Nationalrat

15. Dezember 2010 22:57; Akt: 16.12.2010 00:46 Print

Jetzt ist die Beschneidung dran

von Désirée Pomper - Der Nationalrat entscheidet über den Gesetzesartikel gegen Genitalverstümmelung. Dieser reiche nicht, sagen Parlamentarier und fordern die Aufhebung des Arztgeheimnisses.

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Vor über fünf Jahren reichte SP-Nationalrätin Maria Roth-BernasconiMaria
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einen Vorstoss für ein Verbot sexueller Verstümmelung ein. Heute wird der Nationalrat den entsprechenden Gesetzesartikel «mit grösster Wahrscheinlichkeit» annehmen – darüber sind sich die Parlamentarier einig. Die Beschneidung von Frauen und Mädchen soll mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren bestraft werden – egal, ob sie im Inland oder im Ausland geschieht.

«Es ist höchste Zeit, dass die Schweiz das Gesetz annimmt», sagt Luca Cirigliano von der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen EKKJ. Mit dem anhaltenden Migrationsstrom aus Somalia, Äthiopien und Eritrea verschärfe sich die Situation. Bis zu 7000 Mädchen und Frauen sind in der Schweiz von Genitalverstümmelung betroffen. «Sexuelle Verstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung, die gravierende physische und psychische Folgen hat», so die Präsidentin der nationalrätlichen Rechtskommission, Anita Thanei. Vom neuen Gesetzesartikel erhofft sie sich «eine wichtige Signalwirkung nach aussen». Allerdings seien auch Aufklärungskampagnen bei Migranten unabdingbar. Andrea Geissbühler (SVP), Sprecherin der nationalrätlichen Rechtskommission Andrea, geht noch einen Schritt weiter: «Es wäre sinnvoll, wenn Ärzte, Psychologen oder Lehrer im Falle einer Genitalverstümmelung vom Amtsgeheimnis entbunden würden.» Sollte das neue Gesetz nicht den erwarteten Erfolg mit sich bringen, will Geissbühler einen entsprechenden Vorstoss einreichen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • G.Kreutzer am 17.12.2010 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichsetzung = Verharmlosung

    Die Beschneidung bei Knaben kann nicht mit derjenigen bei Mädchen gleichsetzt werden, denn einer Klitoridektomie (Totalentfernung der Klitoris) entspräche das Abschneiden der gesamten Eichel, nicht bloss der Vorhaut. Diese Gleichmachung verharmlost folglich die "Beschneidung" bei Mädchen, denn mit einer entfernten Vorhaut kann mann immer noch sexuell weitgehend normal empfinden, mit einer total ausgeschnittenen Klitoris dagegen empfindet frau nichts mehr.

    • David C. am 17.12.2010 13:35 Report Diesen Beitrag melden

      Gegen die Integrität von Kindern!

      Lieber G.Kreutzer, es stellt sich hier nicht die Frage der Gleichmachung und was ein Mensch, dessen Genitalien im Kindesalter verstümmelt wurden, im später empfinden kann und wie komplex er verstümmelt wurde. Die Frage ist doch: Ist es rechtens, dass Kinder im noch nicht urteilsfähigen Alter, ohne ihre ausdrückliche Einwilligung, überhaupt an ihren Geschlechtsteilen verstümmelt werden. Niemandem würde ein Gegenvorschlag der Politik oder ein teilweises Akzeptieren krimineller Eingriffe helfen ausser den Tätern und die sind endlich zu bestrafen.

    • Bea am 17.12.2010 13:54 Report Diesen Beitrag melden

      Verharmlosung? Im Gegenteil!

      Bestimmt will keiner hier die Verstümmelung an Mädchen verharmlosen, das ist reine Unterstellung. Es geht lediglich um den Schutz aller Kinder und um das Recht jedes einzelnen zur Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Mich entsetzt schon, dass es dagegen noch spezielle Gesetze braucht, handelt es sich doch um Körperverletzung und Missbrauch an Kindern, die sich übrigens gegen Beschneidung nicht wehren können. Wir streben in der Schweiz Gleichberechtigung unter den Geschlechtern an, soll das für Kinder ihrer Meinung nach nicht gelten?

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  • Menschgemachter Wahnsinn am 17.12.2010 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Religion und Genitalien?

    Wenn Religionen sich anmassen an den Genitalien von Kindern herum zu pfuschen ist dies kriminell, gleich ob weiblich oder männlich. Insbesondere wird an Genitalien von Menschen herum gepfuscht, die selbst noch nicht urteilsfähig sind. Für mich ist deshalb Genitalverstümmelung mit Vergewaltigung von Kindern gleich zu setzen. Religion ist immer von Menschen gemacht, für Geld, Macht und Unterdrückung. Noch keine Religion hat ihre eigenen Moral- und Ethik-Forderungen an ihr Fussvolk langfristig selbst befolgt, wie auch die nahe Vergangenheit eindrücklich aufgezeigt hat.

  • Hanspeter Niederer am 17.12.2010 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    gravierender Unterschied

    Alle diejenien, die die Beschneidung von Jungen mit der Beschneidung von Mädchen gleichsetzen, sollten sich besser heute als morgen über die gravierenden Unterschiede informieren.

    • Bea am 17.12.2010 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      Gleichberechtigung der Geschlechter

      Der Unterschied des Eingriffes und der Folgen daraus ist wohl den Meisten durchaus bekannt und doch ist es das Gleiche. Die Kinder werden fremdbestimmt und das ist das Problem an sich und sie können sich dagegen nicht wehren. Kaum ein Kind, ob Bub oder Mädel, würde wohl nach Hause kommen und die Eltern fragen, ob es eine Beschneidung haben könne, ausser natürlich, man trichtert es ihm vorher intensiv ein. Man kann nicht leugnen, dass Beschneidungen körperliche Übergriffe sind, die aufgezwungen werden. Und, Gleichberechtigung unter den Geschlechtern sollte schon auf beiden Seiten wahrgenommen werden.

    • Jurist am 17.12.2010 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      Von Moral zu Moral verschieden?

      Am Grundrecht auf persönliche Itegrität von Kindern im nicht urteilsfähigen Alter lässt sich nicht rütteln, ob Männlein oder Weiblein. Jeder Versuch dem Grundrecht Ausnahmen zu verpassen finde ich absolut pervers. Ich hoffe dass Sie meinem Gedanken folgen können, besser heute als morgen.

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  • Bea am 17.12.2010 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Körperverletzung=religiöse Werte!?

    In einem Rechtsstaat wird normalerweise Körperverletzung bestraft, warum braucht es also neue Gesetze? Schläft unsere Justiz so tief? Es müssten hier eigentlich alle, die mit Beschneidungen an Kindern zu tun haben, seit jeher hart bestraft werden - Eltern und Beschneider gleichermassen. Bei Knaben ist es auch Körperverletzung, kulturelles oder religiöses Denken hin oder her. Mütter die das zulassen sind absolut gewissenlos!

  • Solferino Lombardi am 17.12.2010 00:36 Report Diesen Beitrag melden

    Leere Gesetzes-Hülse

    Das Gesetz wird ein leere Hülse bleiben, weil es zwei Dinge nicht beachtet: 1.) Es ist sexistisch, weil es nur die Verstümmelung des weiblichen Genitals bestraft, nicht auch des männlichen Genitals. 2.) Wenn ein Mädchen beschnitten sein möchte, weil sie das schön findet, und sie sich selbst beschneidet, oder sich beschneiden lässt, macht sie sich strafbar. Ebenso der Arzt, wenn er ihr diesen Wunsch erfüllt und dies nicht meldet.

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