Entsetzte Reaktionen

09. Juni 2017 10:42; Akt: 09.06.2017 10:47 Print

Ärzte wollen Filmdoku von Impfgegnern verbieten

von B. Zanni - Ein Dokumentarfilm prangert das Impfen an. Ärzte fordern, dass der Streifen in den Kinos nicht gezeigt wird.

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Der kerngesunde Ian konnte von einem Tag auf den anderen nicht mehr gehen. Eine andere Mutter berichtet von ihrem Sohn, der seinen Kopf plötzlich «gegen alles schlug, was er finden konnte». «Sind unsere Kinder noch sicher?», fragt der Dokumentarfilm «Vaxxed – die schockierende Wahrheit». Angeprangert wird die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln – als gefährlicher Stoff, der Autismus verursacht.

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Am Donnerstag feierte der kontroverse Film im Zürcher Kino Stüssihof Premiere, am Freitag folgt das Kino City in Uzwil. Schweizer Ärzte und Wissenschaftler zeigen sich entsetzt. In einer konzertierten Aktion schrieben sie die Redaktion von 20 Minuten an. Einige sprechen von einem Lügen-Film und fordern ein Verbot.

«Film verunsichert»

«Es ist unverantwortlich, einen Film zu zeigen, der Lügen verbreitet und eine ganze Bevölkerung gefährdet», sagt Professor Adriano Aguzzi, Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsspital Zürich. Seit über zehn Jahren sei die Theorie, dass zwischen Impfstoffen und Autismus ein Zusammenhang bestehe, mit letzter Sicherheit widerlegt. «Klar ist hingegen, dass man an Masern sterben kann, wenn man sich nicht dagegen impft.» Der Film habe bereits viele Todesfälle an Masern verursacht, indem er suggeriert habe, Impfen sei gefährlich.

Aguzzi befürchtet, dass der Film zu einer grossen Verunsicherung führen und zahlreiche Schweizer zu Impfgegnern machen könnte. «Die Impfmoral in der Schweiz ist jetzt schon katastrophal.» Viele Eltern glaubten, sie schadeten ihrem Kind, wenn sie es impften. Aguzzi betont, dass sich autistische Veranlagungen schon bei der Geburt zeigten. «Schon allein aus diesem Grund kann man ausschließen, dass Impfungen irgendetwas damit zu tun haben.»

Auch Maja Strasser, Fachärztin FMH Neurologie, schreibt, sie habe mit Schrecken und Ärger gehört, dass der Propagandafilm «Vaxxed» vorgeführt werden soll. Wer diesen Film zeige, habe überhaupt keine Ethik und kein Gewissen. Und Martin Hergersberg, Fachspezialist Genetik, warnt: «Der Film verbreitet unnötig Angst bei Leuten, die sowieso schon Angst vor dem Impfen haben.»

«Jeder soll sich eine eigene Meinung bilden»

Nach Protesten von Impfbefürwortern setzten Kinos in Deutschland und Italien den Film ab. Selbst Impfgegner und Festivalveranstalter Robert De Niro strich den Film aus dem Tribeca-Filmfestival 2016 in New York. «Vaxxed» aus dem Programm zu kippen, käme im Stüssihof niemals infrage, sagt hingegen der Programmverantwortliche Peter Preissle. «Damit würde die Medien- und Meinungsfreiheit gefährdet.»

Das Kino sei ein offenes Forum, in dem sich jeder Mensch seine eigene Meinung bilden könne. «Ich masse mir nicht an, als Veranstalter zu bestimmen, ob ein Film gut oder schlecht ist.» Laut Preissle sind sieben Vorstellungen von «Vaxxed» geplant.

«Masern können zum Tod führen»

Ärzte warnen vor den Folgen einer Nicht-Impfung. Laut Aguzzi führen Masern häufig zu einer Hirnhautentzündung. «Dazu sind bleibende Schäden wie Sprach- und Gehverlust möglich.» Im schlimmsten Fall führten Masern zum Tod. Er macht auf weltweit 73'000 Todesfälle aufgrund von Masern im Jahr 2014 aufmerksam. «Jeden einzelnen Todesfall hätte man verhindern können.»

Strasser hatte schon Patienten, die als Folge von Masern an subakuter sklerosierender Panenzephalitis SSPE litten. Dabei handelt es sich um eine Spätkomplikation von Masern, die bis zu zehn Jahre nach der Infektion einsetzen kann. Im letzten Stadium befinden sich die Patienten in einem Wachkoma.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter J. am 09.06.2017 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist problematisch

    Eine eigene Meinung bilden? Ja bitte wie denn, wenn in dem Film nur eine Seite ihre Sichtweise proklamiert? Der Film ist eine Propaganda gegen das Impfen und kommt, unwidersprochen, mit massiven Lügen daher. Dies obwohl mittlerweile die meisten Vorwürfe wissenschaftlich widerlegt sind, dies aber im Film nicht angesprochen wird, oder die Beweise als Verschwörung dargestellt werden.

