Fälschungen

30. Juni 2015 14:31; Akt: 30.06.2015 15:30 Print

Bund warnt vor Billig-Angeboten im Internet

von B. Zanni - Unseriöse Online-Shops verführen Schnäppchenjäger mit gefälschter Ware. Eine Kampagne warnt nun vor der fiesen Masche der Händler.

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Mit solchen Fake-Seiten locken die Händler die Kunden in die Schnäppchenfalle. (Bild: ZVG)

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Anja bestellt eine Ray-Ban-Sonnenbrille zu einem Schnäppchenpreis im Internet. Marco findet in einem Webshop unschlagbar günstige Nike-Schuhe. Mit ihren Bestellungen werden aber beide nicht glücklich: Als Marco sein Paket öffnet, schlägt ihm ein beissender Gummi-Gestank entgegen. Anstatt der sehnlichst erwarteten Sneakers hat er ein billiges Imitat erhalten. Noch schlechter ergeht es Anja: Der Zoll hält das aus China stammende Paket mit Verdacht auf Produktfälschung zurück, sie sieht ihr Geld nie wieder.

Im Internet wimmelt es von Online-Shops und -Marktplätzen, die Konsumenten mit günstigen Angeboten über den Tisch zu ziehen versuchen. In einer Aktionswoche warnen die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (KOBIK) des Fedpol und der Verein Stop Piracy auf Facebook und Twitter vor der Masche. «Augen auf! Fälschungen im Internet erkennen» heisst die Aktion.

Kreditkartendaten werden missbraucht

«Wir erhalten immer mehr Meldungen von Konsumenten, die Opfer unseriöser Anbieter sind oder uns auf solche aufmerksam machen», sagt Sabine Dändliker, Geschäftsführerin von Stop Piracy. Die Betrüger würden äusserst professionell vorgehen: Die Webshops seien ähnlich gestaltet wie jene der grossen Online-Händler. «Schaut man nicht genau hin, tappt man leicht in die Schnäppchenfalle.» Manche verkaufen nicht nur Fälschungen, sondern missbrauchen auch die erfassten Kreditkartendaten. So merkte eine Kundin im Nachhinein, dass ihre Kreditkarte zum Buchen von Hotelferien missbraucht worden war.

Stop Piracy rät von einem Kauf ab, wenn es als «Imitat», «Importware», «cheap» oder «lookalike» angepriesen wird. Gute Ware sei auch im Internet nicht spottbillig, so Dändliker. Ein Preis- und Sortimentsvergleich mit anderen Anbietern helfe, mögliche Fälschungen auszumachen. Auch wenn auf der Website das Impressum mit den Kontaktangaben des Anbieters fehlt, rät sie von einem Kauf ab. Fehlerhaft geschriebene oder maschinenübersetzte Informationen auf der Website können ebenfalls auf Fälschungen hindeuten.

Zurückschicken verboten

Wer bereits in die Schnäppchenfalle getappt ist, dem rät Stop Piracy, mit dem Verkäufer Kontakt aufzunehmen und zu versuchen, den Kauf rückgängig zu machen. Handelt der Käufer schnell, so könne auch die Kreditkartenfirma die Überweisung des Geldes eventuell noch blockieren. Auf keinen Fall darf eine im Ausland bestellte Fälschung zurückgeschickt werden, da die Ausfuhr gefälschter Ware verboten ist. In diesem Fall droht ein Gerichtsverfahren mit möglichen zusätzlichen Kosten.

Dändliker empfiehlt stattdessen, Anzeige gegen den Verkäufer zu erstatten. Handelt der Täter gewerbsmässig, müssen die Behörden von Amtes wegen Abklärungen treffen. Den kriminellen Online-Banden auf die Spur zu kommen, ist jedoch schwierig. Laut Fedpol ist die Chance, Fälscher zu erwischen, sehr klein. Oft handle es sich um organisierte Banden im Ausland, etwa in China. Am häufigsten handeln sie mit Handtaschen, Reisetaschen, Portemonnaies und Medikamente – letztes Jahr beschlagnahmte die Eidgenössische Zollverwaltung fast 32'000 Produkte im Wert von über 4 Millionen Franken.

Dändliker räumt ein, dass es auch Konsumenten gibt, die bewusst günstige Fälschungen anstelle des teuren Originals kaufen. Sie warnt: «Vielen ist nicht bewusst, dass sie damit direkt das organisierte Verbrechen unterstützen.» Das Geld fliesse in Organisationen, die auch in andere kriminelle Aktivitäten wie Drogen- oder Menschenhandel verstrickt sind. «Da die Produkte auch keinen Sicherheits- und Qualitätskontrollen unterzogen wurden, können die Artikel zudem die Gesundheit und die Sicherheit der Konsumenten gefährden.»

