Pendeln

05. Oktober 2017 05:46; Akt: 05.10.2017 07:40 Print

Je höher die Bildung, desto länger der Arbeitsweg

von Stefan Ehrbar - Je höher die Ausbildung und der Lohn sind, desto häufiger wechseln Pendler ihre Stelle. Dafür müssen sie erst noch weiter fahren.

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Volle Züge, Stau und Parkplatzsuche: Pendeln ist für viele ein notwendiges Übel. Doch wenn Schweizer ihre Stelle wechseln, dann suchen sie nicht etwa eine neue Arbeit näher am Wohnort. Viel eher wird der durchschnittliche Arbeitsweg nach einem Stellenwechsel noch länger. Das zeigt eine neue Studie der ETH Zürich.

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Mehr Zeit im Verkehr verbringen auch Leute, die eine höhere Ausbildung abgeschlossen haben. Für Kay Axhausen, einen der beiden Studienautoren, keine Überraschung: «Eine höhere Ausbildung ermöglicht das Ausführen von spezialisierten Tätigkeiten», sagt er. Für solche gebe es zwar weniger, aber besser bezahlte Stellen. Die wiederum seien räumlich breiter verteilt.

Uni-Abgänger ziehen häufiger um

Mit der Ausbildung und dem Lohn folgen nicht nur lange Arbeitswege, sondern auch häufigere Stellenwechsel. Gut Ausgebildete und besser Verdienende ziehen zudem häufiger um. «Die höhere Spezialisierung und die in der Regel bei diesen Personen höhere Bereitschaft, sich weiterzubilden, führt dazu, dass es länger dauert, bis die beste Kombination von Person und Stelle gefunden ist», sagt Axhausen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Maturand oder Uni-Abgänger seinen Wohnort wechselt, ist gegenüber der Gesamtbevölkerung demnach um 28 Prozent höher. Die Wahrscheinlichkeit, die Stelle zu wechseln, ist um 19 Prozent höher. «Je mehr Lohn jemand erhält, desto höher ist die Bereitschaft, weite Distanzen für das Arbeitspendeln auf sich zu nehmen», sagt Timo Ohnmacht, Verkehrsexperte an der Hochschule Luzern. «Eine Krankenschwester ist kaum bereit, von Bern nach Zürich zu pendeln. Wer in Bern wohnt und bei einer Grossbank in Zürich gutes Geld verdienen kann, tut das eher.»

«Männer arbeiten länger»

Frauen ziehen gemäss der Studie weniger häufig um als Männer. Die Stichprobe der Studie beinhalte ein grosses Altersspektrum, sagt ETH-Forscher Kay Axhausen. In der Vergangenheit seien Frauen schlechter ausgebildet gewesen und deshalb auch weniger häufig umgezogen, etwa, um eine neue Stelle anzunehmen. An diesem Effekt hat sich nichts geändert: «Die Erwerbsbiografien von Männern sind generell länger», sagt Timo Ohnmacht von der Hochschule Luzern. Frauen hingegen legten häufiger Pause ein und übernähmen nach wie vor mehr Erziehungsarbeit.

Für die Studie wurden einerseits aktuelle Untersuchungen aus der Schweiz und dem Ausland ausgewertet und andererseits Daten von knapp 1200 Schweizern aus den Jahren 1985 bis 2004 aus der Grossregion Zürich analysiert. An den grundsätzlichen Mustern habe sich bis heute nichts geändert, sagt Timo Ohnmacht. «Die Entwicklungen im Lebenslauf, die belegt wurden, gelten auch heute.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Familienvater am 05.10.2017 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber mehr Zeit als mehr Geld

    Ich persönlich nehme lieber etwas weniger Lohn in Kauf anstatt mich dem Dichtestress (Staus oder Sardinenbüchsen der SBB) auszuliefern. Die 2 Std. die ich so pro Tag mehr Zeit habe für meine Kinder sind mir viel mehr wert als mehr Geld.

