«In Würde sterben»

10. Juni 2012 14:26; Akt: 10.06.2012 14:27 Print

Sterbehilfe hält Einzug in die Altersheime

Die Sterbehilfeorganisationen Exit und Dignitas begleiten eine steigende Anzahl Altersheimbewohner in den Freitod. Dieser Trend ist nicht unumstritten. Indes wird Demenz zum immer grösseren Problem.

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Menschen im hohen Alter oder mit einer unheilbaren Krankheit stehen oft vor einer schweren Entscheidung.

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Die Anzahl Pflege- und Altersheime in der Schweiz, die den Sterbehilfeorganisationen Exit und Dignitas Zugang gewähren, steigt. «Wir schätzen, dass heute mehr als 50 Prozent der Heime in der Deutschschweiz den begleiteten Freitod gestatten», sagt Exit-Vizepräsident Bernhard Sutter zum «Sonntags Blick». «Vor fünf Jahren waren es erst 20 Prozent.»

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Soll Sterbehilfe in Pflege- und Altersheimen erlaubt sein?
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8 %
13 %
Insgesamt 701 Teilnehmer

Diverse Heime prüfen derzeit, ob sie ebenfalls nachziehen wollen. Viele sind durch die neuen Möglichkeiten unter Zugzwang. Doch das Klima wandelt sich. Hansruedi Moor, Leiter der Stiftung Alterszentrum Wengistein: «Wir haben immer wieder Anfragen, ob wir Sterbehilfeorganisationen
zulassen. Weil wir das nicht tun, haben sich schon manche gegen unser Heim entschieden.» Die Zahlen sprechen für sich: 2011 nutzten 27 Heimbewohner in der Deutschschweiz und dem Tessin die Dienste von Exit, in der Romandie waren es sieben.

Grund für die steigende Anzahl ist die Forderung der neuen Generation der Heimbewohner nach «einem höheren Mass an Selbstbestimmung», wie Marc Pfirter, Leiter des Regionalen Pflegezentrums in Baden feststellt. Zuvor hatten sterbewillige Patienten in ein Hotel gehen müssen, um den Freitod auszuüben.

«Rechtsungleichheit muss beseitigt werden»

Laut Beat Demarmels, Leiter Heime und Alterssiedlungen Luzern eine unmögliche Situation. «Es wäre unwürdig, die Menschen, die hier ihr letztes Zuhause gefunden haben, zum Sterben in ein Hotel zu schicken.» Für ihn sind die Heime in einem Gewissenskonflikt: «Auf der einen Seite haben wir einen Pflegeauftrag, auf der anderen wollen wir ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen.»

Auch der Dachverband Curaviva Schweiz ist für die Sterbehilfe in den Heimen: «Es darf nicht sein, dass es nur älteren Menschen, die nicht im Heim leben, offensteht, den Dienst einer Sterbehilfeorganisation in Anspruch zu nehmen. Diese Rechtsungleichheit muss beseitigt werden.»

Zwei Drittel der Altersheimbewohner sind dement

Derweil beschäftigt ein weiteres Problem die Alterspflege. Zwei Drittel der Bewohner von Schweizer Alters- und Pflegeheimen sind im Denkvermögen so beeinträchtigt, dass man von Demenz reden muss. Dies belegt eine noch unveröffentlichte repräsentative Studie im Auftrag der Alzheimervereinigung Schweiz (ALZ), die der «SonntagsZeitung» vorliegt.

Demnach wurden 64,5 Prozent der untersuchten 26 000 Bewohner aus knapp 400 Heimen mit Demenz diagnostiziert. Und die Situation wird sich verschärfen: «Die Zahl der Demenzkranken wird weiter zunehmen», sagt Birgitta Martensson, Geschäftsleiterin der Schweizerischen Alzheimervereinigung. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl der Dementen in der Schweiz verdreifachen.

(aeg)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Demenzkranke haben oft eine reiche Gefühlswelt und können durchaus zufrieden leben, wenn ihr Umfeld stimmt. Meine Mutter hatte sich vor vielen Jahren bei Exit angemeldet, weil sie Angst vor Schmerz und/oder Demenz im Alter hatte. Heute ist sie 82 und schon ziemlich dement, aber Selbstmord und Exit waren nie mehr Thema, weil es eben noch andere Ebenen gibt, die das Leben lebenswert machen! Das zeigt doch, dass Entscheidungen, die man als Gesunde/r macht, nicht mehr unbedingt zutreffen müssen wenns dann soweit ist. – Josie

