Dienstpflicht für Frauen

29. Juni 2017 11:31; Akt: 29.06.2017 11:31 Print

Frauen in der Armee – Kritik von links bis rechts

von A. Schawalder/ D. Pomper - Der Bundesrat prüft die Dienstpflicht für Frauen. Linke Frauen fühlen sich diskriminiert. Auch rechte Politiker sind dagegen.

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Müssen bald auch alle Frauen ins Militär? Der Bundesrat will das «norwegische Modell» überprüfen. Babette Sigg-Frank, Präsidentin der CVP-Frauen, begrüsst den Entscheid: «Aus der Privatwirtschaft wissen wir: . Frauen in der Armee würden diese stärken.» Jeder Mann, jede Frau sollte laut Sigg-Frank einen Dienst für das Land leisten. Egal, ob es sich um Militär-, Zivil- oder einen anderen Dienst handelt. «Das ist ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung.» Natascha Wey, Präsidentin der SP-Frauen, will dagegen auf keinen Fall eine Dienstpflicht für Frauen: Gegen eine Dienstpflicht für Frauen ist auch die Gruppe Giardino, die sich für eine starke Schweizer Milizarmee einsetzt. , sagt Präsident Willi Vollenweider. Dieses Problem löse man nicht, indem der Bundesrat die Lücken einfach mit Frauen auffülle. «Stattdessen muss mit einer Gewissensprüfung endlich wieder die Wehrgerechtigkeit bei den Männern eingeführt werden», sagt Vollenweider. SVP-Nationalrat Werner Salzmann ergänzt: «Frauen in die Pflicht zu nehmen ist überflüssig. Zwanghafte Gleichmacherei bringt nichts. » Die Armee habe im Moment noch ganz andere Probleme. «Sie braucht jetzt nicht noch mehr Unruhe, sondern Konsistenz.» Bereits im Februar hatten Sicherheitspolitiker des Nationalrats eine Motion eingereicht, die den Bundesrat beauftragen soll, alle jungen Frauen zu den Orientierungstagen der Armee einzuladen. Dadurch soll der Militärdienst «speziell auch für Frauen attraktiver» werden. «Junge Frauen sollen erfahren, welche Möglichkeiten ihnen eine Militärkarriere eröffnet», sagt Werner Salzmann, SVP-Nationalrat und Oberst in der Armee. SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf sagt: «Ich wäre als junge Frau wohl aus Neugier an einen solchen Informationstag gegangen, wäre ich persönlich eingeladen worden.» Geht es nach der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, soll es nicht bei diesem Schritt bleiben. Langfristig müsse auch eine Dienstpflicht für Frauen ins Auge gefasst werden, findet Generalsekretär Daniel Slongo. Auf Instagram rühren Soldatinnen schon kräftig die Werbetrommel für den Dienst am Vaterland. Sogar die britische Presse wurde auf unsere«hot female recruits» aufmerksam. Dem Hype zum Trotz: Frauen, die Dienst leisten, sind in der Schweiz immer noch eine absolute Minderheit.

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Der Armee läuft das Personal davon. Das Problem lösen könnte das «norwegische Modell». Dieses sieht vor, die Militärdienst- und die Schutzdienstpflicht auf Schweizer Frauen auszudehnen. Das heisst: Frauen und Männer sollen beide stellungspflichtig sein. Der Bundesrat will das Modell nun genauer analysieren, wie er am Mittwoch mitteilte. Es handle sich um «eine sicherheitspolitische und gesellschaftspolitische Frage, die tiefgreifender diskutiert werden muss».

Umfrage
Frauen in der Armee – ist das Gleichberechtigung?
56 %
10 %
10 %
16 %
6 %
2 %
Insgesamt 10507 Teilnehmer

Der Vorschlag kommt bei den 20 Minuten-Usern gut an: 64 Prozent von über 5200 Teilnehmern einer nicht repräsentativen Umfrage befürworten eine Dienstpflicht für Frauen.

«Ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung»

Babette Sigg-Frank, Präsidentin der CVP-Frauen, begrüsst den Entscheid: «Aus der Privatwirtschaft wissen wir: Gemischte Teams steigern die Produktivität. Frauen in der Armee würden diese stärken.» Jeder Mann, jede Frau sollte laut Sigg-Frank einen Dienst für das Land leisten. Egal, ob es sich um Militär-, Zivil- oder einen anderen Dienst handelt. «Das ist ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung.» Zuerst brauche es aber Lohngleichheit.

