Internationaler Vergleich

04. Mai 2017 05:45; Akt: 04.05.2017 10:33 Print

Strom-Check – so sauber ist die Schweiz

von D. Pomper/N.Thelitz - Woher beziehen die Europäer ihren Strom? Die Schweiz setzt vor allem auf Wasserkraft, Deutschland auf Kohle und Frankreich auf Kernkraft.

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Die Energiestrategie 2050 des Bundesrates, über welche die Schweiz am 21. Mai abstimmt, will den Anteil erneuerbarer Energien in der Schweiz erhöhen. Die inländische Stromproduktion aus Sonne, Wind oder Biogas soll bis im Jahr 2035 um das Vierfache gesteigert werden. Damit könnte ungefähr das AKW Gösgen ersetzt werden.

Umfrage
Was ist die beste Art, Energie zu produzieren?
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8 %
Insgesamt 5451 Teilnehmer

Auch die EU verfolgt seit 2005 eine ambitionierte Förderpolitik für erneuerbare Energien. Von 2004 bis 2014 stieg deren Anteil am gesamten Endenergieverbrauch von 8,5 % auf 16 %. Bis 2030 will die EU einen Anteil von 27 % erreichen, wobei jedem Mitgliedstaat ein Zielwert vorgegeben wird.

Ausgebaut werden vor allem Wind- und Solarenergie. Doch trotz Fördermassnahmen wie Einspeisetarife, Prämien oder Quoten stammt der Strom häufig nicht aus erneuerbaren Quellen. Ein Vergleich von vier europäischen Ländern zeigt: Bei der Stromproduktion gibt es ganz unterschiedliche Strategien.





Schweiz
Als gebirgiges Land mit vergleichsweise häufigen Niederschlägen eignet sich die Schweiz gut für die Stromproduktion aus Wasserkraft, schreibt das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation in einem Bericht. Mehr als 600 Wasserkraftwerke erzeugen knapp 60 Prozent des Schweizer Stroms. «Im internationalen Vergleich ist die Stromversorgung in der Schweiz deshalb sehr sauber, zu 98 Prozent sind wir CO2-neutral unterwegs. In Europa haben nur Island und Norwegen noch höhere oder ähnliche Raten», sagt Patrick Dümmler, Energieexperte bei Avenir Suisse. Die saubere Energie stammt in Norwegen zu 96 Prozent aus Wasserkraft, in der Schweiz kommen 37,8 Prozent aus Atomkraftwerken, die zwar kein CO2, aber radioaktiven Abfall produzieren.

Aus anderen erneuerbaren Energien (u. a. Wind, Solar, Biomasse, erneuerbarer Abfall) werden heute 4,3 Prozent der gesamten Schweizer Stromproduktion gewonnen (Stand 2015). Dieser Anteil nimmt stetig zu, ist aber im Vergleich zu anderen Ländern sehr klein. «Die Schweiz ist kein ideales Land für Wind- oder Sonnenenergie. Offshore-Windparks in der Nordsee oder Solaranlagen im sonnigen Spanien sind sicherlich effizienter», sagt Dümmler.

Deutschland
Unser nördlicher Nachbar holt seinen Strom mehrheitlich aus konventionellen Energieträgern wie Braun- und Steinkohle. In den letzten Jahren haben Solar- und Windenergie aber kräftig zugelegt. «In Deutschland dominieren die Kohlekraftwerke, weil Kohle lange ein günstiger Energielieferant war, der in grossen Mengen vor der Tür lag, etwa im Ruhrgebiet oder in der Lausitz», sagt Dümmler. Der Tagebau habe zudem viele Arbeitsplätze geschaffen. «Dadurch hatte die Kohlekraft lange politischen Rückhalt.» In den letzten Jahrzehnten sei jedoch die Konkurrenz durch importierte Kohle immer grösser geworden, so dass man politisch neu auf die erneuerbaren Energien setze.

Frankreich
Mehr als drei Viertel des Stroms in Frankreich stammt aus Atomkraftwerken. «Frankreich wollte in den 70er-Jahren seine Abhängigkeit von Energieimporten verringern und setzte voll auf die Atomkraft», sagt Dümmler. Ziel sei gewesen, Weltmarktführer in Sachen Kernkraft zu werden. «Die Bevölkerung wurde ermuntert, Elektroöfen statt Ölheizungen zu installieren. Der staatliche Konzern Areva exportierte die KKW-Technologie.» Seit Fukushima stecke er allerdings in der Krise. In den letzten Monaten wurden mehrere französische KKW für die Revision abgeschaltet, dies hatte ein leichtes Ansteigen der europäischen Strompreise zur Folge.

