Kritisches Denken

20. Oktober 2017 22:10; Akt: 21.10.2017 16:29 Print

Indoktrinieren Lehrer beim Klimawandel ihre Schüler?

von B. Zanni - Lehrkräfte seien beim Thema Klimawandel manchmal nicht neutral, sagen Politiker. Wissenschaftliche Fakten blieben auf der Strecke.

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Anlass war eine Lektion zur drohenden Klimakatastrophe. «Mein 16-jähriger Sohn kam wieder einmal wütend aus dem Unterricht des Gymnasiums Biel-Seeland nach Hause», erinnert sich der Oberstufenlehrer und Bieler GLP-Gemeindepolitiker Alain Pichard. Sein Sohn habe dem Lehrer erklärt, dass die Temperaturen in den letzten 15 Jahren trotz höherem Co2-Ausstoss im selben Zeitraum nicht mehr gestiegen seien. «Als Beweis brachte er ihm die Forschungsergebnisse der Nasa mit, worauf der Lehrer meinte, vielleicht stagniere das Klima ein bisschen», führt er in der «Weltwoche» aus.

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Sind Lehrpersonen beim Unterrichten neutral?

Der ältere Bruder musste in Naturkunde der vierten Klasse laut Pichard im Wald «Bäume umarmen und zu ihnen flüstern». Der älteste Spross habe Bilder malen dürfen zu Zitaten wie: «Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.»

«Klimawandel darf nicht zur Religion werden»

«Der Klimawandel darf im Unterricht nicht zu einer Religion werden», warnt Pichard gegenüber 20 Minuten. Er selbst sei zwar davon überzeugt, dass es den Klimawandel gebe. «Wir müssen aber aufpassen, dass unsere Kinder nicht mit einem Alarmismus und Katastrophendiskurs unterrichtet werden.»

Auch wenn eine grosse Mehrheit der Lehrpersonen von den negativen Effekten des Klimawandels sehr überzeugt sei, dürften sie Zweifel nicht verdrängen. Man müsse junge Menschen autonom erziehen. «Das heisst, sie experimentieren lassen und zum kritischen Denken anregen, statt sie zu Umweltschützern ausbilden zu wollen.»


Haben oder hatten Sie Lehrpersonen erlebt, die Schüler mit ihrer privaten, weltanschaulichen, politischen oder religiösen Haltung beeinflussen? Erzählen Sie uns davon:

Lehrerin mit Greenpeace-Pulli

Auch SVP-Nationalrat Christian Imark stellt fest: «Vermutlich, weil Lehrkräfte hauptsächlich politisch links sind, greifen sie beim Klimawandel manchmal zur Moralkeule.» Sie glaubten, der künftigen Generation etwas Wichtiges mitgeben zu können. «Das hat zur Folge, dass sie Schülern ihr politisches Gedankengut eintrichtern.»

Der 35-Jährige hat in der Schule ähnliche Erfahrungen gemacht. «Meine Lehrerin trug oft einen Greenpeace-Pulli und einmal warnte sie uns mit einem Bild von rauchenden Kaminen, dass dies die Zukunft sei.» Auf kritische Kommentare sei sie nicht eingegangen. «Schüler mit entsprechender Gesinnung wurden bevorzugt behandelt.» Damit Lehrer Fakten statt ihr eigenes politisches Programm vermitteln, fordert Imark in der Lehrerausbildung einen grösseren Fokus auf die neutrale Wissensvermittlung.

«Panik ist nicht fehl am Platz»

Bastien Girod, Nationalrat (Grüne) und Umweltwissenschaftler, ist anderer Ansicht. «Panik ist im Schulunterricht nicht fehl am Platz.» Es sei wissenschaftlich bewiesen, dass die Menschheit auf eine gefährliche Entwicklung der Klimaerwärmung zusteuere. «Ganze Ökosysteme drohen zusammenzufallen.» Solange sich Lehrpersonen auf wissenschaftliche Fakten beriefen wie etwa den Report des Intergovernmental Panel on Climate Chance (IPCC), sei nichts dagegen einzuwenden, wenn Lehrer die Brisanz des Problems verbal ausschmückten.

Auch Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), sagt, dass Lehrer die Schüler über mögliche negative Konsequenzen des Klimawandels unterrichten sollen, weil dies der Lehrplan so verlangt. «Das Phänomen des Klimawandels ist ja nicht aus der Luft gegriffen, sondern wissenschaftlich belegt.» Es könne zwar vorkommen, dass Lehrer beim Vermitteln des Stoffes auch ihre eigene Meinung sagten – «man kann nie ganz neutral sein» (siehe Box). Grundsätzlich erlebe er die Lehrpersonen heute aber apolitischer als früher.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zylote am 21.10.2017 05:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schier unmöglich

    Kein Mensch kann absolut neutral sein, deswegen bin ich meinem Geschichtslehrer im Nachhinein sehr dankbar, dass er immer gewarnt hat, man solle ihm nicht einfach alles glauben, sondern das, was er sagt auch hinterfragen.