Sind Sie schon einmal auf einen unseriösen Anbieter im Internet hereingefallen? Schreiben Sie uns an feedback@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Pope am 30.06.2015 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warnung des Bundesamt

    ectht jetzt? eine echte Rolex kostet mehr als 200 stutz? danke für die Warnung, hätte jetzt fast ein paar bestellt.

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  • Reto Thüring am 30.06.2015 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Anzeige?!

    Eine Anzeige auf dem Polizeiposten ist ja wohl ein Witz? Die Leute welche dort arbeiten sind mit so einer Sache hoffnungslos überfordert. In meinem Fall wussten die Beamten weder was Paypal ist, geschweige was Produktpiraterie ist. Ich hätte die Geschichte ebenso meiner Grossmutter erzählen können.

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  • Innercher am 30.06.2015 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil...,,,

    Da muss der Bund warnen? Wo bleibt der gesunde Menschenverstand?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • kaser am 01.07.2015 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    käuferschutz in china

    ich weiss nicht was ihr habt, bei aliexpress gibt es käuferschutz der wirklich funktioniert ausserdem ist 80% aller artikel versandkostenfrei. da kann sich mancher online shop in europa ein beispiel daran nehmen.

    • janna mettler am 01.07.2015 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      käuferschutz!? wo?

      alienexpress verkauft zu 90% fälschungen....wo ist da der käuferschutz??? hab selbst einmal bestellt natürlich war mir klar das es sich dabei um keine originale handelt! quallitativer müll auf höchster stuffe giftstoffe inklusive!

    • rene am 01.07.2015 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jana mettler

      weiss nicht was du hast, vielleicht musst du englisch lernen. disput eröffnen und nach 7 tagen money back. hat bei mir wunderbar geklappt und kaufe an die 100 artikel im jahr. bez fälschungen ja und nein, sind meistens produzenten die für nahmhafte marken herstellen und auch direktverkauf machen für ein bruchteil des geldes was wir hier bezahlen.

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  • Fredi Jegerlehner am 01.07.2015 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    gehört bestraft

    als Importeur einiger Markenprodukte freue ich mich,wenn die Schnäppchenjäger Lehrgeld bezahlen.Wer nicht bereit ist,einen angemessenen Preis zu bezahlen(ca. 20-30% höher als in der EU)und damit CH-Stellen und Einkommen zu sichern, hat nichts begriffen. Leider bleibt auch die Politik untätig, z.B. bei der MwSt. Fr.300.00 Freibetrag(ohne den Schmuggel zu rechnen)ist eine Wettbewerbsverzerrung sondergleichen! Der CH-Detailhandel geht vor die Hunde und in einigen Jahren bewegen sich die Löhne auf EU-Niveau, wetten?

    • Herbert am 01.07.2015 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      Markenprodukte sind auch Betrug

      Der Markenname rechtfertigt den Aufschlag von 900%, obwohl das Produkt in der Herstellung 2 Franken kostet? Hinter Markenartikeln stehen auch ausgebeutete Angestellte.

    • eDicht am 01.07.2015 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Freibetrag?

      auf dem Postweg wird schon ab minibeträgen (ab 62.-) MWST verrechnet... hinzu kommt noch der Abfertigungsobolus.

    • stump am 01.07.2015 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @herbert

      genau herbert, da hast du recht. ist jedem überlassen wo er einkauft. die schweizer importeure haben zudem zu hohe margen. war zb im fahrradhandel da bezahle ich bei direktimporteur mehr als händler als in einem fachgeschäft in deutschland. in china kann man das gleiche sogar 60% günstiger kaufen und das frei haus. geiz ist geil und ich bin nicht bereit importeure in der schweiz zu sanieren.

    • John Pope am 01.07.2015 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      dreist und unverschämt

      der importeur echauffiert sich also weil wir nicht 30 Prozent mehr bezahlen wollen, wohlgemerkt der, der aus China zu spotpreisen einkauft und hier abzockt! dreister geht's nicht.

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  • Reto Borri am 01.07.2015 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Paypal ftw

    Tja mit Paypal Zahlen hatte auch mal in einem solchen Shop was bestellt ware nie bekommen Paypal mitgeteilt Geld zurückbekommen ist halt immer noch eine Gute Zahlungsmöglichkeit.

  • lauretta am 01.07.2015 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    hahaha guter witz

    ich würde die eidgenossen viel mehr vor dem schweizer bund warnen...der beutet uns viel mehr aus, als irgendwelche kleinkriminelle im netz... der bund dreht uns vielleicht keine uhrenfälschung an, aber er ruiniert ganze existenzen indem er uns die lebensbasis nimmt. die jobs und ein dach über den kopf. wer ist nun verwahrloster? von wem müssen wir mehr misstrauen haben?

  • Holster Geier am 01.07.2015 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grossmutters Meinung

    Meine Grosi hat immer gesagt:"Um billig zu kaufen, sind wir zu arm!"