Passivrauchen

23. September 2012 21:28; Akt: 23.11.2012 13:36 Print

Keine Chance für schärfere Rauchverbote

Das Schweizer Volk lehnt die Initiative zum Schutz vor Passivrauchen überraschend klar ab - auch in Kantonen, die bereits eine restriktive Regelung kennen. Die Lungenliga ist enttäuscht.

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Das Rauchen soll in der Schweiz nicht komplett aus den Restaurants verbannt werden. Die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen», die das Rauchen in allen öffentlich zugänglichen Räumen verbieten wollte, erlitt am Sonntag an der Urne Schiffbruch.

Mit 66 Prozent lehnte eine klare Mehrheit der Stimmenden das Begehren der Lungenliga ab. Mit Ausnahme von Genf sagten auch sämtliche Kantone Nein. Nun können jene 18 Kantone, die bediente Raucherabteile oder sogar Raucherbeizen erlauben, ihre Gesetze belassen.

Tabakbranche und Gastronomie, welche die Initiative bekämpften, fühlen sich durch das Verdikt bestätigt. Nachdem vor zwei Jahren die Gesetze zum Passivrauchen verschärft worden seien, habe das Volk mit dem Marschhalt nun ein wichtiges Signal gesetzt, sagte Heinrich Villiger, Besitzer des traditionsreichen Zigarrenherstellers.

Auch Gesundheitsminister Alain Berset sieht in der Ablehnung der Initiative eine Bestätigung des geltenden Bundesgesetzes. Die Bürgerinnen und Bürger hätten nach so kurzer Zeit nicht schon wieder eine Gesetzesänderung gewollt, erklärte er. Das Resultat sei denn auch nicht als Nein zum Schutz vor dem Passivrauchen zu interpretieren, sondern als Nein zu einer erneuten Gesetzesänderung.

Gastrosuisse, der Dachverband der Gastronomie, bezeichnet das Abstimmungsresultat als starkes Zeichen der Vernunft. Das aktuelle Gesetz habe damit ebenso Bestand wie die unterschiedlichen Regelungen in den Kantonen, sagte Gastrosuisse-Präsident Klaus Künzli.

Öffentlichkeit sensibilisiert

Enttäuscht zeigte sich dagegen die Lungenliga. Das Volk sei offenbar mit den aktuellen Regeln zufrieden, sagte Geschäftsführerin Sonja Bietenhard. Die Abstimmungskampagne habe die Öffentlichkeit für die Gefahren des Passivrauchens sensibilisiert. Den Kantonen sei es weiterhin freigestellt, von sich aus strengere Regeln einzuführen.

Als verpasste Chance bezeichnete Jacques de Haller, Präsident der Ärztevereinigung FMH, den Volksentscheid. Personen, die in Räumen arbeiten müssten, in denen geraucht werde, seien gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.

Befürworter und Gegner der Volksinitiative sind sich einig, dass nach der Ablehnung eine Verschärfung des Rauchverbots auf nationaler Ebene vorerst vom Tisch ist. Auf linker Seite wird allerdings befürchtet, dass die Gegner von Rauchverboten nach nationalen Abstimmung die Kantone mit strengeren Anti-Rauchergesetze ins Visier nehmen könnten.

Ausnahmen in 15 Kantonen

Insgesamt legten rund 1'437'600 Stimmberechtigte ein Nein zur Initiative ein. Rund 741'200 Stimmende sagten Ja. Selbst die Kantone mit den strengsten Anti-Rauchergesetzen lehnten das Volksbegehren mehrheitlich ab. Sie zeigten in der Tendenz aber noch am ehesten Verständnis für das Anliegen. So lag der Nein-Stimmenanteil in beiden Basel, Neuenburg oder der Waadt unter 65 Prozent.

Seit dem 1. Mai 2010 verbietet das Bundesgesetz das Rauchen in sämtlichen Räumen, die öffentlich zugänglich sind oder die mehreren Personen als Arbeitsplatz dienen. Für das Gastgewerbe gelten Ausnahmen: Das Gesetz erlaubt Fumoirs und kleine Raucherlokale, die nicht grösser sind als 80 Quadratmeter.

Da das Gesetz als Mindeststandard gilt, können die Kantone schärfere Regeln erlassen. Fünfzehn Kantone, in denen 77 Prozent der Bevölkerung leben, haben dies getan und verbieten auch die Raucherlokale. In acht dieser Kantone (BL, BS, FR, GE, NE, SG, VD, VS) sind nicht einmal bediente Fumoirs erlaubt.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial Callair am 24.09.2012 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Affentheater...