Österreich
In Österreich werden 68,5 Prozent des Stroms durch Wasserkraft gewonnen, noch mehr als in der Schweiz. Ausserdem kommt Österreich ohne Atomenergie aus. Das einzige je gebaute Kraftwerk in Zwentendorf wurde nie in Betrieb genommen, weil die Bevölkerung dies in einer Volksabstimmung 1978 mit 50,47 Prozent abgelehnt hatte. Seit der Atomkatastrophe 1986 in Tschernobyl ist die Energieversorgung ohne AKWs in Österreich politischer Konsens. Ein grosser Teil der Energie stammt stattdessen aus Kohle- und Gaskraftwerken. Fast 6 Prozent wird aus Windenergie gewonnen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Doris Zurschmiede am 04.05.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Länder

    Die Abkürzung für Österreich wäre AT und nicht AUS, dort leben die Kängurus

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  • Roland am 04.05.2017 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasserkraft und Sonnenenergie stärken

    Ein Verstärkung der Wasserkraft kombiniert mit Sonnenenergie kann eine stetige Ablösung der Atomenergie ermöglichen. Die Schweiz muss sorgfältig mit ihren Ressourcen und speziell mit der Wasserkraft umgehen. Kohlekraftwerke sind keine Alternative.

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  • Detlev Anderleyne am 04.05.2017 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Energiestrategie an der Urne versenken

    Mich stört der ganze Flatterstromzirkus in der Energiestrategie 2050. Ein Drittel Atom und 2/3 Wasserkraft, dazu etwas Sonnenenergie fürs Gewissen und zukünftig eine Einspeisevergütung dem Konsumenten aufhalsen. Weil diese ganze ES2050 ein Papiertiger ist hoffe ich sie wird an der Urne gnadenlos versenkt. Und Deutschland sollte vor irgendein Gericht gestellt werden wegen Förderung von fossilen Energien in schon fast biblischem Ausmass.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lovisa am 05.05.2017 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ausbau der Erneuerbaren ist wichtig

    Um ganz unabhängig zu sein von zweifelhaften Stromimporten aus dem Ausland und von AKWs sollten wir komplett auf die Erneuerbaren umsteigen. Beim Ausbau von anderen erneuerbaren Energiequellen neben der Wasserkraft (z.B. Biomasse) gibt's noch Luft nach oben. Deshalb JA zur Energiestrategie.

  • Reto Meier am 05.05.2017 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Augenwischerei

    dass Österreich ohne Atomstrom auskommt, ist reine Augenwischerei. Ihr AKW steht stillt, dafür laufen die hinter der Grenze im Osten auf Hochtouren.

  • Misa Stamius am 05.05.2017 02:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CO2 neutral?

    Österreich stimmt schon, ausser dass sie auch seit ca. 15 Jahren Strom vom "neuen" AKW in Tschechien beziehen. Des Weiteren CO2 neutrale Produktion bei Wasserkraftwerken; für den Bau brauchte es ein paar 10000 LKW Ladungen, Bagger, usw....

  • huwi am 04.05.2017 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsdifferenz erkannt

    Ich habe jetzt rund die Hälfte aller Kommentare gelesen und fasse kurz zusammen: Die "Elite" (profi-Abknöpfer der Portemonnais) könnte auch eine "Solar-Taschenlampe" propagieren (Bem: Eine Taschenlampe die nur brennt wenn die Sonne scheint :-), die technisch nicht versierte Ja-Seite würde auch das euphorisch bejahen! Egal, was da für Fantasien versprochen werden... Die technisch interessierten und rechnenden durchschauen das falsche Spiel. Ich für mich kann sagen, dass ich mir diese 200-Mia.-Zwängerei schlicht nicht leisten kann! Und da das Ganze eh nur weitere versteckte Steuern sind: Nein!

    • Niklaus A. am 05.05.2017 01:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @huwi

      M - Differenz erkannt, , stimme Ihrem Kommentar voll zu, danke.Diesmal kommt für Frau Leuthard die längst fällige Retourkutsche, sie geht eindeutig zu weit, dieses Projekt ist zu gross für eine Frau Leuthard, da genügt Lächeln und falsche Berechnungen nicht mehr.

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  • Goran Ilic am 04.05.2017 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wäre sofort für die Strategie,

    würde in dieser Strategie Windräder verboten werden. Denn diese verschandeln unsere schöne Landschaft. Sonnenenergie, Wasserkraft und sinnvolle Sanierungsprogramme, wäre alles toll. Aber bitte KEINE WINDRÄDER, danke. Und darum stimme ich NEIN.

    • Lara am 05.05.2017 01:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Goran Ilic

      Das könnte man alles ohne dieses haarsträubende Gesetz machen .

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