Flexiblere Arbeitszeiten

07. November 2017 09:30; Akt: 07.11.2017 10:51 Print

Kommt bald auch im Büro die 50-Stunden-Woche?

Weniger vorgeschriebene Ruhezeiten und eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 50 Stunden für alle Berufe: Der Gewerbeverband greift den Arbeiterschutz an.

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Drei Viertel der Erwerbstätigen arbeiten laut dem Schweizerischen Gewerbeverband im Dienstleistungssektor, wie beispielsweise in der Gastronomie. Die zu starren Arbeitszeiten würden sich an einem überholten Fabrikbild orientieren. Hans-Ulrich Bigler, FDP-Nationalrat und Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes: «Wir fordern, dass die Höchstarbeitszeit von 45 Stunden auf 50 Stunden pro Woche angehoben wird.» Auch im Büro könnte diese neue Höchstarbeitszeit kommen. «Das heutige Arbeitsgesetz ist in Branchen wie bei uns Treuhänderinnen und Treuhändern kaum sinnvoll praktikabel», sagt FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger. «Das heutige Arbeitsgesetz ist in Branchen wie bei uns Treuhändern kaum sinnvoll praktikabel», sagt Daniela Schneeberger, FDP-Nationalrätin und Präsidentin von Treuhandsuisse. Oder die Bauarbeiter müssen künftig bis spät in die Nacht hinein arbeiten – wenn vom Arbeitgeber verlangt und nur vorübergehend. Jean-Francois Rime, SVP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands: «Wollen wir diesen wichtigen Erfolgsfaktor nicht gefährden und langfristig Arbeitsplätze sichern, muss das Arbeitsgesetz von unnötigen und veralteten Regulierungen entschlackt werden.» Auch die Hotellerie-Branche wäre davon betroffen: Arbeitnehmer müssten sieben Tage lang arbeiten, dafür erhielten sie danach mehr Freitage. SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger-Bäni: «Es ist einfach nicht mehr zeitgemäss, wenn rechtlich vorgeschrieben wird, dass eine Pause in der Mitte der Arbeitszeit angesetzt werden muss.»

Müssen auch Büroangestellte bald 50 Stunden pro Woche arbeiten?

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Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) will ein flexibleres Arbeitsgesetz: Dieses wurde vor über 50 Jahren in Kraft gesetzt und sei dementsprechend veraltet, schreibt der SGV in einer Mitteilung. Ein flexibler Arbeitsmarkt sei die Grundlage für eine tiefe Arbeitslosigkeit.

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«Wollen wir diesen wichtigen Erfolgsfaktor nicht gefährden und langfristig Arbeitsplätze sichern, muss das Arbeitsgesetz von unnötigen und veralteten Regulierungen
entschlackt werden», sagt SGV-Präsident und SVP-Nationalrat
Jean-François Rime.

Diese Forderungen stellt der SGV an der heutigen Pressekonferenz vor:

• Keine Regulierungen mehr in industriellen Betrieben.
• Die wöchentliche Höchstarbeitszeit wird bei 50 Stunden festgelegt. Heute liegt diese bei 45 Stunden für Arbeitnehmer in industriellen Betrieben sowie für Büropersonal oder Verkaufspersonal im Detailhandel.
• Ruhezeiten, Pikettdienste und Pausenzeiten werden flexibler gestaltet. Zum Beispiel soll die Ruhezeit für erwachsene Ar-
beitnehmer zweimal in der Woche bis auf acht Stunden herabgesetzt werden können.
• Die Regelung von Arbeits- und Ruhetagen im Gastronomie- und Hotellerie-Bereich werden flexibilisiert.

Digitalisierung erfordert laut Gewerbe Flexibilität

Mit den neuen Regelungen sollen laut Rime die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz gestärkt und verbessert werden. «Durch die Digitalisierung und die sich wandelnden Lebensumstände verändert sich das Arbeitsleben immer mehr. Das Arbeitsrecht muss die Bedürfnisse der modernen Arbeitswelt besser aufnehmen», so der SGV-Präsident.

Hans-Ulrich Bigler, FDP-Nationalrat und Direktor des SGV, sagt: «Die jetzigen 45 Stunden pro Woche stimmen nicht mehr mit den Realitäten und Anforderungen in den verschiedenen Branchen überein.» Es müsse möglich sein, die vorgeschriebenen Stunden vorübergehend überschreiten zu dürfen. Es gehe aber nicht darum, die Anzahl der zu leistenden Arbeitsstunden zu erhöhen. «Es soll im Durchschnitt und über das ganze Jahr wie bis anhin 40 bis 42 Stunden pro Woche gearbeitet werden.» SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger-Bäni ergänzt: «Es ist einfach nicht mehr zeitgemäss, wenn rechtlich vorgeschrieben wird, dass eine Pause in der Mitte der Arbeitszeit angesetzt werden muss.»

