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Gesundheitswesen
22. Februar 2011 10:02; Akt: 22.02.2011 13:05 Print
Jeder Siebte verzichtet auf den Arzt
Trotz obligatorischer Krankenversicherung ist vielen der Arztbesuch zu teuer. Am häufigsten verzichtet die Schweizer Bevölkerung auf den Zahnarzt.

Bei armen Menschen ist der Anteil derjenigen noch grösser, die auf medizinische Leistungen verzichten: 30 Prozent gehen aus finanziellen Gründen nicht zum Arzt. (Bild: Keystone)
Trotz obligatorischer Krankenversicherung ist der Gang zum Arzt für viele Menschen in der Schweiz zu teuer. Im Kanton Genf verzichtet jeder siebte Einwohner aus finanziellen Gründen mindestens einmal im Jahr auf eine medizinische Behandlung, wie eine Studie zeigt.
Forscher am Universitätsspital Genf fragten in den Jahren 2008 und 2009 insgesamt 765 Männer und 814 Frauen zwischen 35 und 74 Jahren, ob sie in den vergangenen zwölf Monaten aus Kostengründen auf medizinische Leistungen verzichtet hätten. 15 Prozent antworteten mit Ja, wie das Unispital in einer Mitteilung schreibt.
Am häufigsten gestrichen wurden Termine beim Zahnarzt. Rund drei Viertel jener, die aus finanziellen Gründen auf medizinische Leistungen verzichteten, taten dies bei der Zahnbehandlung. 37 Prozent gingen nicht zum Allgemein- oder Facharzt, wie ein Team um Idris Guessous im Fachmagazin «Swiss Medical Weekly» schreibt.
Auf Operation verzichtet
26 Prozent kauften sich keine medizinischen Instrumente wie Brillen oder Hörgeräte, weil diese ihnen zu teuer waren. 13 Prozent gaben an, sich bestimmte Medikamente aus Kostengründen nicht besorgt zu haben und 5 Prozent liessen gar eine Operation sausen.
Der häufige Verzicht auf den Zahnarztbesuch sei besonders Besorgnis erregend, schreiben die Forscher. Die Zahngesundheit hänge nämlich auch zusammen mit Herzkreislauf-Krankheiten. So habe eine Analyse ergeben, dass Menschen mit der Zahnfleischerkrankung Parodontitis ein um 20 Prozent erhöhtes Risiko für Herzkreislauf- Vorfälle hätten.
Besonders häufig verzichten erwartungsgemäss arme Menschen auf medizinische Leistungen. Bei jenen, die weniger als 3000 Franken pro Monat verdienen, lag der Anteil der Verzichtenden bei 30 Prozent. Auch die Ausbildung, der Beruf, die Nationalität und die Krankenkassenfranchise waren Risikofaktoren für einen Verzicht.
Zu teure Prämien
Schliesslich macht die Studie auch darauf aufmerksam, dass einige Menschen trotz Prämienverbilligungen Mühe haben, ihre Krankenkassenprämien zu bezahlen: Rund 5 Prozent der Befragten gaben an, dass sie 2008 und 2009 mindestens einmal ihre Prämie nicht bezahlen konnten.
Die Resultate zeigen laut den Forschern, dass nicht alle Menschen gleichwertigen Zugang haben zur Gesundheitsversorgung - und das in einem der reichsten Länder der Welt. Der Verzicht auf medizinische Leistungen könne dazu führen, dass sich der Gesundheitszustand eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung verschlechtere.
(sda)
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Alle 213 Kommentare






























Ich bin sowieso überzeugt, dass...
...je mehr man zum Arzt geht, desto kranker wird man. Sobald man in die Spirale von Medikamenten und verschiedensten, auch ganz kleinen, Operationen kommt, geht es nur noch bergab.
Verzicht vs Kostenexplosion
Eigentlich verwunderlich. An anderen Orten liest man von Kostenexplosion im Gesundheitswesen ... offensichtlich von denen verursacht die nicht auf den Arztbesuch verzichten ? Die Macher des Systems sollten sich eigentlich freuen, so Mancher wird vorzeitlich das Ewige segnen, folglich nie das AHV-Alter erreichen, womit wiederum Renten gespart werden können. ( achtung: Ironie )
Kein Wunder
wenn ich wegen einer Grippe zum Arzt muss für ein Arbeitszeugnis... ca. 5min beim Arzt bin und ihm erkläre, ich habe Fieber usw. => ja sie haben die Grippe... super wäre ich selber nicht drauf gekommen. Arzt Zeugnis kostet 15.-.... später kommt dann noch eine Rechnung von 80.-... ohne KK will ich nicht wissen wie teuer so ein 5min. Arztbsuch ist, ganz zu schweigen ein Zahnarzt besuch....
Frag in so einem Fall...
...beim Arbeitgeber nach, ob wirklich ein Zeugnis Notwendig ist. Bei einem ungestörten Vertrauensverhältnis sollte das nicht immer nötig sein. Leider erlebe ich immer wieder, dass "gewisse" Leute (immer dieselben) prinzipiell bei jeder Kleinigkeit zum Arzt rennen und dort zum Teil fast unglaublich für 2-3 Wochen Krank geschrieben werden (nicht für 5 Tage und dann wird wieder neu entschieden...). Für mich scheint das ein Marketinginstrument der Ärzte zu sein, auf Kosten der KK und der ehrlichen Prämienzahler.