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  • Zuckerwattedealer am 21.10.2017 04:32 Report Diesen Beitrag melden

    In Watte packen. Unbedingt!

    Am besten man bringt Kinder nur noch zu Disney Land, Europapark Rust, reist mit ihnen nach Florida (natürlich nur, wenn die Sonne scheint) und erzählt ihnen, dass die Rente selbstverständlich gesichert ist. Dazu noch ein iPhone X mit tollen animierten Emojis. Das gibt ganz tolle Erwachsene, die bestimmt völlig unkritisch dem Konsum frönen. Applaus!

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  • Karl Aplanalp am 21.10.2017 02:57 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenargumente

    Es müsste Pflicht sein, bei jedem gesellschaftlichen oder politischem Thema auch die Argumente der Gegner im gleichen Umfang zu vermitteln. Sonst verkommt die Schule zur demokratiefeindlichen Indoktrinations-Anstalt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dieog am 01.11.2017 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    300ppm Co2

    Der Mensch trägt zu diesen 300 Teilen/Million ca. 5% bei. Der Anteil des Menschen ist also 15 Teile einer Million. Man könnte genauso gut behaupten, wenn man beim schwimmen in die Adria piselt, erwärmen sich die Weltmeere um 2°. Merkt Ihr überhaupt noch, was diese Aussage für ein Humbug ist?

  • FreieMeinung am 23.10.2017 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Geht meistens in die Hosen

    Keine Angst, es wird sogar das Gegenteil bewirken. Nur schon, dass sich die Kinder, Jugendlichen und Berufsausbildenden alle selbst schon eine Meinung bilden. Meistens das Spiel einfach mitmachen und sich nicht wirklich outen, um nicht durchzufallen (Man will sich ja nicht die Zukunft verbauen). Später aber, wenn die Gelegenheit da ist, genau das Gegenteil machen. Spreche aus Erfahrungen aus meiner Schulzeit, Lehrzeit und Studium. Es ist auch richtig so, ansonsten wären wir keine frei denkende Menschen mehr und wären nicht wirklich in der Lage etwas verstehen/lernen zu können.

  • Susanne K. am 23.10.2017 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem fängt schon mit den

    Lehrmitteln an. Die allermeisten sind einfach gestrickt: CO2 böse; menschgemacht; menschliches Verhalten schlecht. Andere Meinungen zählen nicht, obwohl die Schulen eigentlich lehren sollten verschiedene Meinungen zuzulassen und zu analysieren, die Diskussion zu fördern und, dass sich die Kids auch selbst informieren. Lehrmittel veralten so schnell, dass neue, wesentliche Erkenntnisse gar nicht schnell genug einfliessen können. Dass viele Lehrpersonen eher links und grün sind, ist auch nicht förderlich.

  • Andreas Merz am 21.10.2017 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schmunzeln

    Als (glücklicherweise) pensionierte Lehrperson auf dem zweiten Bildungsweg kann ich über den Artikel nur schmunzeln! Solange auf diesem Portal vegane Weine (Schönung durch Eiweiss) diskutiert werden, zeugt das von einer (zu) pluralistischen Gesellschaft. Und solche Diskussionen können sich nur sehr reiche Nationen erlauben (ich unterrichtete kurzzeitig auch in Ägypten). Meine heutigen Berufskollegen und Kolleginnen haben es mit Kindern einer Gesellschaft aus Helikopter-Eltern und Dekadenz nicht mehr ganz so leicht..!

  • Rolf am 21.10.2017 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Als ich noch Schüler war..

    Haben unsere Lehrer wegen dem Waldsterben uns kirre gemacht... Passiert ist aber nicht viel. Das Lehrer für Umweltschutz sich privat einsetzen ist ja gut. Aber bitte lasst es in der Schule bei den Fakten und beleuchtet auch die kritschen Meinungen. Nur so lernen Kinder später sich selbst eine Meinung zu bilden und laufen nicht blind jemanden her.

    • Andreas Merz am 21.10.2017 21:52 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Rolf

      Das ist manchmal gar nicht so einfach. Gerade deshalb, weil wir uns immer in einer Moment- Aufnahme beginnen, deren wissenschaftliche Langzeit-Erkenntnisse vielfach noch gar nicht vorhanden sind!

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