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Anklageschrift
24. November 2010 17:32; Akt: 24.11.2010 17:53 Print
Ex-Polizeichef mit «Hitler-Speed» im After
von Marius Egger - Als er Polizeichef von Zofingen wurde, konsumierte er schon seit Jahren Drogen. Doch auch nach seiner Zeit in U-Haft konnte er die Finger nicht von «Crystal» lassen. Jetzt steht Mathias M. vor Gericht.
Abgang nach der Polizei-Affäre: Der zurückgetretene Zofinger Stadtrat und Aargauer Grossratspräsident Herbert H. Scholl, aufgenommen 2005. (Bild: Keystone)
Die Verhaftung von Mathias M. sorgte im August 2009 national für Schlagzeilen. Als Chef der Regionalpolizei Zofingen mimte er den Gesetzeshüter in der Thutstadt. Doch selber nahm er es mit dem Gesetz nicht so genau. Am 10. August wurde er wegen Drogenschmuggel und Konsum in Untersuchungshaft gesteckt. In einer ersten Einvernahme gab er zu, die Monsterdroge «Crystal» konsumiert zu haben. Die Droge gilt als extrem gefährlich und macht laut Berichten rasend schnell süchtig.
Der Zofinger Ex-Polizeichef Mathias M.
Das musste offenbar auch Mathias M. erfahren. Kaum aus der U-Haft entlassen, schmuggelte der mittlerweile entlassene Polizeichef im Oktober und November 2009 erneut zweimal «Crystal» aus Deutschland in die Schweiz und konsumierte die Droge mit Kollegen, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.
Jetzt wird Mathias M. der Prozess gemacht. Er wird sich ab Donnerstag vor dem Bezirksgericht Lenzburg verantworten müssen. Auch für den Konsum und Handel von Drogen vor und während seiner Zeit als Polizeichef.
Crystal aus den USA und Deutschland
Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, hat der Ex-Polizeichef von 2003 bis 2005 zunächst von einem Dealer aus San Diego «Crystal» bezogen und dabei gegen 2000 Franken investiert. Im Jahr 2005 wechselte er den Lieferanten und bezog den Stoff bis im Juli 2009 aus Deutschland. Anfänglich importierte Mathias M. nur Kleinmengen, später schmuggelte er bis zu 16 Gramm «Crystal» aus Deutschland in die Schweiz. Den Stoff liess er sich bis im März 2007 auf dem Postweg liefern. Danach schmuggelte er die Ware im After in die Schweiz. Also auch zu der Zeit, als er bereits als Polizeichef in Zofingen tätig war.
Die auch als «Hitler-Speed» bekannte Droge verkaufte er während drei Jahren auch in Zofingen. Mit der Dealerei stoppte er laut Anklageschrift auch nicht, als er am 1. August 2008 seinen Job als Polizeichef in Zofingen antrat.
Stadtrat trat zurück
Das Engagement brachte schliesslich auch seinen Chef zu Fall. Der zuständige Stadtrat Herbert H. Scholl (FDP) trat von seinem Posten zurück, weil der Druck auf seine Person zu gross wurde. Denn kurz nach der Verhaftung war bekannt geworden, dass Mathias M. bereits bei der Kantonspolizei Zürich wegen Betäubungsmittelvergehen aktenkundig war. Trotzdem hatte sich der drogensüchtige Polizeichef gegen 25 Mitbewerber durchgesetzt. Scholl sprach von einem «strengen Auswahlverfahren».
Mathias M. wird mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen. Zudem steht er wegen Verstoss gegen das Arzneimittelgesetz, Pornographie und Missbrauch von Ausweis und Kontrollschildern auf der Anklagebank. Der Strafantrag lautet 14 Monate Freiheitsstrafe bedingt mit einer Probezeit von 4 Jahren. Zudem soll er eine Busse von 2500 Franken zahlen.
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Alle 61 Kommentare






























Heftig!
Das ist ja ganz schöner Bad Lieutenant-Style!
Kaum zu fassen...
hmmmm, und er war jahrelang Kadi meiner Kompanie...
Lange nachgedacht...
Aber mir ist kein Wort in den Sinn gekommen, das "Hitler-Speed" toppen würde. Methamphetamin ist nicht zu verharmlosen, aber mit solchen Wörtern muss man aufpassen. Als man in den 70ern Haschisch als Killerdroge verteufelte, wusste jeder, der schon einmal mit der Substanz in Kontakt gekommen war, dass der Staat bei der sogenannten Prävention masslos übertreibt. Die Folge: Viele probierten Heroin aus, weil sie dieser Propaganda nicht mehr glauben wollten...