Terzos jubeln

13. Februar 2017 05:25; Akt: 13.02.2017 12:02 Print

«Lasse mich am ersten Tag erleichtert einbürgern»

von B. Zanni - Terzos und Linke deuten das Ja zur erleichterten Einbürgerung als Zeichen einer offenen Schweiz. Nun sollen auch Secondos leichter Schweizer werden.

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Terzo Yanek Schiavone: «Das Ja ist ein grosses Plus für die Schweiz. Unser Land kann stolz darauf sein.» Im Freudentaumel ist auch die Operation Libero. «Der Jubel war gross, als wir gesehen haben, dass sich ein deutliches Ja abzeichnet», sagt Geschäftsleitungsmitglied Silvan Gisler. «Mit dem rein schriftlichen Verfahren wird weniger kontrolliert und weniger sorgfältig eingebürgert», sagt SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann. Matteo Vicari sagt: «Ich kenne die Schweizer Politik besser als die italienische, die Geografie der Schweiz besser als die von Italien. Mein Leben habe ich mir hier aufgebaut und nicht dort.» Auch Laura Pelosi würde sich gern einbürgern lassen. Die Terza sagt: «Weil ich keinen Schweizer Pass habe, erlischt meine Aufenthaltsbewilligung, wenn ich mich länger als ein halbes Jahr ausserhalb der Schweiz aufhalte.» Gegen das Recht auf erleichterte Einbürgerung für alle Terzos ist hingegen Daniela Kyburz. Die gebürtige Italienerin hat sich nach der Heirat selbst erleichtert einbürgern lassen und sagt: «Ich war erstaunt darüber, wie einfach ich den Pass erhalten habe.» Am 12. Februar hat das Schweizer Stimmvolk über die erleichterte Einbürgerung der dritten Generation entschieden. Die SVP bekämpfte die Verfassungsänderung als einzige der grossen Parteien. Auf der Gegenseite sammelte die Operation Libero Geld für eigene Plakate. Befürworterin Rosmarie Quadranti (BDP) sagte: «Die Vorlage führt nicht zu einem Automatismus, sondern lediglich zu einer Erleichterung unter strengen Vorschriften.» SVP-Chef Albert Rösti konterte: «Ausländer der dritten Generation bekommen schon heute problemlos den Schweizer Pass, wenn sie gut integriert sind.»

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Mit über 60 Prozent hat das Stimmvolk Ausländern der dritten Generation den Weg zur erleichterten Einbürgerung frei gemacht. Die Freude über die grosse Zustimmung ist bei den Terzos grenzenlos. Schon bevor das definitive Resultat feststand, stiess Yanek Schiavone mit seiner Familie an. «Ich bin glücklich und auch stolz, dass es so rausgekommen ist», sagt der 29-jährige Terzo. Jetzt dürften sie ernten, was die vorherigen Einwanderergenerationen gesät hätten. Für ihn steht fest: «Ich werde mich am ersten Tag erleichtert einbürgern lassen.» Schon lange habe er sich genauso als Italiener wie als Schweizer gefühlt. Er wünsche sich, dass andere Terzos es ihm gleichtun. Bundesrätin Simonetta Sommaruga ging am Sonntag davon aus, dass die neuen Bestimmungen spätestens in einem Jahr in Kraft treten. In einer fünfjährigen Übergangsfrist wird auch 25- bis 35-Jährigen das erleichterte Erfahren ermöglicht.

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Im Freudentaumel ist auch die Operation Libero. «Der Jubel war gross, als wir gesehen haben, dass sich ein deutliches Ja abzeichnet», sagt Geschäftsleitungsmitglied Silvan Gisler. Das Ja sei auch ein Ja für ein liberales Bürgerrecht. Die Akte ist für die Operation Libero noch nicht abgeschlossen. Gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen kündigte ein Vertreter an, dass sich die Bewegung als Nächstes für ein erleichtertes Bürgerrecht der zweiten Generation einsetze. Gisler hält sich bedeckt: «Auch darüber muss zuerst eine Diskussion geführt werden.»

Politologe Thomas Milic hält dieses Vorhaben nicht für zu ambitiös: «Den Aufwind muss man ausnutzen.» Allerdings zeige der Urnengang von 2004, als gleichzeitig über die zweite wie auch die dritte Generation abgestimmt wurde, dass die zweite Generation etwas weniger Zustimmung erhalten habe. Dennoch ist er überzeugt: «Das heutige Ergebnis wird den Befürwortern der erleichterten Einbürgerung für die zweite Generation sicherlich Auftrieb geben.»

