Städte-Serie – Teil 4

20. November 2014 11:17; Akt: 20.11.2014 15:40 Print

«Hochhäuser werden prägend sein für Basel»

von J. Büchi - Der Basler Stadtplaner hat keine Angst vor dem Bevölkerungswachstum: Seine Stadt soll künftig imposanter und internationaler werden – aber auch ökologischer.

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Wer künftig auf der Nord-Süd-Achse an Basel vorbeifährt oder als Transitpassagier den Flughafen Basel-Mulhouse anfliegt, soll die Stadt am Rhein künftig schon von Weitem sehen: Derzeit sind in Basel zahlreiche Hochhäuser im Bau oder in Planung – die markantesten entstehen auf den Firmengeländen von Roche und Novartis. «Sie werden prägend sein für unsere Stadt – neue Orientierungspunkte am Horizont», schwärmt Thomas Kessler, Leiter der Stadtentwicklung in Basel.

Hochhäuser sind für Kessler kein Allheilmittel, um der wachsenden Bevölkerung Herr zu werden. Sie sind eine Möglichkeit, um der Stadt ein charakteristisches, internationales Gesicht zu verleihen. «Basel ist ökonomisch und kulturell ein globaler Player. Nach dem Grundsatz ‹Form folgt Funktion› ist es nur ehrlich, wenn sich das auch im Stadtbild widerspiegelt», so Kessler. Heute bestehe Basel für die Millionen von Europäern, die Basel heute jährlich passierten, von Weitem vor allem aus Industrie- und Kläranlagen. «Da sind die entstehenden Bauten viel imposanter.»

Platz für bis zu 250‘000 Personen

Basel, das heute rund 196‘000 Einwohner zählt, soll in den nächsten zehn Jahren um 10‘000 bis 15‘000 Personen anwachsen. In zwanzig Jahren soll es maximal 220‘000 Einwohner zählen. Laut Kessler kein Problem: «Basel hatte 1970 fast 240‘000 Einwohner. Seither hat sich die Stadt stark entleert.» Da jedoch auch der Wohlstand und damit der Wohnflächenverbrauch in der Zwischenzeit zugenommen hat, muss allerdings eine Verdichtung stattfinden, damit einst wieder gleich viele Personen in Basel Platz finden können.

Auch hier sind Hochhäuser eine Option – eine von vielen: «An der Entenweide in Basel stehen die ältesten Wohnhochhäuser der Schweiz. Sie gehören zum Stadtbild, die Zufriedenheit der Mieter ist hoch, viele bleiben lange in ihren Wohnungen.» Kessler geht deshalb davon aus, dass auch weitere Wohnhochhäuser auf Akzeptanz stossen werden. Daneben soll allerdings auch eine Vielfalt an anderen Wohnformen entstehen. Etwa Clusterwohnungen, in denen Familien dann viel Fläche mieten können, wenn sie sie brauchen, und die auch für Senioren noch attraktiv sind. «Der Mix machts.»

1500 neue Veloparkplätze

Und was, wenn die Bevölkerung in zwanzig Jahren noch weiter wächst? Die bestehende Infrastruktur – Leitungen, Strassen, Energieversorgung – reiche für bis zu 250‘000 Personen, sagt Kessler. Danach sei eine Neubeurteilung nötig. Damit sich die wachsende Bevölkerung bis dahin nicht negativ auf die Lebensqualität auswirke, sei es zentral, Wohnungen in Gehdistanz zu den Arbeitsorten zu bauen. Dann gelinge es, den Verkehr zu beruhigen und gleichzeitig die Lebensqualität zu erhöhen.

Die Zukunft habe in diesem Punkt bereits begonnen, sagt Kessler. «Roche etwa geht mit gutem Beispiel voran: Bei Grossinvestitionen von über drei Milliarden baut die Firma keinen einzigen zusätzlichen Parkplatz, dafür 1500 neue Veloabstellplätze.» Strassen würden verkehrsberuhigt, Urban-Gardening-Projekte florierten. «Die Luft ist bei uns inzwischen so gut wie die in Davos.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schneider am 20.11.2014 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gier

    Natürlich hat der Stadtplaner keine Angst vor dem Bevölkerungswachstum. Gibt ja schliesslich Cash.

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  • B. Hoffmann am 20.11.2014 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Baut weiter..

    Durch die Rochetürme werden wieder attraktive Räumlichkeiten in der Innenstadt frei ..Das denken hört bei vielen beim "eigenen" Gartenhag leider auf. Unsere Wirtschaft funktioniert nur mit internationalen Synergien...

  • SoonToBeGone am 20.11.2014 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kontroverse Meinung

    Ich bin 100% Schweizer, mit Wurzeln weit zurück, Pass, ID und allem. Ich liebe grosse Städte. Ich kapiere nicht, warum wir keine Hochhäuser zulassen / haben. Ich würde hundert mal lieber in einem Apartment im 30. Stock, als in einem Haus auf dem Lande wohnen. Wenn Ecopop angenommen wird, werde ich nach meinem Master of Science auswandern. Exzellent bezahlte Jobs werde ich überall finden, aber auf eine rückwärts gewandte Bünzli-Schweiz kann ich gerne verzichten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • phiiraa am 21.11.2014 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, aber nicht schnell schnell!

    Alles entwickelt sich immer weiter, so auch unsere Städte. Die Hochhaus Projekte in Basel werden aber immer sehr gründlich geplant, es ist weder ein Wachstumboom wie in Nordamerika, noch irgendwelche schnell gebaute Betonklötze wie in Asien. Solange gründlich geplant wird (architektonisch, ökologisch, stadtfreundlich, finanziell usw.), begrüsse ich die Entwicklung in die Zukunft.

  • Küsche am 21.11.2014 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Zu hoffen

    Ist nur zu hoffen, dass genügent Platz übrigbleibt, um den imenesen Verkehr in dieser Stadt zu schlucken!!!

  • Stadtjunge am 21.11.2014 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stadtflucht

    Ich bin in der Stadt aufgewachsen. Mit 20 bin ich in den Aargau ausgewandert weil mir alles zu eng und zu viel wurde. Schaut euch die Stadt an: international ist Sie, von schweizern nicht viel zu sehen! Wollt Ihr Zustände wie in Manhatten? Auf grossen Wohnraum und ein Auto verzichten? Ich nicht! Es kann kein unbegrenztes Wachstum geben. Ja zu Ecopop!

  • oli senn am 21.11.2014 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bedenklich

    tja...wenn man bedenkt, das basel in einem erdbebenrisikogebiet liegt, ist das etwas bedenklich...

    • U. Müller am 21.11.2014 15:33 Report Diesen Beitrag melden

      alles im Mass, heisst es doch so richtig

      Tatsächlich. Das Fracking hat diese Erdbeben ausgelöst, aber egal, man macht trotzdem weiter! Wollen wir diesen grenzenlosen Kapitalismus noch fördern? Ich nicht, darum JA zu Ecopop. Weil irgendwann kommt dann die Quittung!

    • G.Ologe am 21.11.2014 15:54 Report Diesen Beitrag melden

      Erdbebenzone Oberrhein

      Auch vor dem Fracking gab es schwere Erdbeben , z.B. 1356, 1552.

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  • Rudolf Gerber am 21.11.2014 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voll super

    Basel! Die Stadt der Zukunft. Was gibt es denn da zu motzen? Hochhäuser sind voll hip und so. Bräuchten nur bald mal U-Bahn und Tuc-Tucs wie in Bangkok.