«Deutscher Filz»

14. Januar 2010 22:50; Akt: 14.01.2010 21:28 Print

Wachsender «Anti-Deutsch-Reflex»

von Désirée Pomper - Schweizer haben immer weniger Lust, mit Deutschen Hochdeutsch zu sprechen. Grund dafür sei die grosse Anzahl deutscher Zuzüger und die politische Entwicklung in den letzten Monaten.

Zum Thema
Fehler gesehen?

In ihrer Lizentiatsarbeit untersucht Anna Lukas, warum Schweizer mit Deutschen Hochdeutsch sprechen – oder eben nicht. Erste Resultate zeigen: «Gut 40 Prozent der befragten Schweizer sprechen mit Deutschen Hochdeutsch, obwohl Letztere Dialekt verstehen», so Lukas.

Doch die Bereitschaft, mit Deutschen Hochdeutsch zu sprechen, nimmt laut Unternehmensberater Klaus J. Stöhlker «markant ab». «Schweizerdeutsch ist die neue Waffe der Selbstverteidigung», sagt Stöhl­ker, der bereits seit 1971 in der Schweiz lebt. Seit Peer Steinbrücks Indianer-Vergleich und der SVP-Offensive gegen den «deutschen Filz» wählten viele Schweizer bewusst den Dialekt, um so Deutschen gegenüber «die Hoheit über ihr Land zu demonstrieren». «Vor allem in ländlichen Gebieten ist dieser Anti-Deutsch-Reflex stark spürbar», so Stöhlker. Jens-Rainer Wiese, der auf Blogwiese.ch über seine Erlebnisse als Deutscher in der Schweiz berichtet, meint: «Die Frage ‹Verstehen Sie Schweizerdeutsch?› habe ich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gehört.» Die Schweizer hätten sich halt daran gewöhnt, dass so viele Deutsche hier arbeiteten, und legten gleich mit Schweizerdeutsch los. Ausser die Deutschen seien erkennbar als Touristen unterwegs: «Dann kommt kein Schweizer auf die Idee, etwas anderes als Hochdeutsch zu sprechen.»