Drogenkonsum

02. August 2010 23:02; Akt: 02.08.2010 22:35 Print

«Es gibt keine gute und böse Sucht»«Es gibt keine gute und böse Sucht»

von Antonio Fumagalli - Drei vom Bund beauftragte Experten-gruppen fordern die Entkriminalisierung sämtlicher Drogen. François van der Linde* nimmt Stellung.

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Wieso herrscht in der Suchtpolitik Nachholbedarf?
François van der Linde: Wir müssen wegkommen von der Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Drogen. Es gibt keine gute und böse Sucht. Viel eher sollte man sich am Schadenpotenzial von psychoaktiven Substanzen orientieren. Dabei fällt auf, dass gesellschaftlich akzeptierte Drogen wie Alkohol und Tabak deutlich höhere wirtschaftliche und soziale Schäden verursachen als illegale Drogen.

Wird gerade gegenüber der Jugend nicht ein falsches Signal ausgesendet, wenn man den Drogenkonsum legalisiert?
Es kommt stark darauf an, wie man die Botschaft kommuniziert. Wir sagen ja nicht: Nehmt Drogen! Die Bestrafung des Konsums ist nicht glaubwürdig, wenn gleichzeitig legale Substanzen mit vergleichbaren Wirkungen toleriert werden. Für die Jugendprävention bringt unser Ansatz Vorteile: Wie soll man glaubhaft über Substanzen aufklären, wenn der Konsum verboten ist?

Der Konsum ist die eine Seite. Was ist mit dem Verkauf von Drogen?
Dieser müsste stark ­reglementiert werden, einige Substanzen blieben weiterhin verboten. Bei einer ­kontrollierten Abgabe von gewissen Stoffen hat der Staat viel mehr Einflussmöglichkeiten.

Wie schätzen Sie die politischen Chancen Ihres Anliegens ein?
Wir sind nicht naiv, unsere Vorschläge sind derzeit nicht mehrheitsfähig. Dies war aber auch nicht unsere Absicht. Wir wollen eine grundsätzliche Diskussion zum Suchtverhalten unserer Gesellschaft anregen. Dafür muss man auch mal Tabus brechen.

*François van der Linde ist Präsident der Kommission für Drogenfragen.