Gesundheit

02. April 2017 05:43; Akt: 02.04.2017 08:32 Print

Ärzte-Boom kostet die Schweiz Milliarden

Der Ärztemangel sei ein Mythos und die Schweiz überversorgt, so der Curafutura-Direktor. Das kostet das Gesundheitswesen viel Geld. Dafür will der Bund ambulante Behandlungen fördern.

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Der Zuwachs an selbständigen Ärzten kostet das Gesundheitswesen jährlich 1,7 Milliarden Franken: Medikamente und eine Schweizer 200-Franken-Banknote. (25. September 2014) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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In den letzten acht Jahren ist die Zahl der in der Schweiz arbeitenden Ärzte um 19 Prozent angestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs die Bevölkerung gerade einmal halb so stark. In Vollzeitstellen gerechnet, arbeiten heute im Vergleich zu 2008 rund 5000 Mediziner mehr in Spitälern und Praxen, davon sind 3400 frei praktizierende Ärzte. «Der pauschale Ärztemangel ist ein Mythos», sagt Pius Zängerle, Direktor des Krankenversicherer­ Verbandes Curafutura in der «NZZ am Sonntag».

«Wir haben in der Schweiz das Phänomen der Überversorgung.» Das führt zu einem massiven Kostenschub im Gesundheitswesen. So generiert jeder Arzt, der eine Praxis eröffnet, etwa eine halbe Million Franken Umsatz pro Jahr. Allein der Zuwachs an selbständigen Ärzten schlägt sich demnach im Gesundheitswesen pro Jahr mit geschätzten 1,7 Milliarden Franken nieder.

Eine Analyse der Zeitung zeigt, dass Verschiedenes zum Anwachsen der Ärztedichte beigetragen hat. In den Spitälern sorgte eine Begrenzung der Wochenarbeitszeit für höheren Personalbedarf. Die Zahl der frei praktizierenden Ärzte nahm zu, weil in einer Phase ab 2012 die freie Zulassung für ausländische Mediziner zum rasanten Anstieg von Spezialisten führte. Selbst Hausärzte gibt es rund 900 mehr als 2010.

Liste für ambulante Behandlungen

Derweil plant der Bund die Verlagerung von teuren stationären zu günstigeren ambulanten Behandlungen zu fördern. Das Bundesamt für Gesundheit wird im zweiten Halbjahr eine Liste mit Eingriffen präsentieren, die von den Krankenkassen in der Regel nur dann bezahlt werden sollen, wenn sie ambulant erfolgen, wie die Zeitung berichtet.

Allerdings sind medizinische und soziale Ausnahmekriterien geplant, die weiterhin auch die Vergütung im stationären Bereich erlauben würden. Wie diese Liste genau aussieht, ist noch offen. Nach ersten Vorarbeiten kommen dafür aber zum Beispiel die Operation von Krampfadern, Leistenbrüchen oder der Mandeln in Frage, ebenso wie Beschneidungen, Kniegelenkspiegelungen oder die Entfernung von Hämorrhoiden.

(foa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Es ist so-weit am 02.04.2017 05:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz wohin geht es?

    Unsere erreichte Qualität sinkt und oder Preise steigen ins unermessliche. Wie lange geht das noch gut im angeblich reichsten Land der Welt?

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  • snoopy am 02.04.2017 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Penuts !

    Wenn nicht jeder wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt rennen würde wäre auch schon geholfen !

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  • C.C. am 02.04.2017 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    Von allem zu viel...

    geht irgendwann gar nicht mehr gut. Zu viele Ärzte, zu viele Eingriffe, zu viele Medikamente - alles viel zu teuer. Manchmal frage ich mich schon, ob das alles noch zu stoppen ist. Die verschiedenen Lobbies in der Medizinbranche werden immer stärker und wollen immer mehr Geld abschöpfen. Wann hat das alles ein Ende? Den Anfang können wir Konsumenten/Patienten machen, indem wir die Eingriffe und Medis hinterfragen... Benötige ich das wirklich? Gibt es noch Alternativen? Wie bleibe/werde ich gesund mit Bewegung und Ernährung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 03.04.2017 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch!!

    Wir haben einen massiven Mangel an Hausärzten! Wer das nicht weiss oder was anderes behauptet ist schlecht informiert oder lügt ganz einfach!

  • cubalibre am 03.04.2017 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich nicht verstehen

    Also ich suche seit Ende 2016 einen neuen Hausarzt...keine Chance!!!

  • Cello am 03.04.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbedienungsladen

    Das ganze Gesundheitswesen ist zu einem reinen Selbstbedienungsladen verkommen und zwar nicht nur in der Schweiz. Von jeder Monatsprämie kommen mal gerade 20% bei einem Arzt an, der Rest versickert im System.

  • Larica am 02.04.2017 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MPA

    Damit die Praxis eines Arztes rentiert, muss ein selbstständiger Arzt eine halbe Milion Franken im Jahr generieren. All die Gerätekosten (Miete, Reparatur und Wartung, Lösungen für Röntgen- oder Laborgeräte, sowie Röntgenbilder) müssen auch gedeckt werden. Dazu kommen Miete der Praxis und Personalkosten. 1 MPA kosted mindestens 60'000 im Jahr, nur mit 1 MPA kommt man heute jedoch nicht weit also mindestens 2. Das macht dann bereits 120'000 Personalkosten. Den Rest kann man sich denken.

    • Tina Schweizer am 03.04.2017 06:23 Report Diesen Beitrag melden

      @MPA

      Es hat noch viele andere Kosten. Der Gewinn liegt durchschnittlich bei 30% des Umsatzes. Reich wird damit sicher niemand, und das sind 200% Jobs. Viele Leute sind zu beschränkt, um Umsatz und Ertrag unterscheiden zu können.

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  • Zusillman am 02.04.2017 23:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ärztenhaos

    Also, ein Medium erzählt es gibt ein Mangel an Ärzten in CH, das andere behauptet das Gegenteil. Kennt jemand in der Schweiz überhaupt wie viele Ärzte es hier gibt? Sogar die "falsche" gibt es überflüssig