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25. September 2012 16:19; Akt: 25.09.2012 17:49 Print

Von der Stein-Affäre zur Wahlkampfposse

von F. Burch - Die Sache wird immer verworrener: Der FDP-Regierungsratskandidat Christian Varone soll den türkischen Botschafter um Unterstützung gegen seinen SVP-Kontrahenten Oskar Freysinger gebeten haben.

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Der Vorfall rund um den Walliser Polizeikommandanten Christian Varone, der einen Stein aus der Türkei mitgehen liess, scheint eine unvorhergesehene Wende zu nehmen. Laut der türkischen Zeitung «Hürriyet» soll der FDP-Mann am 5. September beim türkischen Botschafter in Bern gewesen sein. Dies, um den Botschafter zu bitten, sich für ihn einzusetzen, wie «Schweiz aktuell» berichtet. Unter anderem habe Varone gewünscht, man solle in der Türkei bekanntmachen, dass Oskar Freysinger - sein politischer Gegner von der SVP bei der Regierungsratswahl - versuche, aus dem laufenden Verfahren wegen Antiquitätenschmuggel Kapital zu schlagen.

Ob das Treffen in der Botschaft wirklich stattgefunden hat, ist offiziell noch nicht bestätigt worden. Allerdings sagte ein Botschaftsmitarbeiter zu «Schweiz aktuell», es sei zu einem solchen Treffen gekommen. Wie 20 Minuten Online aus verlässlicher Quelle weiss, informierte Varone seine Chefin, Regierungsrätin Esther Waeber-Kalbermatten über seinen Plan, die türkische Botschaft zu kontaktieren. Ob er den Termin dann auch wirklich wahrgenommen hat, sagte er Waeber-Kalbermatten nie.

«Ich habe Mühe, die Geschichte zu glauben»

Freysinger möchte zur jüngsten Entwicklung nicht viel sagen. «Ich schweige lieber, bis klar ist, was wirklich stimmt», so Freysinger zu 20 Minuten Online. Er habe unglaubliche Mühe, die Geschichte zu glauben. «Wenn sie wahr ist, muss ich mir überlegen, welche Schritte ich unternehmen soll.»

Freysinger betont, dass die Stein-Affäre im Wahlkampf von der SVP nie thematisiert worden sei; im Gegensatz zu Varones parteiinternen Gegnern in der FDP. «Wir werden dies auch in Zukunft nicht tun, das geht uns nichts an.» Er glaubt indes, die Zeitung «Hürriyet» habe etwas verdreht.

Prozess verschoben

Am Dienstag hätte der Prozess gegen Varone in der südtürkischen Stadt Antalya beginnen sollen. Weil Varones Verteidigung aber gefordert haben soll, dass ein neues Gutachten von einem Archäologen und nicht von einem Kunsthistoriker erstellt werden müsse, wurde der Prozess vertagt.

Varone war am 27. Juli in Antalya festgenommen worden, als er mit seiner Familie nach Ferien in der Türkei die Heimreise antreten wollte. Beamte am Flughafen fanden in seinem Gepäck einen Stein, der bereits in einer ersten Schnellanalyse türkischer Experten als antikes Säulenfragment bezeichnet wurde.

Varone schweigt

Varone war nach einigen Tagen in Untersuchungshaft ohne Auflagen auf freien Fuss gesetzt worden und konnte in die Schweiz zurückkehren. Bei einer Verurteilung drohen Varone bis zu zwölf Jahre Haft, die er allerdings nicht antreten muss, wenn er sich von der Türkei fernhält.