Diese Berufe wären von den neuen Regelungen betroffen:

• Tourismus: In Wintersportgebieten könnten die Angestellten mehr Tage am Stück arbeiten. Dafür erhielten sie anschliessend längere Freizeit. Laut SGV würde eine längere Ruhezeit «explizit gewünscht», vor allem von Saisonarbeitenden.
• Hotellerie und Gastronomie: Sieben Tage am Stück könnte der Arbeitgeber im Gastgewerbe seine Angestellten beschäftigen. Das Arbeitsgesetz sieht momentan maximal sechs aufeinanderfolgende Tage vor.
• Treuhänder: «Das heutige Arbeitsgesetz ist in Branchen wie bei uns Treuhändern kaum sinnvoll praktikabel», sagt Daniela Schneeberger, FDP-Nationalrätin und Präsidentin von Treuhandsuisse. Gerade über den Jahreswechsel und jeweils im Frühjahr müssten längere Arbeitszeiten möglich sein, da dann viel Arbeit mit Jahresabschlüssen und Steuererklärungen anstehe.
• Baugewerbe: Eine möglichst flexible Regelung der Arbeitszeiten sei für das Baugewerbe zentral. Gian-Luca Lardi, Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes, sagt: «Wenn wir
wettbewerbsfähig bleiben und Arbeitsplätze erhalten wollen, müssen wir uns von alten Zöpfen verabschieden.» Ein flexibleres Arbeitsgesetz sei die Grundlage dafür.
• KMU: Starre Arbeits- und Ruhezeiten seien unpraktisch für kleine Unternehmen. Es brauche Ausnahmen für KMU bis zehn Personen, fordert Flückiger-Bäni.

Sind Sie Arbeitgeber oder Arbeitnehmer? Schreiben Sie uns, was Sie vom Vorschlag des SGV halten.

(sil)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • g-rd am 07.11.2017 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Klar. Nur weiter so.

    Aber sicher doch! Und wenn die Leute dann mit 50 völlig ausgebrannt sind, kann man sie erst mal der Arbeitslosenkasse und dann dem Sozialwesen übergeben, weil sie eh keine Arbeit mehr finden. Hauptsache, der Unternehmer verdient sich eine goldene nase.

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  • Sim0n am 07.11.2017 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yolo

    Wofür braucht man auch eine Work-Life-Balance? In Zeiten von burn out usw. ist es natürlich intelligent dem Arbeitnehmer noch mehr Rechte und Freiheiten zu nehmen.

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  • Gandalf am 07.11.2017 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wilkommen in der Sklaverei!

    50 Stunden Arbeitszeit + 10 Stunden Arbeitsweg (scheint in der Schweiz ja langsam Standard zu sein) + 8 Stunden Mittagspausen = 68 Stunden die man mal einfach für die Arbeit benötigt! Also weiter berechnen wir mal wiviel Freizeit da übrig bleibt, 24 Stunden mal 5 = 120 - 68 = 52 - 8 Stunden Schlaf pro Tag (40 Stunden) = 12 Stunden : 5 = 2.4 Stunden Freizeit pro Tag, die dann wohl für Einkaufen und Abendessen kochen drauf geht! Wilkommen in der Sklaverei!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Julian Von Rohr am 08.11.2017 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die wahren Probleme erkennen und bekämpfen.

    Wir Krampfen uns jetzt schon zum Wahnsinn, manchmal Frage ich mich wieso? wir kaufen (mieten) Häuser Wohnungen die wir kaum geniessen, wir gründen Familien und zeugen Kinder für die wir kaum Zeit haben, Feiertage gibt es kaum mehr vor allem im z.b Kanton Zürich. Die da Oben sollen mal ihre Köpfe benützen und zeigen warum sie dort oben sind, und nach Lösungen suchen die nicht nur gut ist für das eigene Portmonee. Stress und Psychische Krankheiten, bei Physischen Arbeitern kommen noch Rückenschmerzen dazu, wobei man ganz genau weiss das Gesunde Menschen in 1h mehr leisten als. Kranke in 4h.

  • Sarkasmus am 08.11.2017 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    Burnout, Depressionen, Suizidgefahr usw.. Macht ja nix! Die nächsten warten schon! Jeder ist ersetzlich!! Einfach nur traurig, dieser Zustand!!

  • Valiant Thor am 08.11.2017 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist blanker Hohn

    bei so vielen Arbeitslosen und Ausgesteuerten die wir heute haben. Nur schon über sowas nachzudenken ist hier absolut Fehl am Platz. Und wenn die Herren das Gefühl haben das Arbeitspensum habe derart zugenommen, dann sollen die gefälligst zu normalen bisherigen Bedingungen neue Arbeitsplätze und auch Teilzeit-Arbeitsplätze schaffen. Die Leute von heute sind Flexibel genug, mehr geht einfach nicht mehr. Sowas wäre Sklaverei 4.0

  • Spatz am 08.11.2017 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In hundert Jahren

    Uns kann man nicht kündigen. Sklaven werden verkauft.

  • Lo Steiner am 08.11.2017 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Jahresarbeitszeit einführen

    dann arbeiten wir wenigstens nicht gratis und bestimmen die Zeiten weitgehend selber.