Natascha Wey, Co-Präsidentin der SP-Frauen, will dagegen auf keinen Fall eine Dienstpflicht für Frauen: «Die SP-Frauen* waren immer für die Abschaffung der Wehrpflicht. Zudem: Frauen verdienen weniger, leisten mehr unbezahlte Arbeit als Männer, und es fehlt ein Elternurlaub. Wir Frauen stehen sowieso nicht in einer Bringschuld.»

Wehrgerechtigkeit einführen statt Frauen einziehen

Gegen eine Dienstpflicht für Frauen ist auch die Gruppe Giardino, die sich für eine starke Schweizer Milizarmee einsetzt. «Das Problem der Armee ist, dass viele junge Männer nicht bereit sind Militärdienst zu leisten, weil der Zivildienst bequemer ist», sagt Präsident Willi Vollenweider. Dieses Problem löse man nicht, indem der Bundesrat die Lücken einfach mit Frauen auffülle. «Stattdessen muss mit einer Gewissensprüfung endlich wieder die Wehrgerechtigkeit bei Männern eingeführt werden», sagt Vollenweider.

SVP-Nationalrat Werner Salzmann ergänzt: «Frauen in die Pflicht zu nehmen ist überflüssig. Zwanghafte Gleichmacherei bringt nichts. Männer und Frauen sind nun halt einfach nicht gleich.» Die Armee habe im Moment noch ganz andere Probleme. «Sie braucht jetzt nicht noch mehr Unruhe, sondern Konstanz.»

Um den Bestand der Armee sicherzustellen, haben das VBS und das Wirtschaftsdepartement bereits heute Massnahmen ergriffen. Ziel ist es, die Tauglichkeitsquote zu stabilisieren und die Zahl der Wechsel aus der Armee in den Zivildienst nach absolvierter Rekrutenschule zu verringern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John l'Éveillé am 29.06.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beweis!

    Die Feministinen wollen nur die Vorteile der Gleichberechtigung aber auf keinen Fall die Nachteile

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  • Eidgenosse69 am 29.06.2017 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleich wie wir, oder?

    Emdlich soll die Gleichberechtigung, nicht nur auf Vorteilen, sondern auf der Verteilung der "Nachteile" aufgebaut werden. Nichts als Recht, sonnst soll eine Frau zahlen, wie die Männer auch.

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  • James Hetfield am 29.06.2017 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logik?

    "Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit als Männer", sagt die SP-Dame. Liebe Frau Wey, das sind FREIWILLIGE Arbeiterinnen, ich kenne aus meinem Umfeld - leider - bspw. niemanden, der wohltätig unterwegs ist/war. Nur weil einige Frauen das machen, sollen alle anderen auch von deren Arbeit profitieren können?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Querdenker am 29.06.2017 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dienstpflicht nicht gleich Militär

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie Dienstpflicht immer wieder mit Militär gleichgesetzt wird. Ich glaube es gäbe genügend Aufgaben für alle Männer und Frauen in diesem Land, welches man im Rahmen von Militär, Zivilschutz, Zivildienst oder zB auch im Landdienst, um die Infrastruktur wieder auf Vordermann zu bringen, abdecken könnte.

  • VW am 29.06.2017 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Geben und Nehmen...

    Wehrpflicht für Frauen gerne- aber bitte nur, wenn die Ungleichheit bei Löhnen und Renten wegfällt und es ein staatlich finanziertes Kinder-Betreuungsmodell gibt, was dafür sorgt, dass Frauen nicht auch noch durch das Zurückstecken für die Familien weiter benachteiligt und finanziell zurückgeworfen werden im Alter.

  • Robinson am 29.06.2017 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ungleichheit im 21. Jh

    Es ist ganz Einach: Entweder sollen alle Männer und Frauen Militärdienst leisten müssen oder es muss gar niemand Militärdienst leisten. Gleichberechtigung im 21. Jahrhundert. Gruss von einem Durchdiener, der die 300 Tage durchgezogen hat.

  • Mamita am 29.06.2017 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Selbstverständlichkeit

    Alleine die Diskussion zeigt, wie rückständig wir betreffend "Gleichberechtigung" sind. In anderen Ländern ist es selbstverständlich und funktioniert. In der Feuerwehr und im Polizeiwesen geht es doch auch.... verstehe als Frau (ehemals Korporal Atemschutz) die Diskussion nicht....

  • m.h. am 29.06.2017 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Warum den

    Warum fühlen sich linke Frauen Diskriminiert? Gleiche Rechte gleiche Pflichten das ist doch das was immer alle wollen? Oder etwa nicht?! Feminismus ist eben nicht die Lösung weil Feminismus den Vorteil sucht und nicht das gleiche Recht.