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  • Christoph K. am 09.06.2017 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Doku

    Das Ganze "Doku" zu nennen, ist zu viel der Ehre, schliesslich wurde die Lehren von Andrew Wakefield schon lange als Lügen blossgestellt. Und nun drehte er auch noch einen Propagandafilm, um seine eigenen kruden Ansichten in die Welt zu tragen. Man muss so ein Machwerk nicht verbieten, aber man muss seinen Inhalt mit aller Kraft als das bekämpfen, was es ist: Unsinn.

  • Augen auf! am 09.06.2017 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Nutzen als Schaden

    Das flächendeckende Immunisieren mag mehr Nutzen als Schaden verursachen, dennoch sind "Impfschäden" eine Realität. Diese totzuschweigen ist nicht minder unverantwortlich, wie die Impfverweigerung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • NoTatRolL am 10.06.2017 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfen ist Gift oder etwa nicht?

    wie man hier in den Kommentaren sehen kann hat die Schulbildung bei vielen versagt. Schade! Impft eure Kinder

  • christian strube am 10.06.2017 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    böse pharmaindustrie

    abgesehen davon, dass auch ein teil der impfkritiker wirtschaftliche interessen verfolgen - stichwort ausleiten von angeblichen impfschäden - gilt auch zu bedenken, dass die pharmaindustrie viel mehr verdienen würden, wenn sie keine impfungen verkaufen würden. die theraphien für die behandlung ist nämlich wesentlich erträglicher. natürlich tun sie es nicht nur aus selbstlosen motiven, sie wollen - so wie alle - auch geld verdienen. das ist aber auch legitim, den rest regelt dann der freie markt.

  • Hechty am 10.06.2017 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Die Ärzte und ihre Wahrnehmung

    Masern können lebensgefährlich sein. Stimmt, der Film mag Unsinn erzählen, aber wo leben wir, dass Mediziner sich erlauben eine Filmzensur zu fordern? So viel Selbstgerechtigkeit ist vollkommen unangebracht. In einem freien Land entscheiden einerseits Eltern, ob sie ihre Kinder impfen lassen (auch wenn die Folgen unabsehbar sind), andererseits sterben ungleich viel mehr Menschen an Krankenhauskeimen, falschen Medikamenten und Behandlungsfehlern als an Masern.

  • Malu14 am 09.06.2017 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Es muss doch nicht weiter darüber diskutiert werden. Die Eltern die ihre Kinder impfen möchten, sollen dies tun dürfen ohne schlechtes Gewissen, genau so wie Eltern die nicht impfen lassen wollen. Alles kann möglicherweise konsequenzen haben und damit müssen sich dann die Eltern auch alleine auseinandersetzen

    • user am 10.06.2017 09:46 Report Diesen Beitrag melden

      Impfen ist wichtig!

      So einfach ist das nicht, wenn die Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen kann man sagen, dass sie ihnen das Recht auf Unversehrtheit verwehren! Zudem gefährden sie damit alle mit geschwächtem Immunsystem. Sogenannte Impfschäden sind in den meiten Fällen eine kurze starke Reaktion des Immunsystems, was ja auch so sein soll. Die Chance auf etwas schlimmeres ist so verschwindend klein, dass man diese ignorieren kann. Ernsthaft jetzt, lieber ein Kind dass sich kurze Zeit nicht ganz wohl fühlt oder ein schwer krankes oder sogar totes Kind wegen einer Infektion? Naja, survival of the fittest...

    • Markus D. am 10.06.2017 09:46 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn es doch nur so einfach wäre

      Wie ein Beispiel aus der Zentralschweiz vor einiger Zeit zeigt, tragen die Eltern die Verantwortung dann nicht selber. Gemäss einem damaligen Zeitungsbericht verklagten die Eltern eine Schule, weil diese die nicht geimpften Kinder aus Sicherheitsgründen vom Unterricht suspentierten. Alle anderen müssen schauen, dass die nicht geimpften Kinder nicht angesteckt werden, die Eltern schieben die Verantwortung gerne ab. Auch wenn ein Kind ernsthaft krank würde, wäre sicher die Schule oder die Schulmedizin daran schuld...

    • christian strube am 10.06.2017 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Malu14

      der vergleich hinkt. man würde auch nicht sagen: eltern, die ihre kinder nicht mit sonnenschutz behandeln, sollen das tun dürfen und wenn dann die haut dann verbrennt, müssen die kinder halt die konsequenzen tragen.

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  • Margrit Aegerter am 09.06.2017 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Abwägen

    Film verbieten geht gar nicht... Gegner bleiben Gegner, Befürworter ebenfalls. Ich weiss nicht, aber mir gehen beide Fanatiker auf die Nerven. Ich bin geimpft, habe impfen lassen, aber nicht alles.