«Präventive Wirkung»

20. August 2012 16:00; Akt: 20.08.2012 17:16 Print

Bundesrat will Neulenker-WK beibehalten

von Lukas Mäder - Die FDP kämpft gegen die obligatorischen Weiterbildungskurse für Neulenker. Doch der Bundesrat hält daran fest. Es gehe darum, präventiv Unfälle zu vermeiden. Eine Auswertung der Zahlen soll Ende Jahr folgen.

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«Ziel ist es, Unfälle und Widerhandlungen präventiv zu verhindern»: Der Bundesrat will Neulenker-Kurse nicht abschaffen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Wer in der Schweiz die Fahrprüfung macht, bekommt den Ausweis nur auf Probe. Während einer dreijährigen Probezeit gelten schärfere Bestimmungen für den Fahrausweisentzug - und der Lenker muss zwei eintägige Weiterbildungskurse besuchen. Diese Kurse will der Bundesrat beibehalten, wie er letzte Woche schrieb. Er lehnt deshalb eine Motion der FDP ab, die die Abschaffung der Wiederholungskurse fordert.

Nach Meinung der FDP soll nur noch in die Weiterbildung, wer eine schwere Verkehrsregelverletzung begangen hat. Für den Bundesrat geht dieser Ansatz in die falsche Richtung: «Ziel ist es, Unfälle und Widerhandlungen präventiv zu verhindern», schreibt er. Obligatorische Nachschulungen für Wiederholungstäter im Strassenverkehr gebe es bereits. Neulenker sind laut Bundesrat eine Hauptrisikogruppe, da sie eine höhere, jugendtypische Risikobereitschaft aufweisen und weniger Erfahrung haben.

Noch zu wenige Zahlen

Ob die Ende 2005 eingeführte Zweiphasenausbildung tatsächlich Wirkung zeigt, kann der Bundesrat nicht sagen. Entsprechende Zahlen nennt er nicht. «Der Antwort des Bundesrats fehlt die Grundlage», kritisiert FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Es gebe keine Argumente für den positiven Effekt der Massnahme. Diese Kritik relativiert Thomas Rohrbach, Sprecher beim Bundesamt für Strassen: «Wir haben schlicht noch zu wenig Zahlen, um eine seriöse Auswertung vorzunehmen.»

Weil Personen mit altem Lernfahrausweis noch ohne Probezeit davonkamen, hätten erst in ungefähr den letzten zwei Jahren der Grossteil der Neulenker die Kurse absolviert. Wie 20 Minuten Online bereits berichtete, will der Bundesrat bis Ende Jahr einen Evaluationsbericht zur Zweiphasenausbildung vorlegen. Falls dabei Mängel festgestellt würden, will der Bundesrat Korrekturen vornehmen, wie er schreibt. Unabhängig davon überprüft eine Arbeitsgruppe derzeit die gesamte Fahrausbildung. Zur Diskussion steht dabei auch die Verkürzung der Wiederholungskurse um einen halben Tag kombiniert mit einem Ausbau der Verkehrskunde.

Ist die Fahrprüfung ungenügend?

Nationalrat Wasserfallen kritisiert die Weiterbildungskurse auch grundsätzlich. «Eco-Drive oder das Einschätzen von Geschwindigkeiten sind bereits heute Bestandteil der Fahrprüfung», sagt er. Wenn danach zusätzliche Kurse nötig seien, bedeute das implizit, dass Neulenker noch keine genügende Ausbildung haben - und eigentlich gar nicht fähig seien, sich im Strassenverkehr zu bewegen.

Dieser Vorstellung widerspricht der Bund. «Die Weiterbildungskurse sind eine Art Nachdiplomausbildung», sagt Rohrbach. Es gehe darum, das Gelernte zu vertiefen und den eigenen Fahrstil zu hinterfragen. Idealerweise geschieht dies laut Rohrbach, wenn der Neulenker bereits alleine Fahrerfahrung gesammelt habe. Ursprünglich war für alle Autofahrer das Konzept des lebenslangen Lernen vorgesehen und im Verkehrssicherheitsprojekt Via sicura enthalten. Doch politisch hatten Wiederholungskurse alle zehn Jahre keine Chance.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Regi am 21.08.2012 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Für mich

    sind diese Pflichtkurse reine Geldmacherei. Neulenker, welche gerade erfolgreich die Fahrprüfung bestanden haben, kennen die Fahr- und Verhaltensregeln bestens. Wer sonst? Sie müssen sie nur anwenden. Und jemand, der kein Gefühl und Talent dazu besitzt, wird auch nach dem 20. Kurs grauslig in der Gegend herumkurven und nie eine Ahnung von Autos haben. Diese Kurse sollten auf frewilliger Basis und KOSTENLOS angeboten werden im Sinne von Prävention des Bundes. Das wär doch mal eine sinnvolle Investition!

