Schönheit

28. Juli 2017 18:05; Akt: 28.07.2017 18:05 Print

«Schon 15-Jährige kaufen Make-up für 50 Franken»

von Laly Zanchi - Junge Frauen in der Schweiz geben mehr Geld für Kosmetik aus und teilen sich diese. Grund dafür sind Influencer.

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Viele Mädchen schauen sie fast täglich: Youtube-Videos junger Frauen, die sich schminken und dabei jeden Schritt und jedes Produkt ausführlich kommentieren, wie hier die Youtuberin Bethany Mota Eine andere erfolgreiche Youtuberin ist Raffa, eine transsexuelle Schweizerin, die 60'000 Abonnenten zählt. In einem ihrer letzten Videos mit über 180'000 Views plädierte sie augenzwinkernd dafür, dass Frauen mehr verdienen sollten - sie hätten ja schliesslich höhere Beauty-Ausgaben. Tatsächlich geben junge Frauen immer mehr Geld für Kosmetik aus. In den USA gaben Teenager laut Teen Survey elf Prozent ihres Taschengeldes für Kosmetik aus. Vor fünf Jahren waren es noch 8,5 Prozent, vor zehn Jahren sieben Prozent. Die beliebteste Marke bei jungen Frauen ist Mac Cosmetics, deren Produkte im mittleren Preissegment angesiedelt sind. «Produktempfehlungen von Influencern erwecken bei der jungen Generation viel Vertrauen, sodass die erhöhten Preise in Kauf genommen werden», erklärt Manor. Auch die neue Marketing-Ausrichtung gewisser Prestige-Marken sowie die Integration der Kosmetik-Kette Sephora vor einem Jahr haben eine Rolle gespielt. Maike Kiessling, General Managerin von Estée Lauder, bestätigt ein erhöhtes Interesse der jüngeren Zielgruppe an teurerer Kosmetik, insbesondere bei Alltagsprodukten. Die Jungen vertrauen den Empfehlungen der Social-Media-Influencer, die versichern, dass die Qualität stimmt und der Preis sich lohnt. Kiessling schätzt, dass etwa 40 Prozent der Käuferinnen mittelpreisiger Marken unter 25 sind. Wollen die Konsumentinnen nicht allein für ein teureres Produkt aufkommen, betreiben sie Make-up-Sharing mit anderen Frauen in der Familie oder im Bekanntenkreis.

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Viele Mädchen schauen sie fast täglich: Youtube-Videos junger Frauen, die sich schminken und dabei jeden Schritt und jedes Produkt ausführlich kommentieren (siehe Box). Eine dieser erfolgreichen Youtuberinnen ist Raffa, eine transsexuelle Schweizerin, die 60'000 Abonnenten zählt. In einem Video mit über 180'000 Views plädierte sie kürzlich augenzwinkernd dafür, dass Frauen mehr verdienen sollten.

Umfrage
Stört es Sie, dass man für Make-up so viel Geld ausgeben muss?
16 %
23 %
4 %
4 %
34 %
11 %
8 %
Insgesamt 4158 Teilnehmer

«Allein meine Wimpern kosten ein Drittel meines Gehalts. Eigentlich sollten wir Frauen mehr verdienen als Männer. Männer brauchen kein Make-up. Männer brauchen kein Highlighter. Männer stehen auf und sehen gut aus.» Würden Frauen ohne Make-up aus dem Haus gehen, wären sie gesellschaftliche Zombies. «Wir geben dreimal so viel Geld aus wie Männer und verdienen dreimal weniger. Das ist nicht fair.»

Influencer erwecken Vertrauen

Tatsächlich geben junge Frauen immer mehr Geld für Kosmetik aus. In den USA geben Teenager laut Teen Survey elf Prozent ihres Taschengeldes für Kosmetik aus. Vor fünf Jahren waren es noch 8,5 Prozent, vor zehn Jahren sieben Prozent. Die beliebteste Marke bei jungen Frauen ist Mac Cosmetics, deren Produkte im mittleren Preissegment angesiedelt sind. Diese Marke wird in der Schweiz von Manor, Douglas und Globus vertrieben. Ein Lippenstift von Mac kostet 28 Franken, Wimperntusche bis zu 34 Franken und ein Eyeliner bis zu 32 Franken.

«Produktempfehlungen von Influencern erwecken bei der jungen Generation viel Vertrauen, sodass die erhöhten Preise in Kauf genommen werden», heisst es bei Manor, der auch in der Schweiz einen Kosmetikartikel-Boom bei der jungen Kundschaft feststellt. Auch die neue Marketing-Ausrichtung gewisser Prestige-Marken sowie die Integration der Kosmetik-Kette Sephora vor einem Jahr haben dabei eine Rolle gespielt.

