App-Sucht

20. März 2014 07:31; Akt: 20.03.2014 17:44 Print

Quizduell statt Sex: Handys sind Beziehungskiller

von D. Pomper - Noch eine Runde «Quizduell» spielen, E-Mails checken, eine WhatsApp-Nachricht senden: Das Handy ist bald der grössere Beziehungskiller als jede Affäre.

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«Suchten» statt kuscheln: Und statt der Zigarette danach greift jeder Fünfte nach dem Sex zum Handy.

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Schon beim Frühstück fängts an: Sie war extra beim Beck und hat Gipfeli geholt. Er aber starrt gebannt aufs Handy, weil er wissen will, was seine Freunde in den letzten zehn Stunden alles erlebt und auf Facebook gepostet haben. Sie resigniert und checkt dann halt mal ihre Arbeits-Mails. Schliesslich hat man ja auch am Abend noch Zeit für traute Zweisamkeit.

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Empfinden Sie das Smartphone als Beziehungskiller?
43 %
37 %
20 %
Insgesamt 3466 Teilnehmer

Abends beim Italiener bei Kerzenlicht. «Ping». «Quizduell» fordert zum Spielen auf: «Welche Art von Spiel ist ‹Mortal Kombat›?» Er sagt: «Nur noch diese Runde Schatz, ich bin gleich fertig.» Das Essen kommt. Sie sagt: «Wie lecker das aussieht. Ich mach nur kurz ein Foto und schick Mama eine WhatsApp-Nachricht.»

Der Tag neigt sich dem Ende zu, man legt sich ins Bett und kuschelt – bis ihr Handy piepst und sie noch unbedingt wissen will, wer ihr da noch geschrieben hat. Er nervt sich und spielt dann halt noch eine Runde «Angry Birds». Dann versöhnen sie sich und ja, vielleicht kommt es noch zum Sex. Das ist ja bekanntlich noch eine handyfreie Zone. Danach aber folgt nicht die berühmte Zigarette, sondern – wen wunderts – noch ein letzter Blick auf die kleine Maschine. Das macht gemäss einer amerikanischen Studie immerhin jeder Fünfte.

Wie in einer Dreiecks-Beziehung

«Handys sind regelrechte Beziehungskiller», sagt Paartherapeut Klaus Heer. Immer mehr Paare suchen bei ihm Hilfe, weil sich ein Partner wegen der Handysucht des anderen vernachlässigt fühlt. «Viele haben das Gefühl, sie lebten in einer Dreiecksbeziehung», sagt Heer. Permanent sei ein Dritter dabei – im Bett, am Tisch, in den Ferien. «Die Liebesenergie wandert aufs Handy ab.» Dabei sei Zeit der unersetzliche Rohstoff für die Liebe. «Investiert man seine Zeit ins Smartphone, statt in den Partner, erodiert die Liebe.»

«Affären kann man nicht nur mit einem Geliebten haben, sondern auch mit dem Job, Sport oder eben auch mit seinem Handy», sagt Paarcoach Norina Bräm Wolf. Man könne auch Eifersucht gegenüber einem Handy empfinden, denn dieses Gefühl entstehe aus einem Mangel – in diesem Fall aus einem Mangel an Beachtung. Tatsächlich zeigte eine repräsentative Umfrage von TNS Emnis im Auftrag des Energieversorgers Eon: Knapp 40 Prozent der unter 30-Jährigen in Deutschland sind vor allem eifersüchtig auf die Zeit, die ihr Partner mit dem technischen Spielzeug verbringt.

Nur eine Reizquelle reicht nicht mehr aus

Auch Bräm behandelt zunehmend Paare mit Handyproblemen. Kürzlich hat sie ein Paar betreut, das sogar während der Beratung nur via WhatsApp kommunizierte. Bräm glaubt, dass die Propagierung des Multitasking mitschuldig ist an dieser Entwicklung. «Viele haben das Gefühl, dass sie alles gleichzeitig machen können: vor dem TV sitzen, mit der Kollegin schreiben und mit dem Partner ein Gespräch führen.» Multitasking habe dazu geführt, dass eine einzelne Reizquelle heutzutage nicht mehr ausreiche. «Wir langweilen uns extrem schnell. Wenn es nicht mehr spannend ist, dann hören wir einfach damit auf.» Das Handy sei ein äusserst bequemes Instrument: «Ohne viel zu investieren, wird einem sehr viel geboten. Ich kann die Befriedigung ohne Vorarbeit sofort abrufen.» In einer Beziehung aber, gehe das natürlich nicht. «Man hat verlernt durch die Kommunikation mit seinem Partner die gleiche Spannung zu erzeugen, wie mit seinem Handy.»

«Divorce Your Phone»-Bewegung

Damit das Handy nicht zum Beziehungskiller wird, rät Heer, gemeinsam Regeln zu erfinden. «Ein Handyverbot am Tisch kann sich aufdrängen. Auch das Schlafzimmer erklärt man mit Vorteil zur handyfreien Zone.» Die neuen Regeln müssten schriftlich festgehalten werden, wie in einem Vertrag. Mit Unterschrift. Heer: «Das schafft Klarheit in der Abmachung und ist verbindlicher als ein mündliches Versprechen.»

Auffallend sei allerdings, wie uneinsichtig die Betroffenen oft seien, stellt Heer fest: «Ein Raucher weiss, dass er süchtig ist. Ein exzessiver Handygebrauch dagegen wird als harmlos abgetan.» Das mache eine notwendige Veränderung fast unmöglich.