  • Hugi Bär am 20.08.2012 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldmacherei

    Das ist eine Geldmacherei die Fahrschulen machen so Geld auf Kosten der Neulenker gestärkt durch den Rückhalt des Bundes.Jeder Neuelenker musste im Vorfeld dieses Kurses eine Führerscheinprüfung machen.....um zu evaluieren ob man tauglich und sicher sich im Strassenverkher verhällt ....wieso dann dieser 2 Phasen Kurs???

    einklappen einklappen
  • Karl H. am 20.08.2012 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich nötig?

    Gab es denn wirklich so viel mehr Unfälle in den letzten Jahren als noch vor 20 oder 30 Jahren? Sind die Fahrschüler denn wirklich so viel schlechter? Und ist ein Hindernis auf der Strasse (z.B. ein Autolenker mit Tempo 50 in der 80er Zone) nicht auch gefährlich, weil sich gewisse Autofahrer genervt fühlen, überholen und dadurch einen Unfall bauen? Und sind die Unfälle auf der Strasse nicht auch in 90% der Fälle höhere Gewalt, die mit keinem "Nachdiplom" hätten verhindert werden können (Unachtsamkeit, Müdigkeit, Wettereinflüsse usw...)? Jaja... Aber die Neulenker können sich das ja leisten...

Die neusten Leser-Kommentare

  • WABsolvierer am 21.08.2012 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schlecht Herr Specht, aber...

    Ich fand die Kurse ganz in Ordnung. Jedoch hab ich sie erst ganz am Ende meiner Frist gemacht, um nicht, dass wenn ich den Lappen abgeben müsste, die Kurse auch noch für nichts waren ;-) Gelernt hab ich ehrlich gesagt gar nichts, aber ich hatte einen netten Fahrlehrer, welche mir beim 1. Kurs sämtliche Möglichkeiten offen liess, damit ich auch auf meine Kosten kam. Das Problem ist mehr, dass der Kurs m.E. unmittelbar nach Fahrprüfung Sinn macht, nicht aber nach 3 oder 4 Jahren. Ich war bereits auf Rennstrecken unterwegs und hatte dort Fahrertrainings, da bringt mir ein WAB Kurs nicht mehr viel

  • Regi am 21.08.2012 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Für mich

    sind diese Pflichtkurse reine Geldmacherei. Neulenker, welche gerade erfolgreich die Fahrprüfung bestanden haben, kennen die Fahr- und Verhaltensregeln bestens. Wer sonst? Sie müssen sie nur anwenden. Und jemand, der kein Gefühl und Talent dazu besitzt, wird auch nach dem 20. Kurs grauslig in der Gegend herumkurven und nie eine Ahnung von Autos haben. Diese Kurse sollten auf frewilliger Basis und KOSTENLOS angeboten werden im Sinne von Prävention des Bundes. Das wär doch mal eine sinnvolle Investition!

  • auto am 21.08.2012 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Fahrleher

    was ich hier so lese was die einen gelern haben frage ich mich hattet ihr einen schlechten fahrlehrer den das was ich in beiden kürsen gelern habe hat mir mein fahrleherer schon beigebracht

  • Oh Mann am 21.08.2012 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvoll?

    Also die, die hier meinen sie hätten dort etwas gelernt, fahren wahrscheinlich max. 1'000 km im Jahr oder was? Etwas Dümmeres gibt es nicht für 700.- Fr...Und die, die man aufschrecken oder belehren will, bei denen kommt es erfahrenermassen so wie so nicht an. Pure Abzocke die WK's und ich würde diese meinen Nachfolgern gerne ersparen. Die kann man auch freiwillig machen, wenn man sich so unsicher fühlt auf dem Schlachtfeld 'Strasse'.

  • schönenberger martin am 21.08.2012 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    kurse

    wenn schon solche kurse stattfinden, dann aber gratis und ein muss. ansonsten sehe ich diese kurse als reine geldmacherei. es ist eine sauerei für alle kurse üner chf 700.00 hinblättern zu müssen. liebe grüne und sp macht den jungen mal ein gutes geschenk.