«Wir haben es geschafft, unser Sortiment für die jüngere Generation mit exklusiven Marken wie Benefit, Too Faced und Becca abzurunden», erklärt Manor. Diese Produkte wurden schon länger von amerikanischen Influencern beworben, waren aber in der Schweiz nicht erhältlich.

Alltagsprodukte dürfen teurer sein

Auch Maike Kiessling, General Managerin von Estée Lauder, bestätigt ein erhöhtes Interesse der jüngeren Zielgruppe an teurerer Kosmetik, insbesondere an Alltagsprodukten: «Schon 15-Jährige sind bereit, für eine Make-up-Grundierung 50 Franken zu zahlen.» Die Jungen vertrauten den Empfehlungen der Social-Media-Influencer, die versicherten, dass die Qualität stimme und der Preis sich lohne.

«Die treibende Kraft für diese Entwicklung ist ganz klar Social Media, bei Kosmetika insbesondere Youtube und gleich dahinter Instagram», sagt Kiessling. Sie schätzt, dass etwa 40 Prozent der Käuferinnen ihrer mittelpreisigen Marken wie Too Faced, Becca und Mac Cosmetics unter 25 sind.

Neuer Trend: Make-up-Sharing

Wollen Konsumentinnen nicht allein für ein teureres Produkt aufkommen, betreiben sie Make-up-Sharing, beobachtet Kiessling. «Ein Produkt wird mit anderen Frauen in der Familie oder im Freundeskreis gemeinsam verwendet», sagt sie.

Auch das extreme Aufbrauchen von Produkten mache die Runde: «Man sieht auf Youtube, wie junge Leute Tuben aufschneiden, um wirklich alles bis zum letzten Gramm zu verwenden.» Auch ethische Produkte, die ohne Tierversuche auskommen, sind den jungen Konsumenten laut Kiessling sehr wichtig.

Wie viel kostet ein Basic-Make-up-Kit?

So viel kostet ein Basic-Make-up-Kit

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alessio F am 28.07.2017 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alle 

    Also wenn meine Freundin morgens neben mir aufwacht, sehe ich die schönste Frau der Welt. Nix da mit ''gesellschaftlicher Zombie''. Wie kann man sich sowas nur einreden lassen...

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  • Payne am 28.07.2017 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu viel

    Trotzdem sehen sie nicht besser aus!!!

  • Don Logan am 28.07.2017 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder make-up

    Vielleicht werden sie auch mal erwachsen und sehen ihrem jetzigen Verhalten eher skeptisch entgegen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau Meier am 28.07.2017 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Clowns

    Als Teenager lief ich auch stark geschminkt herum, das war ein Teil meiner Rebellion. Make-up in den genannten Preislagen hätte ich mir mit 15 nicht leisten können, da musste es das Günstigste aus der ABM sein. Heute schminke ich mich nur noch zu speziellen Anlässen und dann auch nur dezent. Ich mag dieses Gefühl von "zugekleistert" sein im Gesicht gar nicht und finde auch diese Youtube-Anleitungen teilweise echt schlimm. Wenn, dann würde ich einen Kurs bei einem echten Make-Up-Profi buchen, weil ich nicht wie ein Clown aussehen will.

  • Gemach Gemach am 28.07.2017 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kunst des schminkes

    Die Kunst des Schminkens ist, sich so zu schminken, dass es niemandem auffällt. Sprich dezente Lippen und etwas Wimpertusche. Im Ausgang darf es natürlich etwas mehr sein.Warum soll man sich so zukleistern? Einige müssen bestimmt mit der Flex dahinter bis alles wieder runter ist.

  • Junge Frau am 28.07.2017 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger ist mehr...

    Wow, 50 Franken pro Monat? Das finde ich sehr viel. Ich schminke mich täglich, aber nur sehr dezent. 50 Franken reichen mir für ein ganzes Jahr.

  • Mag am 28.07.2017 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel

    Omg, bin 36 und 50fr gebe ich alle paar Monate für Kosmetik aus! Ok, liegt wahrscheinlich daran, dass ich eh nur Maskara brauche. Kann mich erinnern wie es früher bei mir war- ohne vollständiger Kriegsbemalung habe nicht mal meinen Abfall entsorgt :)

  • Grosi Oldstyle am 28.07.2017 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden alle Alt

    Schminkt euch fröhlich weiter die Runzeln kommen noch Früh genug! Für mich ist es zu spät, bei mir hilft auch keine Antifaltencrème mehr.