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  • Glattparker am 05.10.2017 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine IT-Jobs in der Nähe

    Ich bin Java-Entwickler aus Glattpark. Die UBS und die CS haben je ein IT-Gebäude in der Nähe: 2-3 Tramstationen entfernt. Trotzdem bringt mir das seit Jahren nichts, weil es keine Jobs für Einheimische gibt! Inder und Polen arbeiten dort. Eine Jobbewerbung bei der UBS geht Monate, falls es sie überhaupt gibt. Die CS lässt alle zum Zürich Uetliberg pendeln, wo man langsamer hinkommt als nach Luzern. Viele Firmen in Zürich phantasieren bei den Anfoderungen. Darum müssen wir pendeln.

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  • N.Schelm am 05.10.2017 06:46 Report Diesen Beitrag melden

    Freizeit unbezahlbar

    5er und s'Weggli geht hald nicht immer. Ich habe nur 10min Arbeitsweg, verdiene aber nicht gut. Urlaub im Wallis statt in der Karibik, dafür keine Staus oder Zugausfälle auf dem Arbeitsweg.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland Steiner am 05.10.2017 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Zentralisierung der Firmen ist das Probl

    Das ist das Problem der erhöhten Mobilität. Früher zogen Firmen an die Orte wo es Arbeitskräfte gab. Dort haben sie sogar Arbeitersiedlungen für ihre Mitarbeiter gebaut. Heute wird alles zentralisiert und die Firmen konzentrieren sich an Orten wo alles teurer ist und auch attraktiver Wohnraum fehlt. Die Firmen sollten wieder umdenken und sich gleichmässig über die Schweiz verteilen. Dies würde das Problem entschärfen.

  • BE-Oberländer am 05.10.2017 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuerhochburg Kanton Bern

    Ich wohne liebendgern weit Weg vom Arbeitsort. 2,5 Monatslöhne an den Staat abgeben? Nein danke. Einer reicht. Der Kanton Bern hat bei mir mit der Änderung (2016) der Abzüge für den Arbeitsweg endgültig den Umzug besiegelt. Abzocker Kanton! Ich hoffe die Berner tretten bald in den Steuerstreik damit die dortige Politik gezwungen wird, dass Budget drastisch zu ändern.

  • Gruss aus Bern am 05.10.2017 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Titel stimmt so nur bedingt

    Wäre ich bereit, den Wohnort zu wechseln oder jede Woche 15 bis 20 Stunden mit Pendeln zu "verbraten", würde sich das zwar auf dem Konto bemerkbar machen, doch um welchen Preis? Geld ist - ab einer bestimmten Höhe des Einkommens - nicht mehr alles, Lebenszeit kann man sich damit keine kaufen. Und die zählt für mich mehr irgendwelche imagefördernden Statussymbole, auf die ich gut verzichten kann.

  • DRIVER I am 05.10.2017 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pendeln kommt drauf an...!

    Wundert mich nicht. Die sogenannten besser gebildeten Leute pendeln gerne, wieso? Diese bekommen, zumindest in meiner Transportfirma, die Stunden bezahlt oder als Benefit anderweitig vergütet. Die normalen, weniger gebildeten Leute haben meistens keine andere Wahl und müssen pendeln, da keine bezahlbare Wohnung, bzw. kein Job in der Nähe. Selbstverständlich pendelt der weniger gebildete Angestellte als Freizeit, unbezahlt wohlverstanden. Die Ersteren nennen diese Pendlerei gerne flexibel und zeitgemäss.

  • Jugni am 05.10.2017 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pendeln sich Zeit nehmen und cool bleiben

    Ich fahre jeden Tag hin und zurück zur Arbeit brauche ich insgesamt 2Std.Und es macht mir nichts aus.Ich wohne in Wald /Zh und gehe dann nach Effretikon zur Arbeit.Im Zug kommt man leicht ins Gespräch mit den lieben Leuten.Man muss positiv eingestellt sein und guter Gespür haben zu den Mitmenschen und auch in die Augen sehen kann.Ganz einfach ist das.Gutes Gelingen wünsche ich euch allen.