Ich will als Pflegefachfrau Menschen in schwierigen Situationen betreuen, begleiten und professionell pflegen, mit allen Aspekten, die dieser Beruf mit sich bringt. Dazu gehört auch das Lindern von Leiden, das Verabreichen geeigneter Medikamente und das Erfüllen der Wünsche, die ein Patient auf dem letzten Teil seines Lebenswegs noch äussert. Aber dazu gehört nicht das Verabreichen tödlicher Substanzen. Das kann ich weder mit meinem Auftrag noch mit meinem Gewissen vereinbaren. – Pflegefachfrau

Es mag immer Einzelfälle geben wo die Sterbehilfe sinnvoll erscheint (Demenz ist ein schwammiger Begriff), aber es sollte nicht zum Normalfall werden. Es könnte ein gesellschaftlicher Druck entstehen, dass man sich ab einem gewissen Alter umzubringen hat, denn "man will ja niemandem auf der Tasche liegen". Pauschal allen Senioren solch eine schwere Entscheidung aufzubürden, empfinde ich als keinen grossen Gewinn an "Menschenwürde". – Felix D.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gerd am 11.06.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Das eigene Leben

    Es gibt nichts persönlicheres als das eigene Leben. Jeder sollte wenigstens darüber ganz alleine entscheiden dürfen.

  • Sabrina Salerna am 11.06.2012 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    grundsätzlich in ordnung...

    ich finde, dass das thema sterbehilfe zu fest polarisiert... wenn ein mensch nicht mehr leben will ist dies bestimmt die bessere methode als sich vor einen zug zu werfen oder von einer brücke zu stürzen wo dann andere auch involviert werden und alles mit ansehen müssen gegen ihren willen. wenn ich alt bin und krank werde oder weiss, dass ich unheilbar krank werde, würde ich sowas auch in betracht ziehen denn lieber für immer schlafen als jahre oder jahrzehnte leiden und dahin-seichen.... wer will, der soll ein solchen angebot in betracht ziehen! jedem das seine.

  • Silvana am 10.06.2012 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wähle den Freitod

    Und zwar so lange ich das noch selbst entscheiden kann. Mir gehts nicht darum, anderen auf der Tasche zu liegen, sondern darum, selbstbestimmt zu leben und zu sterben. Drum bin ich schon lange Exit-Mitglied. Ich geh noch weiter. Ich möchte in gar kein Altersheim. Da hab ich schon viel zu viele echt üble Sachen von Freunden gehört. Vorher nehm ich den Total-Ausgang. Und wenn Exit nicht helfen will, wenn es dann soweit ist, dann finden sich andere Wege. Auf keinen Fall werd ich irgendwelche Fremden in einem Heim über mich bestimmen lassen. Niemals!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudio am 14.06.2012 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbestimmung

    Wer nimmt sich das Recht zu entscheiden, was ein Mensch ertragen muss. Wenn ein stetiger Verfall von Körper und Geist, das Leben unwürdig sein lässt und die betroffene Person es selbst nicht weiterhin erträgt, ist es meiner Meinung nach ein Verbrechen den Wunsch der Betroffenen Person keine Beachtung zu schenken. Allerdings sollte es nicht ein Freifahrtschein für Lebensmüde sein.

  • hitsch am 11.06.2012 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sterben lassen?

    Einfach das Leben verlängern, mit allen möglichen Mitteln, oder das Sterben ermöglichen? Es ist immer schwierig zu entscheiden, vor allem für die Kinder, was noch gemacht werden soll oder muss. Wenn man "glauben kann" wievielen noch ein Herzschrittmacher etc eingesetzt wird die eigentlich sterben möchten ist das vermutlich falsch verstandene Hilfe.

  • Andreas Martin Waldmeier am 11.06.2012 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Egal wie....

    Sterbehilfe ist nur eine Geldmacherei, jedes Lebewesen hat eine innere Uhr und wen die abgelaufen ist dann ist das das Ende egal auf welche Art man abtreten muss das Leben ist geschenkt und nur das das es schenkte bestimmt die Dauer, das grosse Unbekannte.

  • Gerd am 11.06.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Das eigene Leben

    Es gibt nichts persönlicheres als das eigene Leben. Jeder sollte wenigstens darüber ganz alleine entscheiden dürfen.

  • Sabrina Salerna am 11.06.2012 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    grundsätzlich in ordnung...

    ich finde, dass das thema sterbehilfe zu fest polarisiert... wenn ein mensch nicht mehr leben will ist dies bestimmt die bessere methode als sich vor einen zug zu werfen oder von einer brücke zu stürzen wo dann andere auch involviert werden und alles mit ansehen müssen gegen ihren willen. wenn ich alt bin und krank werde oder weiss, dass ich unheilbar krank werde, würde ich sowas auch in betracht ziehen denn lieber für immer schlafen als jahre oder jahrzehnte leiden und dahin-seichen.... wer will, der soll ein solchen angebot in betracht ziehen! jedem das seine.

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