Personenfreizügigkeit

27. April 2012 14:16; Akt: 27.04.2012 15:32 Print

Jeder vierte Betrieb betreibt Lohndumping

Trotz intensiver Kontrollen geht das Lohndumping in der Schweiz nur leicht zurück. Die Gewerkschaften sind alarmiert und fordern, die Kontrollen den Einwanderungszahlen anzupassen.

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«Tiefere Zahlen als im Vorjahr», Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft. (Bild: Keystone)

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Jeder dritte ausländische Betrieb und jeder vierte Schweizer Arbeitgeber betreibt Lohndumping. Die Resultate aus dem Bericht zu den flankierenden Massnahmen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigen, dass trotz Kontrollen gegen Mindestlohnvorschriften verstossen wird.

Gut jeder dritte Entsendebetrieb, also ausländische Unternehmer, der in der Schweiz Aufträge erledigt, hat im Jahr 2011 vermutlich gegen gesamtarbeitsvertraglich geregelte Mindestlohnvorschriften verstossen. Schweizer Unternehmen kommen nicht viel besser weg: Jedes vierte hält die Mindestlöhne vermutlich nicht ein.

«Diese Zahlen sind deutlich tiefer als im Vorjahr», sagte Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco am Freitag bei der Präsentation des Berichts über die Umsetzung der flankierenden Massnahmen im Jahr 2011.

Vordergründig ist vor allem bei Schweizer Arbeitgebern die Zahl der vermuteten Verstösse deutlich von 41 auf 26 Prozent gesunken. Allerdings ist diese Zahl dem Gastgewerbe zu verdanken, wo im Jahr 2011 Arbeitsmarktkontrolleure der paritätischen Kommissionen eine Verstossquote von lediglich 2,7 Prozent festgestellt haben. Im Vorjahr standen für diese Branche keine Zahlen zur Verfügung.

Im Bericht werden Verstösse aufgeführt, die bei der Kontrolle «vermutet» werden - also nicht rechtskräftig sanktionierte Verstösse. Nur etwa jeder dritte dieser vermuteten Missbrauchsfälle wird den Kantonen zur Sanktionierung weitergeleitet. Dies, weil geringfügige Verstösse oft sofort erledigt und entschädigt werden oder auch, weil sie sich zum Teil als falsch herausstellen.

Dreckige Reinigungsbranche

Alles andere als sauber sind die Löhne bei in- und ausländischen Reinigungsunternehmen, wo in zwei Dritteln der Fälle Lohndumping vermutet wird und damit ein Verstoss gegen den allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsvertrag (GAV).

In der Überwachungs- und Sicherungsbranche lag die vermutete Missbrauchsquote bei 55 Prozent. Die Schweizer Arbeitgeber betrieben hier noch häufiger Lohndumping: Die Kontrolleure vermuteten in 64 Prozent der Fälle Lohnmissbrauch. Auch die Gartenbaubranche und der Handel kommen nicht gut weg.

Mehr Lohndumping ohne verbindlichen GAV

In Branchen ohne allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsvertrag (GAV) haben die Kontrolleure - hier die tripartiten Kommissionen der Kantone - eine zunehmende Zahl von Lohndumpingfällen verzeichnet. Insgesamt vermuteten sie bei 14 Prozent ihrer Kontrollen Verstösse bei ausländischen Unternhemern und eine Zunahme von vermutetem Lohndumping von 6 auf 9 Prozent bei Schweizer Unternehmen.

Das SECO führt diese Zahlen nicht generell auf tiefere Löhne zurück, sondern auch auf die Fokusbranchen, die verstärkt kontrolliert wurden.

Weniger Kontrollen

Im vergangenen Jahr wurden 140 000 Personen und 38 000 in- und ausländische Betriebe im Rahmen der flankierenden Massnahmen kontrolliert - das waren ungefähr 1200 Betriebe weniger als im Vorjahr. Dies trotz einer Rekordzahl von rund 180 000 (plus 22 Prozent) meldepflichtigen Kurzaufenthaltern, die auf dem Schweizer Arbeitsmarkt Aufträge erledigten.

