Altes Geschäft

02. Januar 2016 18:07; Akt: 03.01.2016 16:45 Print

Bärtige Hipster bringen Barbershops zum Boomen

In jeder Form, Farbe und Länge ist er derzeit anzutreffen. Der Bart hat den Mainstream erobert. Davon profitiert ein alter Beruf: Barbiere sind wieder gefragt.

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Der Bart boomt in der Schweiz. Orange, braun, schwarz, blond – in allen Farben lassen sich die Männer derzeit ihr Gesichtshaar wachsen. Doch hinter der anscheinend zufälligen, lässigen Coolness steckt meist viel Pflege. Getrimmt, gestutzt und gebürstet müssen die Bärte werden – sonst ist oft ein löchriges, filziges Wirrwarr das Resultat.

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Diese Entwicklung bringt ein fast schon antikes Geschäft wieder in Schwung: der Barbier. Die Stimme von Sarah Rosario, Inhaberin des Barberhop Rosario in Bern, überschlägt sich fast am Telefon: «Ich bin seit April ausgebucht. Es ist echt krass.»

Shampoo, Conditioner und Öl

Sie führe den einzigen auf den Bart spezialisierten Laden in der Stadt. Seit sieben Jahren bereits. «Einen solchen Boom habe ich aber noch nie erlebt.» Sie müsse tagtäglich Kunden vertrösten.

Sieben, acht Bärtige bediene sie am Tag. Bis anhin seien es höchstens zwei pro Woche gewesen. «Es sind vor allem Hipster, die bei mir reinschneien», sagt Rosario. Sie sorge dann dafür, dass die Bärte nicht verwildert ausschauten. «Dazu braucht es Shampoo, Conditioner, Öl, ich muss bürsten, kämmen und kaschieren.»

14 Bärte am Tag

Viele Männer hätten keinen durchgehend einheitlichen Bartwuchs. Meistens finde sie aber eine Lösung, damit man die kahlen Stellen nicht erkenne, so Rosario. «Viele wollen ausserdem eine Oldschool-Behandlung mit heissen und kalten Kompressen und einer traditionellen Rasur mit Messer – wie vor 100 Jahren.»

Auch beim Barbier Marco il Figaro & Barbiere in Zürich läuft das Geschäft rund. Erstaunt ist Inhaber Marco Natali aber nicht: «Ich habe schon vor fünf Jahren prophezeit, dass der Bart wieder kommt.» Derzeit behandle er bis zu 14 Bärte am Tag. «Die Anfrage war so gross, dass ich einen zusätzlichen Mitarbeiter anstellen musste.»

Vor drei Jahren noch undenkbar

Den Boom habe er schon seit einigen Jahren im Ausland verfolgt. Nun traue sich auch die Schweiz. «Der Bart ist mittlerweile praktisch überall salonfähig.» Zu seinen Kunden gehörten Bauarbeiter, Banker und sogar Berühmtheiten. «Der Mann will wieder ein Mann sein – dank diesem Trend können wir die Tradition des Barbiers wieder aufleben lassen», so Natali.

Auch Eddine Belaid hat sich auf den Bart spezialisiert. Der Berliner führt seit sieben Jahren den Barbershop in Zürich. «Alle tragen Bart derzeit, er ist endlich im Mainstream angekommen.» Vor drei Jahren sei dies noch undenkbar gewesen.

«Piksende Haare mit Peeling behandeln»

Dass die Männer tatsächlich einen Barbier aufsuchten und sich nicht beim Coiffeur behandeln liessen oder gleich selbst Hand anlegten, habe mit der heutigen Gesellschaft zu tun. «Die Leute wollen Spezialisten – in jeder Branche.» Gut ausgebildete Barbiere seien in der Schweiz aber Mangelware.

Als Spezialist habe er Geheimtipps, beispielsweise gegen juckende Bärte: «Oft drehen sich die Haare beim Wachsen und piksen dann wie wahnsinnig.» Dagegen helfe ein Peeling, dieses löse die eingewachsenen Haare. Bei ihm boome allerdings nicht nur die Behandlung von Bärten. Auch seine Barberschule, in der er den Nachwuchs ausbilde, sei bis ins nächste Jahr ausgebucht.

(tab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DäCapo am 02.01.2016 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Hipster

    Ich zieh mir nicht gleich die komplette Maniküre, aber so ein Bart will schon ab und an gepflegt werden. Und nicht nur Hipster gehen zum Barbiere. Das tun auch die Herren, die einfach das Wissen und die Fingerfertigkeit eines Fachmannes zu schätzen wissen.

  • Kein Hipster am 02.01.2016 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schaurig

    Diese Hipster machen mir alles nach: Seit Jahren lasse ich mir den Bart von meinem türkischen Barbier schneiden. Auch meinen Rentierpulli trage ich an Weihnachten schon lange. Die müssen einem schon alles verleiden!

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  • Rabauke am 02.01.2016 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich, aber sowas von!

    Es ist unglaublich peinlich wenn man jeden Trend mitmachen muss. Vor allem sieht man es den Leuten gleich an und natürlich trifft man dieses Phänomen hauptsächlich in den Städten an. Es geht den Leuten doch gar nicht darum einen Bart zu haben sondern mit dem Trend zu gehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zico am 03.01.2016 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Möchtegerns

    Ja genau, wie ich es zum Gähnen finde die Typen mit Bärten und neuerdings Dutt....zum Davonlaufen.

  • Miss Bart am 03.01.2016 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bart

    Bin eine Frau und geh auch zum Barbier, da ich ein Bsrt habe

  • blubbidupo am 03.01.2016 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blubb

    dachte heisst barbier und nicht barber... ich stutz mir den bart selber und trage den auch alle paar wochen etwas anders. langweilig immer denselben zu haben. ausserdem ist zu lang nicht gut fürs küssen und essen.

  • Vici am 03.01.2016 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nervig

    Langsam nervt es überall diese riesen Bärte zu sehen! Ist ja noch schlimmer als bei den Frauen diese Ombré Hair Fails. Wer nicht weiss was das ist, bitte googeln. Krnnt ihr bestimmt.

  • Rico S am 03.01.2016 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Strohfeuer

    Das ist ein Strohfeuer mit diesen Talibanbärten. Der Hipster besteigt bekanntlich etwa alle 2 Jahre ein anderes Pferd.