    Aufhören mit diesem Theater, das ist doch lächerlich und bringt rein nix. Die Raucher werden weiterin rauchen, egal wie und wo. Noch mehr Bevormundung brauchen wir in diesem sauberen Land wirklich nicht!

  • Janus am 24.09.2012 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Fataler Irrtum

    Die Lungenliga erlag nach den ersten Erfolgen dem fatalen Irrtum, sie sei nun das Mass aller Dinge und hätte nun freie Hand für ihre Hexenjagd. Dieser Irrtum musste ihnen nun bewusst gemacht werden. Die Menschen sind selber in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Die Lungenliga brauchen wir dazu nicht.

  • Rauchzeichen am 24.09.2012 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit hat gesiegt

    Mehr Bevormundung durch den Staat braucht es nicht

    • Pascal am 24.09.2012 16:35 Report Diesen Beitrag melden

      welche Gerechtigkeit?

      was ist daran gerecht anderen seinen selbstzerstörerischen Lebensstil aufzuzwingen? Genau an dem Punkt fängt die Bevormundung an und nicht erst, wenn sich die Opfer dagegen wehren. Ihr Raucher verdreht Ursache und Wirkung und trauriger Weise haben euch das da Wähler abgekauft. Das Ergebnis ist gegen Freiheit und Selbstbestimmung eurer Opfer. Es ging offenbar nicht um die Sache sondern gegen Verbote generell. Egal welche. Für diese Propaganda hat die Tabaklobby auch massiv gearbeitet.

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  • Silas am 24.09.2012 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schade, war aber vorhersehbar

    Das war ja logisch. Ich bin enttäuscht vom schweizer Volk. Ausser zu zeigen dass man einen schwachen Charakter hat oder dass man dem Gruppendruck nicht standhalten konnte bringt Rauchen gar nichts. Heute gibt es genug Möglichkeiten damit aufzuhören, aber die meisten sind zu faul oder begreiffen immer noch nicht, dass wenn sie nicht rauchen immer noch ein Mensch sein werden. Als wäre das nicht genug schaden sie auch noch den Mitmenschen.

    • Thommy am 24.09.2012 16:43 Report Diesen Beitrag melden

      Hut ab für die massive Propaganda

      Ich denke bei vielen, besonders bei Rauchern, geht es nicht um das rauchen. Da würden fast alle lieber heute auf morgen aufhören. Es geht einfach um Rebellion. Auch ein Grund, warum man mit dem rauchen überhaupt erst begann. Es wäre ja auch äußerst peinlich zuzugeben, dass man zu schwach ist um selbstbestimmt und frei zu entscheiden ob man raucht oder nicht. Diese Freiheit hat ein Drogenabhängiger aber nicht. Weitere Rauchverbote werden früher oder später kommen. Die Vernunft wird am Ende siegen.

    • Janus am 24.09.2012 19:13 Report Diesen Beitrag melden

      Lärm

      Lärm, überlaute Auspuffe an sogenannten "Sport"-Wagen und Motorrädern sowie das überlaute Rollmaterial der SBB und Fluglärm schaden den Mitmenschen auch. Und trotzdem wird nichts dagegen unternommen. Also bitte nicht nur auf einem Thema herumreiten, sondern mal das Gesamtbild betrachten. ICH bin enttäuscht von engstirnigen Menschen, die sich einfach ein Hassthema aussuchen und darüber den Rest der Welt völlig vergessen!

    • Daniel Stiefel am 24.09.2012 19:58 Report Diesen Beitrag melden

      SCHWEIZ

      jedem sein Volk. Auf meins bin ich heute stolz.

    • Martial Callair am 24.09.2012 21:11 Report Diesen Beitrag melden

      Mehr als lächerlich!

      Silas, sehr schlechte Argumentation! Wenn Sie Nichtraucher sind, das ist Ihre Sache. Wenn Sie kein guter Wein oder ein gutes Fleischstück geniessen wollen, das ist auch Ihre Meinung. Sie leben aber mit dieser Einstellung nicht besser!

    • Anneliese am 25.09.2012 08:21 Report Diesen Beitrag melden

      Warum immer gegen die Raucher?

      Hallo Silas Wieso wird immer auf den Rauchern rum gehackt? Ich persönlich rauche ganz selten einmal,es kommt vor, dass Monate vergehen. Ich bin froh, dass die Abstimmung so verlaufen ist. Wieso wird nie etwas gegen diese notorischen Säufer unternommen, welche dann auch noch mit xPromillen Auto fahren und Umfälle bauen und in kauf nehmen, dass es schwer Verletzten und und Tote geben könnte? Ich finde das noch viel schlimmer. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht???Meine Devise ist, entweder man fährt und trinkt nicht oder man trinkt und fährt nicht!!!! Gruss Anneliese

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