SP-Offizierin fordert

28. März 2012 09:23; Akt: 28.03.2012 09:54 Print

«Gleichstellung – auch bei der Dienstpflicht!»

von Simon Hehli - Sozialdemokratin Priska Grütter ist bald Hauptmann. Sie unterstützt Bundesrat Maurers Idee einer Frauen-Dienstpflicht. Ins Altersheim abkommandieren lassen mag sie sich aber nicht.

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Dieses Bild soll zum Normalfall werden, wenn es nach SP-Frau Priska Grütter geht: Frauen in Militäruniform. (Bild: Keystone/Urs Flueeler)

Zum Thema
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Bundesrat Ueli Maurer erwägt, dass künftig auch die Frauen einen Dienst für das Land leisten müssen. Warum unterstützen Sie diese Idee?
Priska Grütter: Wir haben in der Verfassung einen Gleichstellungsartikel – da ist es doch widersprüchlich, dass die Wehrpflicht nur für Männer gilt. Unser jetziges System ist nicht mehr zeitgemäss.

Umfrage
Sollen Frauen auch einen «Dienst am Vaterland» leisten müssen?
67 %
8 %
25 %
Insgesamt 5322 Teilnehmer

Maurer nennt als Beispiel einen Einsatz der Frauen in der Altenpflege. Einverstanden?
Nein, das finde ich völlig daneben. Bundesrat Maurer zementiert so nur veraltete Rollenbilder. Es widerspricht ja genau dem Gleichstellungsprinzip, wenn man nach frauenspezifischen Einsatzmöglichkeiten sucht. Alle – ob Männer oder Frauen – müssen die gleichen Wahlmöglichkeiten haben. Ich kenne mindestens zehn Männer, die lieber alte Leute pflegen würden als Militärdienst zu leisten. Bei mir ist es umgekehrt.

Sie studieren Soziale Arbeit, haben schon in Kinderheimen gearbeitet. Sehen Sie in sozialen Einrichtungen überhaupt Einsatzmöglichkeiten für zehntausende Dienstpflicht leistende Frauen – und Männer?
Wie Ueli Maurer zu Recht sagt, wäre es ein grosses Projekt, für das es noch viele Abklärungen braucht. Es gäbe schon Bedarf, etwa zur Unterstützung in Tagesschulen und am Mittagstisch. Aber klar ist: Profis lassen sich nicht durch billige Zivis ersetzen.

Hätten Sie gerne mehr Kolleginnen in der Armee?
Ja, eine bessere Durchmischung wäre sicher gut. Es wäre ein gutes Zeichen für die Schweiz und für die Gleichstellung, wenn ich als Offizierin kein Sonderfall mehr wäre.

Welche Qualitäten hätte eine «weiblichere» Truppe?
Ich weiss gar nicht, ob die Armee stark anders wäre. Vielleicht wäre der Umgang untereinander teilweise weniger rau – wobei die Abu-Ghraib-Folterin Lynndie England bewiesen hat, dass Frausein im Extremfall auch nicht vor Schandtaten schützt. Grösser wäre der Effekt wahrscheinlich für die Frauen in der Wirtschaft, da das Netzwerk der Armee und die Führungserfahrungen ihre Karrierechancen verbessern könnten.

Das dürfte Ihre SP-Parteigenossinnen kaum umstimmen: Sie lehnen eine Dienstpflicht für Frauen ab, solange diese nicht gleich viel verdienen wie Männer.
Natürlich müssen wir auch auf die Lohngleichheit hinarbeiten. Doch ich würde die beiden Forderungen nicht verknüpfen. Wenn man im Interesse der ganzen Gesellschaft denkt, muss man auch im Bereich der Dienstpflicht für Gleichstellung sorgen – unabhängig von der Lohnfrage. Es ist aber verständlich, dass die Frauen lieber für gleiche Rechte kämpfen als für gleiche Pflichten.

Wo hören Sie wegen Ihrer militärischen Laufbahn die böseren Kommentare: Bei Ihren Offizierskollegen – oder in der SP?
In Offizierskreisen gibt es keine derartigen Diskussionen mehr. Aber bei den Genossen ist das Unverständnis gross, auch wenn ich nicht offen abgekanzelt werde. Es stört mich, dass meine militärische Karriere in einer Partei, die sich die Emanzipation auf die Fahnen geschrieben hat, überhaupt ein Thema ist. Wenn SP-Männer eine Offizierslaufbahn mit ihrer politischen Grundhaltung vereinbaren können, wieso sollte das eine Frau nicht auch? Es ist wie bei der Kinderfrage: Eine Frau, die Karriere machen möchte, statt Kinder zu kriegen, muss sich rechtfertigen. Ein Mann nicht.

Was haben Sie empfunden, als sich die SP die Abschaffung der Armee ins Parteiprogramm schrieb?
Das hat mich gestört. Ich kann zwar verstehen, dass man die langfristige Vision einer Welt ohne Kriege hat – diesen Wunsch teile ich auch. Aber so weit sind wir leider noch nicht. Für die sicherheitspolitischen Debatten der Gegenwart setzen wir ungünstige Signale: Es macht den Anschein, als ob sich die SP aus der Diskussion verabschiedet hätte. Dadurch nimmt uns auf der Armeeseite niemand mehr ernst.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Vielleicht beim Vater? Oder willst du aussagen, dass Kinder bloss Mütter brauchen und Väter unfähig sind Kinder zu erziehen? Ich persönlich möchte eine grössere Rolle im Leben des Kindes einnehmen als bloss jene des Erzeugers. Ich würde wollen, dass wir beide 50% arbeiten und gemeinsam für Kind und Haushalt sorgen. Wird es möglich sein? Wohl nur wenn ich nach Schweden/Finnland/Norwegen auswandern würde. Soviel zu Gleichberechtigung... – Martin Kurz

