Bussen gefordert

04. September 2017 05:58; Akt: 04.09.2017 19:06 Print

SBB soll Sitzplatz-Blockierer härter anpacken

von B. Zanni - Mit Gepäck versperrte Plätze in Zügen strapazieren die Nerven der Pendler. Pro Bahn fordert strengere Kontrollen oder sogar Bussen.

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Die S-Bahn morgens um 7 Uhr Richtung Zürich ist vollbesetzt. In einem Viererabteil jedoch belegt eine wuchtige Reisetasche samt Trekking-Rucksack zwei benachbarte Sitze. Ob er etwas Platz machen könne, fragt ein älterer Herr den jungen Mann höflich, der vis-à-vis seinem Gepäck sitzt. Dieser schnauzt ihn an: «Soll ich mein Gepäck etwa in die Hosentasche nehmen?» Auch als er ihm vorschlägt, es unter dem Sitz zu verstauen, zeigt sich der Sitzplatz-Blockierer nicht kooperativ. Genervt verbringt der ältere Herr den Rest der Zugfahrt stehend.

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Wie soll die SBB mit Passagieren umgehen, die freie Sitzplätze mit Gepäck belegen?
37 %
34 %
20 %
9 %
Insgesamt 14528 Teilnehmer

Solche Fälle wie in der S16 kürzlich kommen immer wieder vor. «Konflikte wegen Passagieren, die Plätze mit Gepäck versperren, sind in den Zügen ein Dauerbrenner», sagt Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn Schweiz, der Interessengemeinschaft der ÖV-Kunden.

«Genervte Reaktionen nicht mehr ausgehalten»

Um einen authentischen Eindruck zu erhalten, machte Blättler kürzlich einen Selbstversuch. Sie hatte sich vorgenommen, einen Monat konsequent auf Sitzplätzen zu bestehen, die mit Taschen oder sonstigem Gepäck belegt waren. «Nach kurzer Zeit brach ich mein Experiment ab. Ich hielt diese oftmals genervten Reaktionen der Sitzplatz-Blockierer nicht mehr aus.»

Oft hätten sie ihre Taschen schnippisch bis gereizt entfernt. «Waren sie zu zweit unterwegs, tuschelten sie über mich, spätestens, wenn ich ausstieg.» Es gebe auch Passagiere, die ganze Viererabteile blockierten. «Sie richten sich dort ein, als wären sie in ihrem Zimmer.» Diese Reisenden sässen auf den äussersten Plätzen nahe beim Gang, versperrten sämtliche Sitze mit Gepäck und verhängten die Haken mit Mänteln und Kleidern.

Passagiere müssten stehen

Blättler stört sich auch an der «weit verbreiteten Unmode», die Sitze mit Taschen zu versperren und sich vorzunehmen, erst Platz zu machen, wenn jemand um einen freien Sitz bittet. «Dadurch nehmen viele Leute lieber eine kurze Fahrt im Stehen als Augenrollen und dumme Bemerkungen in Kauf.»

Sie fordert, dass die Billettkontrolleure und das Security-Personal Sitzplatz-Blockierer härter anpacken. «Sie müssen mehr kontrollieren und die Blockierer konsequent darauf hinweisen, dass Gepäck- und Kleidungsstücke auf freien Sitzen nichts verloren haben.» Auch sollten regelmässige Zugdurchsagen die Passagiere darauf aufmerksam machen.«Fruchten diese Massnahmen nicht, müsste man wohl oder übel über Bussen diskutieren.» Gleichzeitig ruft sie die Passagiere zur gegenseitigen Rücksichtnahme auf: «Denn es ist ein No-go, Plätze zu belegen, für die man kein Billett bezahlt.»

«Zugbegleiter handeln mit Augenmass»

Die Benutzerordnung der SBB bittet die Passagiere, pro Person nur einen Sitzplatz zu belegen. Verstösse könnten zu Transportausschluss, Schadenersatzforderung, Erhebung von Zuschlägen und Strafverfolgung führen. Die Tarifverordnung der ÖV-Branche hält fest, dass Reisende für jeden Sitz, den sie mit Handgepäck belegen, ein gewöhnliches Billett zum halben Preis zu lösen haben.

