Namens-Streit

05. April 2017 05:48; Akt: 05.04.2017 05:48 Print

SVP kämpft gegen die «Vegi-Wurst»

von J. Büchi - Keine Fleischnamen für vegetarische Produkte: Das fordert die Fleischbranche. Nun bekommt sie Support aus Bundesbern.

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Der «Aufschnitt» schimmert zartrosa durch die Verpackung, die «Bratwurst» im Zweierpack kommt mit braunen Grillstreifen daher: Nicht nur in Farbe und Form sehen viele vegetarische Produkte ihren Pendants vom Tier zum Verwechseln ähnlich. Auch die Namensgebung orientiert sich stark am Original aus Fleisch.

Umfrage
Darf ein Vegi-Schnitzel «Schnitzel» heissen?
27 %
20 %
53 %
Insgesamt 8588 Teilnehmer

Geht es nach dem Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF), soll damit Schluss sein. «Im Sinne der individuellen Wahlfreiheit haben wir nichts gegen vegetarische oder vegane Speisen», sagt Direktor Ruedi Hadorn. «Was für uns nicht geht, ist jedoch, dass sich die jeweiligen Hersteller bei Begriffen aus der Fleischbranche bedienen, anstatt eigene Namenskreationen zu entwerfen.»

«Veganes Rinderfilet ist absurd»

Die Bezeichnungen Schnitzel oder Wurst würden oft mit Fleisch assoziiert, so Hadorn. «Wenn dem Konsumenten unter diesem Titel ein fleischloses Produkt angeboten wird, stiftet das Verwirrung, ja geht sogar in Richtung Täuschung.» Noch schlimmer sei es bei Produkten, deren Bezeichnung geschützt ist oder die gar den Namen einer Tierart enthielten. «Die Bezeichnung ‹veganes Rinderfilet› ist schlicht absurd.»

In der Debatte über das neue Lebensmittelrecht machte sich der SFF beim Bund für schärfere Regeln stark – bislang allerdings vergebens. Nun wird die Politik aktiv: «Ich bin ganz klar der Meinung, dass der Konsument getäuscht wird, wenn in einem Schnitzel kein Fleisch ist», sagt der Berner SVP-Nationalrat Erich Hess. Er wolle die Fleischwirtschaft in ihrem Kampf gegen den Namenswildwuchs unterstützen und das Thema ins Parlament tragen.

Auch sein Schwyzer Fraktionskollege Marcel Dettling findet den Namensklau «scheinheilig». «Da verteufelt man Fleisch und benennt seine Produkte gleichzeitig danach.» Könnten die Begriffe aus der Fleischwirtschaft mit den bestehenden Gesetzen nicht genügend geschützt werden und nehme die Palette vegetarischer Fleischimitate weiter zu, müsse die Politik eingreifen.

Deutschland arbeitet an Regelwerk

Heute gilt in der Schweiz: Bezeichnungen wie «vegetarisches Schnitzel» sind explizit erlaubt. Als täuschend werden hingegen Bezeichnungen wie «Rinderfilet» eingestuft, wenn diese Tierart im Produkt nicht enthalten ist. Dasselbe gilt für geschützte Bezeichnungen wie «Cervelat» oder «Bündnerfleisch».

Allerdings: Coop hat einen Vegi-Cervelat im Angebot, auch in der Hiltl-Metzgerei war bis vor kurzem ein solches Produkt erhältlich. «Wir sind darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Bezeichnung Cervelat geschützt ist – nun heisst die Wurst bei uns ‹Stumpe-Chlöpfer›», so Geschäftsführer Rolf Hiltl. Von einem generellen Verbot von fleischähnlichen Bezeichnungen will er aber nichts wissen: «Es gibt Lachs-Tatar, Gemüse-Tatar – warum sollten wir kein vegetarisches Hiltl-Tatar anbieten dürfen?»

Anstatt juristisch oder politisch für ein Verbot zu kämpfen, empfehle er den Metzgern, selber innovativ zu sein und vegetarische Alternativen anzubieten. «Die Rügewalder Mühle, einer der grössten Fleischverarbeiter in Deutschland, hat damit grossen Erfolg.»

Coop-«Cervelat» illegal?

Coop hat seinen vegetarischen Cervelat erst gerade ins Sortiment aufgenommen. Sprecherin Angela Wimmer geht davon aus, «dass die Begrifflichkeiten der geltenden Gesetzgebung entsprechen». Entscheidend seien die Gesamtaufmachung der Produkte und ein klarer Hinweis auf den vegetarischen Charakter. «Uns ist keine Kundenreklamation und auch kein Fall bekannt, in dem ein Fleischersatzprodukt anstatt des richtigen Fleischerzeugnisses gekauft wurde.»

Der Basler Kantonschemiker, der für die Kontrolle der Produktbezeichnungen zuständig ist, will den Coop-Cervelat nun jedoch unter die Lupe nehmen, wie er auf Anfrage von 20 Minuten sagt. Falsch deklarierte Vegi-Produkte beschäftigen Kantonschemiker laut einem Bericht der SRF-Sendung «Espresso» immer wieder. Die Händler werden bei Verstössen dazu aufgefordert, die Kennzeichnung zu ändern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandi91 am 05.04.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig

    Da hat sich die Volkspartei wieder einmal eine richtig wichtiges Thema ausgesucht, was weitreichende Auswirkungen hätte Als würde irgendjemand die Produkte verwechseln , zumahl sie doch nicht einmal im gleichen Abteil sind in den Läden.

  • No Face No Name am 05.04.2017 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Weil es ja in der Welt auch nichts wichtigeres gibt als den Namen einer Wurst.

  • jane77 am 05.04.2017 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    namensgebung

    woraus besteht eigendmoch die pelle bei einer vegiwurst? ich fände zb sojasticks,tofudrums,vegifladen coole namen für würste oder burger.

Die neusten Leser-Kommentare

  • pepper am 05.04.2017 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles Wurst oder was

    wo Wurst drauf steht soll auch Wurst drin sein..

  • Wurscht am 05.04.2017 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Das isch mir Wurscht...

    Wahrscheinlich hat die Fleischlobby nur schiss, dass weniger Fleisch und dafür mehr Vegi-Produkte gekauft werden. Zudem ist "Wurst" ja nur der Name einer Form, egal war drin ist.

  • Carnivore am 05.04.2017 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Mode

    Solange ich Fleisch bekomme wenn ich eine Bratwurst bestelle ist mir das eigentlich Wurst. Klar muss ich immer schmunzeln wenn meine Schwester Pilz isst welcher in der Fabrik wie Salami angemalt wurde anstatt einfach ein bischen Quorn auf ihr Brot zu legen, aber Essen ist halt nicht Geschmacks- sondern Mode-Sache.

  • Maddin am 05.04.2017 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Ich bin veganer Stufe 7. Ich esse nichts, was einen Schatten wirft!

  • Michel Angst am 05.04.2017 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Der Erich

    wurde als Kind wohl auch getäuscht, als Mami sagte: "Da ist Fruchtfleisch drin." ..und die Kokoskuh wollte er auch immer melken, aus der die Kokosmilch kommt.