Zu einem radikalen Schritt rät Pastor Jarrid Wilson. Der Amerikaner hat sich entschieden, sich von seinem iPhone 5 scheiden zu lassen, um seine Ehe zu retten. «Mein iPhone ist extrem clever, lustig, zuverlässig und informiert mich über die neusten Trends», schreibt er. Aber es vergifte seine Ehe. «Dabei verdient es meine Frau, die Nummer eins in meinem Leben zu sein.» Alle Menschen seien in einer gewissen Art und Weise mit ihrem Handy verheiratet, sagt Wilson. Dagegen will er ankämpfen und hat dafür die «Divorce Your Phone»-Bewegung ins Leben gerufen.


Das Phänomen wird im Youtube-Video "I Forgot My Phone2 auf die Schippe genommen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Er am 20.03.2014 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    er er er

    wieso lese ich hier immer nur er? ich persönlich kenne mehr Frauen als Männer die so sind...

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  • Brrring! am 20.03.2014 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    24h Erreichbarkeit

    Und ich (w, 25) werde doof angeschaut, wenn ich am Abend oder am Wochenende schlichtweg nicht erreichbar bin und ev. nicht zurückschreibe, weil ich das Handy einfach irgendwo auf einem Möbel vergessen habe und es kein bisschen vermisst habe oder es auch bewusst zu Seite lege. Ich liebe diese Zeit für mich / uns. Keiner stört, keine Spiele auf Apps, einfach Zeit. Man verpasst nichts, wenn man nicht ständig erreichbar ist, aber man verspasst sehr viel, wenn man das Gefühl hat, immer "online" sein zu müssen.

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  • Manuela am 20.03.2014 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Langeweile

    bei uns sind die Smartphones noch bei Weitem keine Beziehungskiller. Sie stehen nicht über direkter Kommunikation, Kuscheln und schon gar nicht über Sex. aber was mir auffällt: die Dinger sorgen dafür dass man sich keine Sekunde mehr langweilen will. Auch ich ertappe mixh dabei dass wenn ich mich auf eine sonnige Bank setze der erste Griff zum Handy geht. Gegen diesen Gewohnheitsreflex muss ich mich bereits ganz bewusst wehren sonst geschiehts einfach. statt neben dem Körper auch den Geist etwas auszuruhen, sind wir es plötzlich gewohnt jede Sekunde unseres Lebens den Geist mit neuen Infos zuzudröhnen sodass wir schon 5 min Stille als gewaltige Langeweile empfinden. dabei langweile ich mich auf Facebook usw auch, nur etwas minim weniger. Hat ein bisschen was von gelangweilt im TV rumzappen oder sich durchs Internet klicken. ich denke immer noch Smartphones praktisch und ne gute Sache sind, aber wir müssen von dem ganzem Informationstrip mal wieder runterkommen und es bewusst einsetzen. Etwas mit ganzer Aufmerksamkeit tun ohne den Blick auf den Minicomputer in der Hosentasche.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tamy am 22.03.2014 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mühsam

    ich würde das handy nicht als beziehungskiller betiteln. eher als mühsamer zeitkiller. mein freund gamet oft stundenlang am pc. wenn er sich dann zu mir in den garten setzt um eine zu rauchen, hat er dieses blöde plastikteil vor dem gesicht. das selbe beim gemeinsamen essen, wenn wir einen film schauen oder im zug. immer. ich glaube er würde mich auf der strasse nicht mehr erkennen (auch nicht wenn er die augen vom display lösen könnte) umbringen tuts unsre beziehung nicht. es erschwerd sie (für mich jedenfalls) es führt zu diskussionen, aber hei ich hoffe einfach dass diese phase irgendwann vorbei geht.

  • Philip am 22.03.2014 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Bin stolz

    mit 32 immer noch kein Smartphone zu haben. brauche es nur für Anrufe und sms. alles andere ist Zeitverschwendung....da kann ich meine Freie Zeit besser investieren. aber dies ist die heutige Gesellschaft, sogar die über 50-Jährigen, hängen nur noch am Handy einfach peinlich und sehr traurig diese entwicklung der Kommunikation, ständiger erreichbarkeit und zeigen auf sozialen netzwerken.....

  • Sini am 22.03.2014 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Solche menschen leben für mich nicht in einer "Beziehung" sonder eher aus angst vor dem allein sein. Ich bin selber erst 25 Jahre alt und alles andere als Altmodisch erzogen worden. Müsste ich mich zwischen meiner Freundin und meinem Iphone 5 entscheiden würde es keine Sekunde gehen und mein Handy landet im Elektroschrott. Genau so ist es auch umgekehrt. Was sollen das den für Beziehungen sein wo materielle Gegenstände mehr wert haben als den Partner den man liebt? Naja vielleicht bin ich auch einfach zu blöd um das zu verstehen.

  • Herr Hürzeler am 22.03.2014 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    retour à la nature

    Man müsste eben wieder zu den bewährten Rauchzeichen zurückkehren, ich habe noch nie gehört, dass deswegen eine Beziehung zerbrach. Aus gut unterrichteter Quelle weiss ich übrigens, dass die Migros Clubschule ab dem Herbst Rauchzeichen-Kurse anstatt Englisch anbietet!

  • Peter/Maier am 22.03.2014 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    2 tage ohne handy

    Hier wird zwar geschrieben, dass man das handy öfters weglegen soll doch wenn ich es mal ein zwei tage weglege werde ich von allen kollegen und kolleginnen dumm angeschnauzt. Die handysucht ist ein gesellschaftliches problem wogegen man sich als einzelner nur schlecht wehren kann.

    • Nise Meier am 22.03.2014 12:03 Report Diesen Beitrag melden

      Tage - Wochen ohne Handy

      Toll, ich habe das Glück, dass meine Wohnung von den beiden nächsten Handy-Masten nicht erreichbar ist. Dies heisst, dass meine gesamte Freizeit Handy-frei ist. Die Leute, die mich finden müssen, haben meine Festnetznummer oder können sie bei telsearch finden...

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