«Weniger Kontrollen»

Bei der SVP, der einzigen Gegnerin der Vorlage, herrscht grosse Skepsis. «Mit dem rein schriftlichen Verfahren wird weniger kontrolliert und weniger sorgfältig eingebürgert», sagt SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann. Damit bestehe die Gefahr, dass Befürworter von Kinderehen und Handschlagverweigerer den roten Pass erhielten. Steinemann hält die erleichterte Einbürgerung auch für unnötig. «Die heutigen Bestimmungen sind jetzt schon sehr liberal. Zudem durchlaufen die Antragssteller kein unwürdiges Verfahren.»

Als positiv erachte sie die verschärften Einbürgerungsvorschriften ab 2018. Eine C-Bewilligung ist dann Voraussetzung, um den Schweizer Pass beantragen zu können. Auch gleise die SVP die Abschaffung der Zulassung der Mehrfachstaatsangehörigkeit auf.

«Land kann stolz sein»

Für die Befürworter der Vorlage steht fest, dass die Nein-Kampagne der SVP, die mit Burka-Plakaten operierte, dem Ja den Weg ebnete. Silvan Gisler: «Die Befürworter gingen mit Argumenten vor. Es ist ein Ja für eine Politik, die mit Argumenten arbeitet.» Auch Yanek Schiavone sagt: «Die SVP verbreitete Lügen und Angst. Einmal mehr ging ihr Plan nicht auf.»

Barbara Steinemann weist ein Versagen der SVP-Kampagne zurück. «Die Plakate symbolisierten die Tatsache, dass man nicht weiss, wer hinter einer Burka steckt, und genauso wenig weiss, wer hinter einem Gesuch steckt.»

Die Operation Libero hoffe, dass das Ja eine Trendwende sei, sagt Gisler. «Vielleicht hat das Ja Auftrieb für eine offene Schweiz gegeben.» International habe es auch ein Zeichen gegen den Populismus gesetzt. Und Yanek Schiavone lobt: «Das Ja ist ein grosses Plus für die Schweiz. Unser Land kann stolz darauf sein.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • zeropro am 13.02.2017 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Ich hab auch dafür gestimmt, bin selbst eher links. Aber das jetzt Forderungen kommen dasselbe für die Secondos zu haben, sehe ich nicht ein. Warum kann man politische Erfolge nicht einfach stehen lassen, sondern muss immer noch mehr wollen?

  • Phil22 am 13.02.2017 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falscher entscheid

    wen man nach der 3. generation die schweiz und die sitten noch nicht kennt solte es eigentlich verboten werden sich einzubürgen

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  • Amadies am 13.02.2017 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SCHWEIZ

    Es freut mich für die 3te Generation. Ich hoffe einfach , dass der Schuss nicht irgendwann einmal nach hinten los geht. ( dritte Generation der jetzigen Flüchtlinge) Ich Frage mich, ob Tunesien,Afghanistan,Eritrea usw. auch so grosszügig ist mit uns, sollten wir mal auf der Flucht sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pufadus am 13.02.2017 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    An erster Stelle steht die Freiheit (oder doch nicht?)!

  • Miim am 13.02.2017 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ehepartner

    was ich nedenklich finde ist, dass einem Ehepsrtner schon nach kürzester Zeit eine erleichterte Einbürgerung ermöglich wird trotz baldiger eventueller Scheidung. Und in den Klischee-Fällen sind diese ja wohl bei weitem nicht so integriert wie Secondos und Terzos. Wird dies in Relation gesetzt ist es eine Ungerechtigkeit die erleichterte E. nicht auch der anderen Gruppe anzubieten

  • El Don am 13.02.2017 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht falsch verstehen

    Liebe Mitbürger und Eidgenossen Etwas sollten wir hier nicht vertauschen! Hier geht es ganz klar um bereits integrierte und hier lebende "Ausländer" wie ich z.b auch! Ich bin zwar Spanier DOCH hier in der CH geboren! Schulen lehre alles hier gemacht! Ich arbeite und zahle Steuern! war NIE arbeitslos bin mehr als nur integriert! Ich denke ich hätte auch anrecht auf einen CH Pass oder? Hier reden wir nicht von den neu ankommende welche noch nicht integriert sind! da verstehe ich eure Zweifel Aber bei solchen wie ich es bin finde ich es nur fair das wir ein CH Pass bekommen Oder????

  • Simba74 am 13.02.2017 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    was ich nicht verstehe, sind die 20min Umfragen in den Artikeln welche 180Grad in die andere Richtung zeigen als das Abstimmungsresultat.....

  • Ruth75 am 13.02.2017 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz

    Aber dann bitte auch Feuerwehrdienst und Militärdienst leisten oder Ersatzabgabe bezahlen. Und Steuern bezahlen.Müssen wir auch.