Härter durchgreifen will die SBB nicht. «Unsere Zugbegleiter handeln bei Passagieren mit Augenmass», sagt SBB-Mediensprecher Stephan Wehrle. Diese Praxis bewähre sich. Beharrten Passagiere aber etwa in einem vollbesetzten Zug auf einem mit Gepäck belegten Sitzplatz, werde ein halbes Billett verrechnet. «In wenigen Fällen müssen wir eingreifen und ein Billett verlangen.» Wehrle appelliert an den gesunden Menschenverstand der Passagiere. «Zu 95 Prozent nehmen Fahrgäste ihre Tasche ja weg, wenn man höflich nach dem Sitzplatz fragt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lina am 04.09.2017 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Platz für Gepäck schaffen

    Was wenn es einfach keine Alternative für das Gepäck gibt? Hab auch schon erlebt dass alle für die Gepäckstücke Plätze besetzt waren. Wo soll Passagier sein Gepäck unterbringen?

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  • Fabi am 04.09.2017 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    braucht es im Vorschriften und Bussen? kann man nicht einfach mehr miteinander reden?

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  • Max Bodmer am 04.09.2017 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gepäckregale

    Klar ist das Blockieren der Sitze mit Gepäck nicht gut. Wenn aber jemand mit einem Gepäckstück reist und es in das Gepäckfach (sofern überhaupt vorhanden) stellt, riskiert man, dass es gestohlen wird. Ich nehme mein Gepäck auch zu mir, wo ich die Kontrolle habe darüber. Diese Gepäckfächer sind der reinste Selbstbedienungsladen für Langfinger! Kommt täglich vor. Insbesondere auf Intercity Zügen zB. Visp - Bern - Zürich oder Landquart - Zürich! So ist es leider. Hopp Visp!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Studentin am 05.09.2017 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Belästigung im Tram/ZUG

    Ich lege auch immer eine Tasche auf den Sitz neben mir. Und nicht weil ich jemanden den Platz wegnehmen möchte sondern weil manche Männer diese Gelegenheit nützen, um Frauen zu belästigen! Eine Busse wäre daher nicht sinnvoll.

  • Nicolas am 05.09.2017 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Eigentlich bin ich gegen Bussen. Leider klappt heute Vieles nicht mehr mit Anstand und Respekt gegenüber den Mitmenschen sondern nur noch finanziell über den Geldbeutel (sprich über Bussen). Sitze mit Gepäck belegen ist ein Paradebeispiel. Jeder ist sich selbst am nächsten und Rücksicht auf Andere ist ein Fremdwort. Ich hoffe, dass wir irgendwann vom Ego-Trip herunter kommen und uns gegenseitig wieder wertschätzen und auf andere Rücksicht nehmen.

  • Raffael Kuster am 05.09.2017 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bus ist schlimmer

    Ich habe nie Probleme mit Gepäck im Zug. Nett fragen ob ich sitzen darf hat bis jetzt immer ohne Probleme geklappt. Denke wie man in den Wald ruft, kommt's zurück. Im Bus habe ich da schon eher meine Mühe. Leute sitzen auf dem Sitz beim Gang, der Fensterplatz bleibt leer. Aufstehen und jemanden an den Fensterplatz lassen, kommt für viele nicht in Frage. Das nervt mich manchmal. Zähneknirschend bleibe ich halt stehen. Über jemanden klettern käme wohl nicht gut an.

  • Sonja am 05.09.2017 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Der Tag danach

    Schön war es gestern auf dem Nachhauseweg nach diesem Artikel: Alle brav die Tasche auf dem Schoss oder auf dem Boden, keine Gangplatzbesetzer, keine Dauer-Schnorrer... herrlich.... wie es wohl heute Dienstag werden wird?

  • arno am 05.09.2017 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind Anstand und Rücksicht geblieben.

    Das hat einzig allein mit Anstand zu tun, ich verlange ja nicht dass jemand für mich aufstehen muss, aber den Sitzplatz der mit Gepäck belegt ist frei gibt. Im Lötschberg hatte letzthin eine Dame ein vierer Abteil komplett mit Gepäck belegt und ist anschliessend in den Speisewagen verschwunden! Hätte ich die Gepäckstücke beiseite geräumt, hätte ich mich strafbar gemacht da ich an fremden Sachen nichts zu suchen habe. Anstand und Respekt gegenüber dem Mitreisenden, oder zusätzliche halbe Billette lösen für die zusätzlich beanspruchten Plätze, so wie es das Transportgesetz vorgibt.

    • Markus Wegmann am 05.09.2017 14:24 Report Diesen Beitrag melden

      Strafbar?

      und welcher Strafbestand wäre erfüllt? Wegplatzieren von Gepäck? Man kann auch übertreiben.

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