Gaudi im Nationalrat

12. Dezember 2012 13:21; Akt: 13.12.2012 09:55 Print

SVP-Fehr schlägt Wermuth für Nobelpreis vor

Die Nationalrats-Debatte zur Wehrpflicht driftete zuweilen ins Slapstickartige ab. Ex-Juso-Chef Cédric Wermuth konterte rhetorische Attacken von rechts mit Humor.

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Cédric Wermuth hatte die Lacher auf seiner Seite - eine Mehrheit für die Anti-Wehrpflicht-Initiative konnte er aber nicht erkämpfen. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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SP-Nationalrat und Armee-Kritiker Cédric Wermuth redete sich bei der Debatte über die Initiative zur Abschaffung der Wehrpflicht in Rage. Er bezog sich auf Sigmund Freud und bezeichnete die RS als «abrupte Trennung der Männer von ihren Müttern und allem Weiblichen». Soldaten würden in sinnentleerten Solidargemeinschaften herumgrölen und mit dem Sturmgewehr als Phallusersatz rumballern. «Das kann definitiv nicht das Männerbild der Zukunft sein.»

Von einem Militärdienstverweigerer mochte sich Oberstleutnant Hans Fehr solche Weisheiten nicht auf die Nase binden lassen. Der Zürcher SVP-Mann schritt nach vorne und stellte Wermuth eine Frage: «Sind Sie nicht auch der Meinung, dass Sie den Nobelpreis verdient haben?» Schliesslich habe noch keiner auf dem Rednerpult so viel Unsinn in so kurzer Zeit erzählt.

Welcher Nobelpreis solls denn sein?

Der frühere Präsident der Juso liess die Attacke elegant ins Leere laufen. «Wenn Sie das vorschlagen, reise ich gerne mit Ihnen nächstes Jahr nach Norwegen oder Schweden und nehme den Preis entgegen», antwortete er Fehr. «Sie müssen mir dann noch sagen, in welcher Kategorie, ob Frieden, Physik oder Wirtschaft.» Im Ratsaal hatte Wermuth die Lacher auf seiner Seite.

Doch die SVP gab sich nicht geschlagen. Der Vorzeigeliterat der Rechtspartei, Oskar Freysinger, lancierte den nächsten Angriff – mithilfe eines anderen Nobelpreisträgers. Der Walliser fragte Wermuth, ob er sich bewusst sei, dass die Armee den Literaturkenntnissen höchst förderlich sei. Er habe das Gesamtwerk von John Steinbeck während seiner Armeezeit verschlingen können, betonte Freysinger. «Keine andere Institution hätte mir die Musse gegeben, so viel zu lesen.»

RS nur zum Bücherlesen?

Freysingers «Früchte des Zorns» liessen Wermuth wiederum ziemlich kalt. Er wisse nicht genau, wo nun die Frage sei, beschied er Freysinger. Aber er danke ihm für das Aufdecken der offensichtlichen Bedeutung der Rekrutenschule in diesem Land. «Sie hätten es nicht besser beschreiben können.»

Dass eine gewonnene Schlacht auf der rhetorischen Bühne noch lange keinen gewonnen Krieg bedeutet, musste Wermuth kurz darauf zur Kenntnis nehmen: Die GSoA-Initiative blieb chancenlos und wurde mit 121 zu 56 Stimmen abgelehnt.

(hhs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lestat am 12.12.2012 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Dekadenz + Wohlstandsverwahrlosung

    Wer in einem Land geboren wurde, in dem Demokratie, Wohlstand und Menschenrechte selbstverständlich sind, ohne selbst etwas dafür zu leisten, dem ist natürlich nicht klar, warum er dieses Land oder dessen Bewohner beschützen sollte. Ist doch alles selbstverständlich. Am besten befolgen wir den Plan Ghaddafis und teilen die Schweiz unter Deutschland, Frankreich und Italien auf, dann muss man diese nicht mühsam zu Grunde richten, wie es gewisse politische Kreise tun.

    einklappen einklappen
  • Heisenberg am 12.12.2012 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittelmas!

    Zuviel militär ist nicht gut( befehlsgeiler fehr) Zuwenig auch nicht( autoritätsscheuer wermuth)

  • Rodney McKay am 12.12.2012 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Rhetorik-Niete Wermuth

    Rhetorisch ist Wermuth etwa so schlagkräftig wie damals Verona Feldbusch war, als sie weinend resignierte vor Alice Schwarzer.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sebi Wyssi am 13.12.2012 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    als hätte man nichts besseres zu tun...

    @antonmeier: Na klar... Zeigt man heutzutage nur ein bischen Kurage und Verstand, ziehst du schon den kürzeren, und wirst gezwungen, deinen Dienst in der Armee fortzusetzen... Ausser dem wage ich zu sagen, das es in der heutigen Jugend noch genügend Armee/baller- freudige Gesichter gibt, die diese (von mir aus unnötige Tortur) freiwillig in anspruch nehmen würden...

  • Peter2106 am 13.12.2012 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    So ist der Schweizer

    Heute schreit die halbe Nation nach Abschaffung des Militärs und morgen, wenn sie in not sind, schreien sie nach dem Militär und wo denn dieses jetzt bleibe, man sei in Not. So ist der Schweizer - weiss nie was Gut ist.

  • antonmeier am 12.12.2012 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles schlecht

    Neben allem Leerlauf, die Gemeinschaft, einmal nicht nur für sich zu schauen, Teamgeist, lernen dass man etwas zusammen erreichen kann, Kollegen, Freunde fürs Leben. Und nebenbei gibts noch Leute die etwas lernen im Militär. Aber man muss auch sein Willen dazu beitragen, das heisst nicht nur negativ eingestellt rumlaufen, das Hirn eben nicht ausschalten, mitdenken und handeln.

  • Briggen Willi am 12.12.2012 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Warum auch nicht

    Nach einem langen Tag, Brücke für Panzer gebaut, keinen Panzer gesehen, am Abend in einer Scheune auf dem Heuboden den Schlafsack ausgebreitet. Katzenwäsche beim Brunnen, danach einen heissen Kaffe mit güx vom Bauern genossen. Küche bringt Hörnli mit gehacktem, habe Aromat dabei. ( sechster WK ) In meiner Gruppe zwei Zimmerleute ein Bauer ein Lehrer zwei Studierte und der Hochbauzeichner ist auf der Wache. Gute Unterhaltung, Vorgesetzte niedermachen, schmutzige Witze, Autos Männersache. Noch einen Selbstgebrannten von Fränzu geniessen. Müde, ab in's Nest. Gemütlich warum auch nicht.

  • Heisenberg am 12.12.2012 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittelmas!

    Zuviel militär ist nicht gut( befehlsgeiler fehr) Zuwenig auch nicht( autoritätsscheuer wermuth)

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