Kriminalität

04. Juli 2017 05:46; Akt: 04.07.2017 05:46 Print

Ladendiebstahl-Banden gehen organisierter vor

von Stefan Ehrbar - Weniger Gelegenheitsdiebstähle, immer mehr Professionalität: Banden gehen mit gezielter Aufgabenteilung vor.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit 12'261 polizeilich registrierten Ladendiebstählen wurden letztes Jahr so wenige Langfinger angezeigt und ermittelt wie kaum je zuvor. Gleichzeitig nimmt der professionelle Diebstahl durch Banden zu. Sie gehen geschickter vor, lassen sich seltener erwischen und stehlen wertvollere Dinge.

Umfrage
Haben Sie auch schon im Laden geklaut?
32 %
4 %
57 %
7 %
Insgesamt 3251 Teilnehmer

Das deutsche Institut EHI hat in seiner aktuellen Studie zu «Inventurdifferenzen» die Situation in den deutschsprachigen Ländern analysiert. Obwohl nur zwei Händler aus der Schweiz mitmachten, seien die Befunde im Wesentlichen auch hierzulande gültig, sagt Studienautor Frank Horst zu 20 Minuten.

«Dramatische Zunahme»

Während die Zahl der einfachen Ladendiebstähle zurückgehe, hätten schwere Ladendiebstähle in den letzten Jahren «dramatisch zugenommen». Die Erfahrungen der Händler zeigten, dass Diebstähle immer häufiger in organisierter Form durchgeführt würden.

«Die Täter gehen oft in Gruppen mit gezielter Aufgabenverteilung vor. Das zu dokumentieren und Täter zu überführen, ist äusserst schwierig», heisst es im Bericht. In Deutschland falle wertmässig ein Viertel aller Ladendiebstähle auf Bandendiebstähle.

Läden ohne Überwachung

Diese Beobachtung macht auch Bruno Strebel, Geschäftsführer der Schweizer Akademie für Privatdetektive. Insbesondere Gruppen aus Rumänien und Bulgarien seien vermehrt unterwegs. Sie lenkten in Läden mit wenig Personal die Verkäufer ab und entwendeten etwa Parfum und Schmuck. Auch Glasvitrinen würden immer häufiger aufgebrochen. Kleider würden geklaut, indem bis zu zehn Stück in die Umkleidekabinen mitgenommen würden.

Strebel gibt den Geschäften eine Mitschuld. «Selbst an der Zürcher Bahnhofstrasse gibt es Läden, die sich weder Detektiv noch Videoüberwachung leisten», sagt er. Das spreche sich herum. Zwar sei festzustellen, dass Geschäfte etwas häufiger Detektive einsetzten als früher. Es brauche aber mehr Personal, als heute im Einsatz sei.

«Diebstahl nimmt zu»

Die Berner Warenhausgruppe Loeb bestätigt den Trend. «Auf dem Feld der Ladendiebe hält der bandenmässige Diebstahl durch professionelle Täter immer mehr Einzug», sagt Sprecherin Sara Reinke. «Wir denken, dass die Aktivitäten im Bereich des Ladendiebstahls allgemein zunehmen.»

Wie viel geklaut wird und wie hoch die Schadenssumme ist, kann nicht verlässlich festgestellt werden. Einerseits ist die Dunkelziffer hoch. Nur ein verschwindend geringer Teil der Ladendiebstähle wird festgestellt und angezeigt. Zudem fliessen nicht alle Anzeigen in die Statistik ein, da viele Kantone bei geringfügigen Delikten ein abgekürztes Verfahren kennen.

Lebensmittel, Körperpflege, Alkohol

Die Händler halten sich bedeckt. Bei Coop heisst es, die Lage sei «grundsätzlich unverändert». Gute Schulung des Personals, Videoüberwachung und Detektive seien wichtig. Ähnlich tönt es bei Manor. Die Migros äussert sich nicht zum Thema.

Rahel Egli von der Stadtpolizei Winterthur sagt, gesamtschweizerisch könne festgestellt werden, dass auf Alkoholika und Multimediageräte fokussierte Banden unterwegs seien. «Sie arbeiten effizient und schnell.» Ähnliches sei auch in Winterthur zu beobachten.

Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, sagt, bandenmässiger Diebstahl existiere zwar. Einen eigentlichen Trend gebe es aber nicht. Am häufigsten würden Lebensmittel entwendet, danach folgten Körperpflege-Artikel, Alkohol, Kleider und Elektronik. Jeden Tag werden in Zürich durchschnittlich vier bis fünf Ladendiebstähle registriert.


Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pegasus77 am 04.07.2017 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soll ich mal schätzen.....,

    einen Teil des Problems haben wir importiert.

    einklappen einklappen
  • Amani.92 am 04.07.2017 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke EU

    Schengenabkommen sei dank. Die Schweiz , der Selbstbedienungsladen.

    einklappen einklappen
  • Denkpause am 04.07.2017 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn etwas ...

    ... in diesen südosteuropäischen Länder gut funktioniert, dann ist es die organisierte Kriminalität. Ist das ein Vorurteil? Sie sorgen jedenfalls selber erfolgreich für diesen Ruf.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • und kein Rabatt gewähren am 04.07.2017 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch denken

    Ich renne schliesslich auch lieber hinter einem teuren Taxi her um mehr Geld zu sparen als hinter einem Fiat 500. Unsere Diebstahlgäste klauen auch lieber in der Schweiz als z. B. in Deutschland oder Italien, weil bei uns die gestohlene Ware ja auch wesentlich mehr wert hat....... oder etwa nicht?

  • unseren Dieben dankbar sein am 04.07.2017 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht wettern

    Ich kaufe vorwiegen im Ausland ein, weil ich mit den Hochpreisen in der Schweiz den Diebstahl für Ausländer nicht noch unterstützen möchte. Die Laden- Diebstahlversicherungen in der Schweiz sind so gut und zahlungswillig, dass die anständigen Ladendiebe darum aus dem Ausland organisiert zu uns kommen, um keine Ladenbesitzer zu schädigen. Seien wir also den Dieben dankbar dafür, so bleiben die Preise weiterhin über der Grenze günstig bis billig für uns.

  • Georg V. am 04.07.2017 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Jetzt kann sich jeder ein Bild machen, was die Zukunft bringt!

  • Lillibeth am 04.07.2017 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schein einige male

    habe ich beim Einkaufen bemerkt, dass es an einigen Punkten ziemlich leicht ist, etwas einzustecken. Ich bin so erzogen worden, dass man das nicht macht. Dann: das 7. Gebot: Du sollst nicht stehlen.

  • Roger B am 04.07.2017 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nie mehr...

    Diese Gauner haben ja bei uns nichts zu befürchten. Unser Täterschutz schützt sie perfekt. Als normaler, unbescholtener Bürger habe ich etwas heftig zugepackt, um einen sich mit Händen und Füssen wehrenden Ladendieb festzuhalten. Das Resultat waren ein paar Bobos. Der Kerl verklagte mich wegen Körperverletzung infolge übertriebener Gewaltanwendung. Mit knapper Not und Ermahnungen des Richters im Sonntagschulton entging ich einer Bestrafung. Personen in Bedrängnis würde ich weiterhin helfen. Aber für Sachwerte keinen Finger mehr krumm machen.