Seine politische Karriere verfolgt Varone ungeachtet des Prozesses weiter. Anfang September wurde er als offizieller FDP-Kandidat für den Walliser Regierungsrat nominiert. Er soll den zurücktretenden Regierungsrat Claude Roch ersetzen. Weder seine Anwälte noch Varone selber waren heute für 20 Minuten Online erreichbar. Ebenso wenig die türkische Botschaft in Bern.

mit Material der SDA

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Harry am 25.09.2012 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abstrus

    Verstehe noch einer was in ihm vorgeht. Entschuldigung, aber so jemand ist weder bei der Polizei, noch in der Politik zu gebrauchen. Er hat jegliches bisschen an Glaubwürdigkeit verloren. Erst war es ein kleiner Kieselstein, dann war es sein Sohn, dann nutzt er seine Beziehungen um frei zu kommen, bei einem Prozess will er sich natürlich stellen, jetzt versteckt er sich und versucht die türkische Justiz mit unsinnigen Vorwürfen zu manipulieren... Und tschüss!

  • MTO am 25.09.2012 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Ich verfolgte schon seit Anfang das ganze. Etwas an der Sache ist faul. Die ersten Aussagen stimmen auch nicht mehr zur heutigen.

    einklappen einklappen
  • P.H. Nahas am 26.09.2012 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nüchtern betrachtet

    liegt zunächst der Bruch eines gut bekannten Gesetzes in einem ausländischen Gastland vor, und das durch jemanden, der es eigentlich besser wissen müsste. Weiter liegt eine Reihe von Manövern vor, die nicht von politischer Sensibilität zeugen. Andererseits hat der Mann Qualitäten im Krisenmanagement bewiesen, und Qualitäten des Führens. Unter dem Strich bleiben 2 Fragen: 1. Weshalb beweist er nicht die Grösse, zu seinem Fehler zu stehen? 2. Welchen Anteil an der Affäre haben jene, die daraus Nutzen ziehen wollen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris Fogg am 26.09.2012 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Tritt zurück!

    Ein Erwachsener sollte wissen, dass man von bekannten Plätzen, Tempel, etc. keine Gegenstände mitnimmt. Egal ob sie wie ein Kieselstein aussehen, was in diesem Fall sicherlich nicht ist. Für mich ist dieser Mensch in der Politik und seinem Posten untragbar geworden.

  • Alex am 26.09.2012 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Eindeutig ein bearbeiteter Stein

    Das sieht zumindest nicht aus wie irgendein Stein, der ist mit Werkzeug bearbeitet worden. Politisch motiviert war die Verhaftung nicht, Herr Varone hat wohl die Verantwortung übernommen, aber die Sache etwas zu sehr verharmlost... Wir werden ja sehen. Solange man den Prozess in der Türkei nicht ernst nimmt sind seine Wahlchancen intakt. Ich würde jedenfalls nicht mehr in die Türkei gehen, wenn ich Varone wäre...

  • Elif Kurtuluz am 26.09.2012 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    seltsame Methoden und Umstände

    einfach lächerlich! bin gerade zurück aus der Türkei und ich glaube nicht, dass sich irgendetwas dadurch ändern würde. Varone kann von Glück reden, dass er nicht wochenlang dabehalten wurde um den Sachverhalt zu klären. Allein dieser Umstand gibt schon zu denken, denn Otto-Normaltourist hätte genau dieses Schicksal erfahren. Er wird seine Abmahnung an der Urne hoffentlich erhalten!

  • P.H. Nahas am 26.09.2012 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nüchtern betrachtet

    liegt zunächst der Bruch eines gut bekannten Gesetzes in einem ausländischen Gastland vor, und das durch jemanden, der es eigentlich besser wissen müsste. Weiter liegt eine Reihe von Manövern vor, die nicht von politischer Sensibilität zeugen. Andererseits hat der Mann Qualitäten im Krisenmanagement bewiesen, und Qualitäten des Führens. Unter dem Strich bleiben 2 Fragen: 1. Weshalb beweist er nicht die Grösse, zu seinem Fehler zu stehen? 2. Welchen Anteil an der Affäre haben jene, die daraus Nutzen ziehen wollen?

  • Stefan W. am 26.09.2012 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Vorfall Christian Varone

    Schon irgendwie lustig zu betrachten, für was alles die SVP nun wieder hinhalten soll. Mit der FDP geht es steil den Berg hinab.