Pfusch

17. Juni 2016 19:41; Akt: 17.06.2016 19:41 Print

«Katastrophale Zustände» im Tattoo-Geschäft

Bei der Kontrolle der Tattoo-Studios bestehen grosse kantonale Unterschiede. Der Bund will dem Wildwuchs nun ein Ende setzen.

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Unter den 25- bis 34-Jährigen ist jeder Vierte tätowiert. Aber Vorsicht: Unter den zahlreichen Tätowierern in der Schweiz befinden sich haufenweise Pfuscher. Mangelnde Hygiene bei den Stecharbeiten, giftige Farben – immer wieder fallen Tätowierer durch unprofessionelles Handwerk auf.

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Braucht es striktere Kontrollen der Tattoo-Studios?
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Insgesamt 7882 Teilnehmer

In manchen Kantonen können sie dabei tun und lassen, was sie wollen. Im Wallis beispielsweise werden laut Recherchen des «Walliser Boten» kaum Kontrollen durchgeführt. Wie das Team des Tattoo-Studios The Flying Dutchmans aus Naters gegenüber der Zeitung erklärte, seien sie «in zehn Jahren nicht einmal kontrolliert» worden.

Musterschüler Neuenburg und Solothurn

Auch in vielen anderen Kantonen gelten Eigenverantwortung und Selbstkontrolle – es gibt nur Stichprobenkontrollen bei den bekannten Studios. Eine Ausnahme bildet der Kanton Neuenburg. Hier müssen sich die Studiobetreiber bei den für die Hygiene-Vorschriften zuständigen Behörden melden. Auch der Kanton Solothurn präsentiert sich als Musterschüler. «Die 30 Tattoo-Studios werden bei uns regelmässig kontrolliert», sagt der Kantonschemiker Martin Kohler. Zudem würde man unverzüglich aktiv, wenn man von Tätowierern höre, die sich nicht an die Spielregeln halten.

Natalie Garcia, Geschäftsführerin von Eyeco, der einzigen unabhängigen Hygienekontrolle für Tattoo-Studios, bestätigt den Wildwuchs: «Manche Kantone sind bei der Bekämpfung der Missstände von sich aus schon sehr aktiv, andere machen gar nichts.» Momentan sei es so noch jedem Kanton selber überlassen, ob und wie oft er die Studios kontrolliere.

Über die Hälfte der untersuchten Farben fielen durch

Die Folgen: Hepatitis-Gefahr durch mangelnde Hygiene bei den Stecharbeiten, Pfusch, giftige Tinten. 2014 untersuchten die Kantonschemiker über 200 Tätowierfarben und Tinten für Permanent-Make-up. Das Ergebnis war ernüchternd. Über die Hälfte der kontrollierten Produkte mussten aufgrund ihrer gesundheitsgefährdenden Wirkung durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) verboten werden.

Für Luc Grossenbacher, Präsident des Verbands der Schweizerischen Berufstätowierer (VST), sind vor allem günstige Privattätowierer verantwortlich für die «katastrophalen Zustände» in der Szene. «Da es keine strikte Kontrollen gibt, machen diese bei der Hygiene und den verwendeten Farben massive Abstriche.» Oftmals seien die schwarzen Schafe auch auswärtige Tätowierer, «die hier versuchen, etwas abzugrasen, und dann schnell wieder weg sind».

Meldepflicht soll Kontrollen erleichtern

Eine vom BLV und dem VST angestossene Revision des Lebensmittelgesetzes soll diesem Treiben nun ein Ende setzen. Unter den bereits verabschiedeten und voraussichtlich nächstes Jahr in Kraft tretenden Verordnungen befindet sich auch eine, die den Tätowierern eine Meldepflicht gegenüber den zuständigen kantonalen Lebensmittelbehörden auferlegt. So sollen künftig alle Studios und auf eigene Faust Tätowierende erfasst und damit auch kontrolliert werden können.

Angefragte Tätowierer nehmen die Neuerung mit gemischten Gefühlen auf. Grundsätzlich sei es gut, dass die Arbeit der Tätowierer aus der Grauzone herausgeholt werden soll. Es wird aber auch gesagt, dass beispielsweise bei den Farben die Vorgaben in der Schweiz schon sehr strikt seien. Was in Deutschland teils erlaubt sei, sei bei uns unverständlicherweise oftmals verboten.