Was mich an der ganzen Diskussion immer wieder verstört ist, dass die meisten Männer die Dienstpflicht als grosse Belastung, Geldverschwendung und absolut unnötig empfinden und sie DESHALB für die Frauen fordern. Es geht überhaupt nicht darum, was das beste für die Gesellschaft ist. Die Kommentare haben etwas sehr Trotziges und Feindseliges, als würde man es den Frauen grundsätzlich übelnehmen, dass sie überhaupt nach Gleichberechtigung streben.... – Nina

Endlich eine Frau, die aufgrund ihres Frau-Seins keine Extrabehandlung will - sehr erfrischend. Besonders ehrlich finde ich diesen Satz"Es ist aber verständlich, dass die Frauen lieber für gleiche Rechte kämpfen als für gleiche Pflichten." Aber auch sonst hat Frau Grütter ein paar sehr kluge Feststellungen im Interview gemacht. Neben einer solch emanzipierten Dame hätte ich gerne Dienst geleistet. Ich hoffe, sie kandidiert für ein politisches Amt. Meine Stimme hätte sie. – Patrick

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AdA am 29.03.2012 04:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Günstiger und effektiver

    Das ist ja alles Schwachsinn! Soll der Staat also noch mehr fürs Militär blechen?! Mehr AdAs = mehr Budget für die Schweizer Armee. Oder will der Maurer mehr untaugliche, damit diese das Militär finanzieren? Die einzige richtige Lösung ist, die Armee der Schweiz freiwillig zu gestalten. So hat man eine günstigere und effektivere Armee in den Startlöchern...

    einklappen einklappen
  • G.Strabovski am 28.03.2012 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Völlig unnöitg. Nicht dass ich etwas dagegen habe wenn Frauen ins Militär gehen "aber" das Militär ist eh schon zu gross. Wieso noch mehr Leute aufbieten und somit Kosten die Kosten erhöhen. Besser wäre etwa wenn bei einer Familie nur noch eine Person Militärdienst oder Dienst an der Öffentlichkeit leisten müsste, etwa in Form eines Sozialeinsatzes. Mann und Frau sollte dann selbst wählen können was und wohin er/sie gehen will - ähnlich wie das mit der Feuerwehr in kleineren Gemeinden geregelt ist.

  • Franz W. am 28.03.2012 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen im Militär eher Nein.

    Frauen und Militär? zu Teil Katastrophal! Freiwillig ok. aber nicht obligatorisch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • JvdM am 30.03.2012 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll denn das?

    Das sind ja wohl einfältige Umfrageoptionen. Ich finde weder, dass Frauen einen "Dienst am Vaterland" leisten müssen, noch dass sie eine andere Behandlung verdienen, weil sie angeblich mehr leisten würden. Ich finde schlicht und einfach, dass der Militärdienst für Jedermann freiwillig sein sollte. Das ist Gleichberechtigung.

  • Markus am 30.03.2012 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Plötzlich soviele Kommentare

    Wehrpflicht Debatten gabs immerwieder. Aber erst seitdem nun auch Frauen müssten, haben sich die Kommentare verdoppelt. Dies beweist "Was mich nicht betrifft, ist mir egal"... Endlich wird aber die Gleichstellung nicht unilateral besprochen. Trotzdem, der richtige Weg ist Wehrpflicht für niemanden. Ich bin aus dem Grund Gleichstellung sehr froh und stolz, keine einzige Sekunde Militär, Zivildienst oder Zivilschutz geleistet zu haben

  • Dienstuntauglicher Mann am 30.03.2012 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Das Zauberwort heisst "Gleichstellung"

    Dafür bin ich schon seit Jahren. Gleichstellung der Geschlächter heisst nicht nur Rechte, sonder auch Plichten und Freiheiten gleich zu stellen. Um es etwas klahre darzustellen: Frauen sollen auch in's Militär, den selben Lohn wie Männer erhalten, und Männer sollen hingegen nicht auf den Vaterschaftsurlaub verzichten müssen. Gleichstellung, nicht nur Gleichberechtugung.

  • Sandra am 30.03.2012 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Frauen... Hilfe

    Meiner Meinung nach ist die Dienstpflicht für alle nicht sehr sinnvoll. Jedoch zählt das Argument Kinder-Kriegen wirklich nicht mehr. Ich selbst habe Militärdienst geleistet und habe 8 tolle Frauen kennen gelernt und würde mit diesen Damen sofort wieder in die RS oder DD Zeit bestreiten. Aber alle Frauen in die Armee? Danke, nein... (obwohl ich nicht abstreite, dass es vielen auch gut tun würde, wie aber auch den Männern).

  • Frank am 29.03.2012 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    "Militär macht dich zum Mann"

    Solche primitive Sprüche zeigen, was für ein kranker Gedanke hinter der Wehrpflicht nur für Männer steht. Endlich wird dieses männerdiskriminierende Gesetz in Frage gestellt. Trotzdem in der falschen Richtung: die Wehrpflicht soll für alle entfallen - und nicht erweitert werden. Der Vorschlag "Wehrpflicht" für alle ist eine heuchlerische Reaktion auf die baldige Abstimmung zur Aufhebung der Wehrpflicht. Unsere Politiker...

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