Die Gewerkschaften kritisieren den Rückgang der Anzahl Kontrollen. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB sprach in einer Mitteilung von einem «besorgniserregenden Bild». Zudem sei in den besonders sensiblen Branchen mehr Lohndumping aufgedeckt worden. Er fordert daher die Einführung von Mindestlöhnen und aufgrund der Einwanderungszahlen mehr Kontrollen.

Für die Unia sind ist der Rückgang an Kontrollen darauf zurückzuführen, dass der Bund die Mittel für die Kontrollen plafoniert hat. Auch sie fordert mehr Kontrollen - aber auch die Einführung einer Solidarhaftung, wie sie derzeit von den vorberatenden Kommissionen der eidg. Räte diskutiert wird.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Mayer am 27.04.2012 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Konsumenten wollen billig!

    Die Konsumenten wollen alles möglichst billig. Wie soll da ein Betrieb mit im Verhältnis hohem Personalaufwand (z.B. Gastronomie, Dienstleistungen etc.) hohe Löhne zahlen können? Leider ist man heute nur noch mit billigen Preisen konkurrenzfähig, wenn man die Arbeitnehmer im Lohn drückt. Sonst könnten viele den Laden gleich dicht machen. Viele Konsumenten haben es leider noch nicht verstanden, dass auch der eigene Lohn unter Druck gerät, wenn man immer nur billig möchte.

  • Mike am 27.04.2012 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Schmerzgrenze?

    Die Löhne steigen bei den meisten nicht wirklich, aber fast alles sonst steigt! Wo ist die Schmerzgrenze bevor das Volk aufsteht? Soziale Sicherheit - ist auch Sicherheit für das Kapital! oder wir können wieder anfangen Siedlungen für Reiche zu bauen mit hohen Türmen und Befestigungen! Wäre auch Sicherheit!

  • Chef am 27.04.2012 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Arbeiter müssen und sollen billig sein, schliesslich muss der Arbeitgeber überleben! Lohndaumping ist wohl das falsche Wort, Lohnsicherheit wäre treffender.

    • Sufflavus am 27.04.2012 18:00 Report Diesen Beitrag melden

      Überleg mal..

      Genau diese billigen Arbeiter sollen dann wiederum alle deine teuren Produkte kaufen. Nur leider kann dies auf Dauer nicht funktionieren. Ich habe gern einen sicheren Lohn, jedoch muss dieser angemessen sein und nicht einfach der billigste kriegt den Job!

    • T.Luethi am 27.04.2012 18:08 Report Diesen Beitrag melden

      Solche Unternehmer braucht niemand!

      Ja "Chef"! Aber dann muss "Chef" sich nicht wundern wenn die billigen Arbeiter auch entsprechend billige Arbeit liefern... Bleibt dann nur noch die Frage zu klären, wie die armen Arbeitgeber das wohl mittel- bis langfristig überleben werden... Alles klar "Chef"?!

    einklappen einklappen
  • Andreas Gehrig am 27.04.2012 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ökonomische Konsquenz aus der Öffnung

    Man sollte mal so ehrlich sein, und die Hochpreisinsel Schweiz in Frage stellen. Es ist kein Dumping, wir sind viel zu teuer. Die anderen bieten auch Qualität, wir müssen mal endlich vom hohen Ross runter kommen. Dass die Lohnanpassung nach unten kommen wird, ist klar. Leider wirds primär die tiefen Löhne betrefen, dort wo man wirklich kürzen müsste, belohnen sich die Leute gegenseitig in der Teppichetage. Einsicht und Fairness kann man von diesen Leuten nicht erwarten, man muss es ihnen wieder mit Steuern wegnehmen. Schade, besser wäre es, wenn sie nur das bekämen was sie wirklich verdienen.

  • Peschä am 27.04.2012 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld!

    Das Volk ist selber schuld, dass es den Politikern geglaubt hat, die versprochen haben, es werde kein Lohndumping geben.

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