Drogenlegalisierung

05. September 2017 21:11; Akt: 05.09.2017 21:11 Print

«Beim Kokain-Konsum hat Moral nichts verloren»

Was für Folgen hätte eine Legalisierung von Kokain? Toni Berthel, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen, nimmt Stellung.

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Herr Berthel, Bundesratskandidat Ignazio Cassis will den Zugang zu Kokain vereinfachen. Was halten Sie davon?
Ignazio Cassis spricht ja nicht von einer vollständigen Legalisierung, sondern von einer Regulierung. Das ist ein grosser Unterschied. Würde Kokain unter speziellen Bedingungen freigegeben, kann das durchaus Sinn machen. Wir könnten den Schwarzmarkt austrocknen und so das Elend und Leid beenden, das unkontrollierter Kokainkonsum und vor allem der Handel zur Folge haben können.

Unter welchen Bedingungen sollte Kokain denn freigegeben werden?
Suchtkranke haben ein Anrecht auf eine adäquate Behandlung. Die ärztliche Verschreibung von Heroin ist zum Beispiel eine gute therapeutische Option. Das könnte man sich auch bei Kokain überlegen.

Der Konsum von Kokain aber sollte weiter unter Strafe stehen?
Nein, grundsätzlich sollte man Menschen nicht für den Konsum einer Substanz bestrafen, wenn dabei anderen Menschen kein Schaden zugefügt wird. Der Konsum liegt in der Selbstverantwortung eines jeden Bürgers. Moral hat hier nichts verloren. Der Konsum muss entkriminalisiert werden, wie das bei Tabak oder Alkohol ja bereits der Fall ist und hoffentlich auch bald bei Cannabis.

Aber ist denn Kokain nicht eine gefährlichere Droge als Cannabis?
Die Gefahr, die von Kokain bei seltenem Konsum ausgeht, ist sehr beschränkt. Viele erleben den Konsum als positiv, die Konsumenten fühlen sich als Siebesieche, sie sind voller Energie. Es gibt aber auch Menschen, die sehr sensibel reagieren und aggressiv werden. Ab einer gewissen Dosis kann der Konsum zu Paranoia führen. Der Konsument fühlt sich beobachtet und verfolgt.

Wie gross ist die Suchtgefahr?
Nach einmaligem Konsum gibt es keine körperliche Abhängigkeit. Ob man abhängig wird oder nicht, hat sehr viel mit einem selbst zu tun. Hat man etwa ein schlechtes Selbstwertgefühl, dann ist die Gefahr, die seelische Befindlichkeit regelmässig durch Kokain zu verbessern, grösser.

Sie finden, der Kokainkonsum soll toleriert werden. Was ist mit dem Kokainhandel?
Ein Kokaindealer verursacht offensichtlich Leid und Elend. Für diese Konsequenzen soll er geradestehen und bestraft werden. Kokain soll nur unter bestimmten Bedingungen verkauft werden dürfen. Was das genau für Bedingungen wären, müsste noch definiert werden. Für Anbau, Verarbeitung und den Handel müssten konkrete Regulierungsmassnahmen geprüft werden.

Kritiker glauben, dass die Schweiz zum Drogensumpf werden könnte, wenn der Zugang zu Kokain erleichtert würde.
Das halte ich für unwahrscheinlich. Regulierungsmodelle in den USA und in Portugal haben gezeigt, dass dieses Szenario nicht eintritt. So hat denn auch in der Schweiz seit Einführung der Heroinverschreibung an Suchtkranke der Heroinkonsum nicht zugenommen.

(dp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jack van Law am 05.09.2017 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grundlage entziehen

    Wo er recht hat hat er recht. Einen Mafiösen Markt kann man nur bekämpfen in dem man ihm die Grundlage entzieht.

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  • Jochum am 06.09.2017 00:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mal jemand

    Der es auch für all die abergläubischen Anti-Drogen fanatisten sachlich erklärt. Sie sind zwar immernoch dagegen das ganze zu regulieren/legalisieren wie es in den USA und auch in portugal der fall ist, aber immerhin können wir die logik auf unserer seite wissen.

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  • Otoje am 05.09.2017 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer das gleiche thema..

