauen in unsere Polizei. Wenn sie schiessen müssen, dann sollen sie es tun. Oder sollen sie warten, bis sie erschossen werden?
Nicht zu viele Rechte
Der Polizei mehr Rechte geben ist in der Theorie ok. Jedoch muss man festhalten, dass sie kein neutrales und vorallem legal bewaffnetes Gefüge ist. Jeder Polizist ist ein Mensch, mit Erfahrungen, Meinungen und Überzeugungen. Viele Rechte und Freiheiten können so schnell zu einem Missbrauch der Machtposition der Polizei führen.
tödlicherschuss erlaubt??? Wo bleibt die ausser ge
Absoluter schwachsinn!!! Also soweit ich mitbekommen habe hat der mann in montreux zwar die waffe in der hand aber nirgends angsetzt um auf jemanden zu schiessen und ausserdem seit wann ist es der polizei erlaubt einen menschen tödlich zu treffen?!? Soweit ich weiss dürfen die bur schiessen und zwar in bereiche wo es nicht tödlich enden kann sondern wo die person ausser gefecht setzt z.b. Schulter,arm, beine also soll der nur richtig bestraft werden die polizei erlaubt sich aber auch alles und das ohne konsequenzen und ein normaler muss hinter gitter für jahre ich versteh das echt nicht mehr
Profischütze?
Aha also sind Sie woll ein Profischütze und können mir mit verbundene Augen einen Apfel vom Kopf schiessen? In stresssituationen ist es nicht einfach zu Zielen. Ebenfalls ist das schiessen mit der Pistole beziehungsweise das treffen nicht immer einfach, die Kugel fliegt selbst nach Jahrelangem training nicht immer genau da hin wo man es gerne möchte. Wegen des treffens kann ich aus eigener erfahrung sprechen ich bib Mitglied eines Schützenvereins ich schiesse nur auf Zielscheiben aber auch da treffe ich nicht nur die 10 auch wenn ich es gerne möchte.
Ahja
So eine Meinung vertreten doch meist Leute die schon Konflikte mit der Polizei hatten. Mal überlegt man eventl nicht immer genau das trifft auf was man zielt bedingt durch die Stresssituation und ähnliches?