(jh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Iri am 17.06.2016 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle

    Das Tattoowierer kein anerkannter Beruf ist sagt ja schon alles! Ich finde es braucht vorallem strenge Kontrolle bei den Farben und der Hygiene! Es sollten allgemein nur Farben verwendet werden die der Staat als sicher absegnet und dies auch Kontrolliert. Leute...hier gehts um die Gesundheit!

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  • Carsten am 17.06.2016 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Der Kunde hat auch Pflichten

    Als Kunde berät man sich heut zutage überall ... wenns um den TV geht, Geschäft und Tests. Bei der Küche geht man meist in verscheidene Geschäfte. Will man sich ein Fahrrad kaufen liest man vielleicht Fachzeitschriften und geht zum örtlichen Händler. Warum geht man für ein Tattoo Wunsch einfach so ins nächste Studio ? Ich finde, der Kunde hat auch hier seine Pflicht sich entsprechend zu Informieren.

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  • K.R. Itiker am 17.06.2016 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man beachte!

    Wer sich tätowieren lässt, sollte sich vorher gut informieren und sich Tipps bei Leuten holen, welche bereits Erfahrung damit haben. Der professionelle Tätowierer ist meistens auch Künstler und möchte auch seine künstlerische Freiheit ausleben. Deshalb ist es immens wichtig, dass der Stil mit dem Motiv überein stimmt und ein Grundvertrauen in die Fähigkeit des Tätowierers einerseits und die Gewissheit, dass auch die eigenen Wünsche und Vorstellungen in das Tattoo einfliessen, vorhanden sind. Mit diesen Voraussetzungen klappt es sicher mit einem tollen Tattoo.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alonzo am 18.06.2016 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Seit 1 Jahr schuldet mir die SVA 19500 Franken.. Seit 1/2 Jahr die Gemeinde 6554 Franken.. Kann ich sie betreiben? Nein sie zahlen ja Zinsen.. Wer zahlt die Zinsen????

  • A.Müller am 18.06.2016 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Bussen

    Es geht wohl wieder um neue Steuern und neue Gesetze

  • Lisa am 18.06.2016 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toleranz?

    . Ich habe mir sehr spät ein Tattoo stechen lassen und habe vorher Informationen eingeholt über verschiedene Studios und welches mir am besten zugesagt hat dort habe ich nach einer supertollen Beratung ein schönes Tattoo erhalten. Obwohl ich kein Seefahrer oder kriminell bin.habe ich ein Tattoo weil es mir gefällt. Und nicht weil es Mode ist. Manche Beiträge würden etwas Toleranz vertragen weil jeder kann mit deinem Körper machen was er will. Oder???

  • vorbi am 18.06.2016 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder ist selber schuld ...

    Auf der Haut ist es schnell - aber dann... Habe mit keinem der Tätowierten Erbarmen. Alle selber schuld. Nur weil ein paar spleenige "Fussball und andere Möchtegern-Halbgötter" sich von oben bis unten, aus lauter Langweile und mit zu viel Stutz, überall "vollstechen" lassen, heisst noch lange nicht, das das sinnvolle, geschweige denn gesund ist. Und vom Aussehen reden wir schon gar nicht. Manchmal eine echte Zumutung für andere Mitmenschen.

    • Viktor Ralyeff am 18.06.2016 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @vorbi

      Von wegen schnell - man merkt, dass Sie sich noch nie ein Tattoo stechen lassen haben. Einen ganzen Oberkörper zu füllen geht nicht nur Stunden, sondern Tage. Und auch wenn Sie denken, dass das alles ganz easy ist - es tut weh.

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  • Pedro am 18.06.2016 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatoos leben das Leben mit

    Deshalb lasse ich meine Tattoos nur in Bangkok machen. Hygienisch, perfekt detailiert und es geht nicht nur ums Geld. Dazu frage ich mich allen Ernstes, was die Leute meinen, im Alter sehe alles schlecht aus. Leben alle nur für das Alter 80+? Geniesst und lebt das Leben jetzt und nicht in der Zukunft.