    Herr Berthel hat recht: wieso bestraft man leute die sich selbst schaden zufügen? Leute die selber betäubungsmittel nehmen sind für ihre verantwortung der Gesundheit allein verantwortlich.. Legalisiert zuerst Cannabis eine Pflanze die auf unserem Planeten natürlich wächst, wäre ein anfang! Alle die eine sucht haben tun nur sich selbst weh und schlecht aber keinen 2. oder 3. personen! kaffe macht süchtig genau so, sex, filme, zucker, sport etc. jeder überkonsum ist schlecht für unseren Körper, wir leben im 21. jahrhundert hört endlich auf so spiessig zu sein unsere forschung ist weit genug und legt klare fakten von vorteil nachteil etc., dann kann jeder selber entscheiden wie oder was er tut..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ronald Lack am 07.09.2017 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Selber zahlen

    Legalisiert es jeder soll es paffen, doch sollen die Krankenkassen nichts an einen Süchtigen zahlen. Jeder der konsumiert soll auch dafür bezahlen.

  • Stüdi am 07.09.2017 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverantwortung? Nur wenn selbst bezahlt

    Nur will ich mit meinen Krankenkassengebühren und meinen Steuern und IV Abzügen nichts, aner auch gar nichts daran bezahlen.

    • Tschipo am 07.09.2017 10:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Stüdi

      Habt ihr echt das Gefühl, dass sich das ändern würde? Schlussendlich konsumieren auch heute viele Leute in der Schweiz Kokain und hast du das Gefühl, du merkst das jetzt in deiner KK-Rechnung? Da ändert sich genau gar nix! Es geht ja nur um die Regulierung und das Nicht-Bestrafen von Konsum, was nichts mit Legalisierung zu tun hat und zudem erhöht sich aufgrund dem sicherlich nicht das Konsumverhalten. Wer heute schon viel schnupft, wird es dann immernoch tun.

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  • Stavi am 07.09.2017 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Illegal ist Schnee von gestern

    Als Arbeitgeber würde es mich freuen, wenn die Angestellten sich in der Pause (immer öfter...) eine Linie reinziehen. Wenn Sie dann physisch und psychisch am Ende sind, freut es auch die Arbeitslosenkasse. Und die Krankenkasse. Die anderen zahlen dann für diese Mitbürger.

  • Wörni am 06.09.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die SUVA zu diesem Thema

    Wo ist eigentlich die SUVA Luzern bei diesen Fragen. Auf dem Bau ist es verboten, Drogen zu konsumieren. Mitarbeiter können fristlos entlassen werden. Wenn der Kandidat aus dem Tessin gewisse Drogen legalisieren will, hoffe ich sehr, dass er nicht Bundesrat wird. Sind wir im falschen Film??

    • Banane am 07.09.2017 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wörni

      Auf dem Bau ist auch Alkohol verboten. Ich hoffe schwer, dass nicht jeder betrunken auf der Arbeit auftaucht, da Alkohol legal ist....

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  • Denkfehler am 06.09.2017 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine nicht plausible Erklärung

    Man könne das Elend lindern durch Regulierung sprich Legalisierung meint Chassis... Ach nee, als wenn es dem zugedröhnten Körper eine Rolle spielt, legal nicht legal. Einzig der Konsument kommt leichter zur Droge. Eigentlich nur eine Entlastung für sein Portemonnaie. Er kann so für dasselbe Geld die doppelte oder 3-fache Menge beziehen. Und was leichter zu beschaffen ist wird auch beschafft. Es ist wie beim (legalen) Alkohol, sogar Schulkinder kommen daran, weil es so leicht erhältlich ist.

    • Denkfehler Herr Denkfehler am 07.09.2017 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Denkfehler

      Dir würde ein bisschen logisches Denken gut tun. Legale Drogen sind IMMER teurer als illegale. Zudem siehst du alle positiven Effekte des llegalen Drogenhandels nicht. Die Mordrate in Süd- und Zentralamerika ist nur so gross, da wir hier mit unserer veralteten Drogenpolitik weitermachen. Legaler Drogenhandel, heisst weniger Steuern, etc.

    • Ganjaman am 07.09.2017 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Denkfehler

      Cannabis z.B. Gab schon von x jahren schon in Mittelalter benutze man Cannabis als Heilpflanzze. Medikamenten sind auch Drogen nur das sie wissen Herr Denkfehler! Drogen verändern whrnehmung oder verändern Mechanismen der Körper. Es kan sowohl positiv und oder negativ sein. Mehr gibt es auch nicht zu sagen.

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