Göttliche Hilfe

15. Juli 2016 10:37; Akt: 15.07.2016 10:37 Print

Die Romands sind Fans des Gesundbetens

von Camille Kündig - Ihre Listen liegen sogar in Spitälern auf: Gesundbeter, die sogenannten «faiseurs de secrets», sind in der Westschweiz immer noch populär.

Georges Delaloye, Gebetsheiler, lindert die Schmerzen seiner Patienten per Telefon. (Video: RTS)
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Wer in der Romandie eine Beschwerde hat, hilft sich nebst Schulmedizin mit Gesundbeten. Egal, ob Warze oder lebensbedrohliche Verbrennung – allein ein Telefon an einen Gebetsheiler soll genügen, um das Leiden zu lindern. Im Gegensatz zu anderen Heilern beten die «faiseurs de secrets» gratis für die Patienten. Auch Tieren sollen sie schon geholfen haben.

Georges Delaloye, ein ehemaliger Rettungssanitäter ist ein solcher Gebetsheiler. Er wohnt und praktiziert in Martigny. «Wenn mich jemand anruft, visualisiere ich als Erstes seine Verletzung. Dann ziehe ich mich zurück und sage die Segensformel auf, die mir mein Bruder weitergegeben hat.» Häufig trete innerhalb weniger Minuten eine Linderung der Schmerzen und Symptome ein. Aber: «Das Gebet kann funktionieren, muss aber nicht», betont Delaloye. Diese Art des Heilens ist eine alte Praxis aus der katholischen Kirche. «Ich habe aber auch schon Muslimen, Juden und Atheisten geholfen», so der Walliser.

Kontakte der Heiler sind auch in Spitalern erhältlich

In der Westschweiz liegt auch in gewissen Spitälern ein Verzeichnis der Gebetsheiler auf. So beispielsweise in der Onkologie-Abteilung des interkantonalen Spitals HIB in Payerne VD. Murielle Rotzetter, Co-Pflegedienstleiterin, sagt: «Die Listen werden nicht offiziell genutzt. Jedoch steht es dem medizinischen Personal frei, in einem Gespräch mit den Patienten auf die Heiler zu verweisen oder ihnen das Verzeichnis zu geben. «Dies wird bei der Symptom-Bekämpfung von Radiotherapien ein Thema», so Rotzetter.

Auch auf der Notfallstation und in der Chirurgie des Spitals zirkulieren Nummern von Gebetsheilern. «Das Pflegepersonal nutzt die Nummern auf Eigeninitiative.» Das werde von den Chirurgen toleriert, ganz nach dem Motto: «Der Kontakt mit Gebetsheilern hat keinen negativen Einfluss auf die Therapie und ein Gratistelefonat schadet niemandem.»

Eine «lebendige Tradition»

Das Kantonsspital Jura verfügt laut Sprecher Olivier Guerdat ebenfalls über die Liste: «Unser Spital händigt sie interessierten Patienten aus. Das Ganze ist toleriert, aber nicht offiziell verankert.» In der Gegend würden viele Leute an die Gabe der Gebetsheiler glauben. Guerdat: «Erstaunlicherweise auch viele junge Jurassier.»

Das sogenannte «secret» ist sogar auf der Unesco-Liste der lebendigen Schweizer Traditionen. Das Bundesamt für Kultur schreibt in einem Beitrag, die Heilung durch Gesundbeten sei in der gerade in der Westschweiz eine «lebendige Tradition.».

Angeblich Verbrennung geheilt

E.T.*, Krankenschwester aus Freiburg, ist eine der Westschweizerinnen, die auf Gesundbeter schwört, obwohl sie diesen anfänglich eher skeptisch gegenüberstand. «Ich glaubte nicht wirklich daran. Aber als ich mich mit einer Pfanne heissem Wasser stark verbrühte, ermutigte mich eine Kollegin, anzurufen.» Zum Telefon hat die 30-jährige dann erst am Folgetag gegriffen. Trotzdem: Innerhalb einer Stunde seien die Schmerzen verschwunden. «Und obwohl die Verbrennung sehr stark war, habe ich heute keine einzige Narbe!»

Auch Claude Tornay, Buchhalter aus Martigny, hat gute Erfahrungen mit dem Gebetsheilen gemacht. «Ich habe mich immer über ‹das secret› lustig gemacht.» Vor einem Jahr an einer Grill-Party zog sich der Buchhalter dann starke Verbrennungen an den Händen zu. «Es bildeten sich sofort Blasen und die Schmerzen waren fast unerträglich» Doch dann nach fünf Minuten seien sie plötzlich wie weggeblasen gewesen: «Ein Kollege hat hinter meinem Rücken den Gesundbeter angerufen», so Tornay. Die Blasen seien noch zwei Tage lang geblieben, Narben habe er aber keine.

Für Dr. med. Raquel Keller, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin beim Arzthaus Zürich City, bleibt das Phänomen suspekt: «Ich habe noch nie eine solche Heilung miterlebt und dokumentiert oder wissenschaftlich erwiesen ist das Ganze ja nicht.» Schlussendlich müsse der Patient aber selber wissen, ob er eine solche Form von Therapie in Anspruch nehmen will. Sie betont: «Ein Segensspruch ersetzt aber sicher nie eine schulmedizinische Abklärung.»

Eine Konferenz über die Gebetsheiler (französisch):

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Not Ruf am 15.07.2016 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das kann jeder selber tun.

    Gott sagt:.... Und wenn du in Not bist, rufe mich an! Dann will ich dich retten und du wirst mich ehren! Psalm 50,15

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  • Theo am 15.07.2016 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt auch noch andere "Wunder"

    Meine Mutter, heute (genau heute!) 84 Jahre alt, hatte offene Beine. - Sämtliche Salben, Pülverchen, Medikamente, etc. haben nichts gebracht. Sie litt über 15 Jahre lang. - Da kam ein Imker daher und sagte, wir sollen einfach Honig draufschmieren. - Resultat: 7 Tage später waren die Beine besser als je zuvor und heute sind sie tiptop. - Ein Schulmediziner wäre gar nicht auf eine derart abstruse Idee gekommen.......

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  • Ueli am 15.07.2016 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Kulturen.

    Mich wundert, dass das im Sinne der Rücksichtnahme auf andere Kulturen nicht auch noch verboten wurde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pipine am 16.07.2016 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundbeten

    Ich bete oft . Auch für viele andere ..ich habe schon viele Jahre ein Herzensgebet..mir nützt es immer ! Ich weiss eines , der Himmel , hört einem immer zu !

  • Esse Dunkle Schokolade.. am 16.07.2016 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Hausarzt.....

    Mein Hausarzt würde sagen..probiers..weiter sagte er..habe schon Sachen erlebt die sogar für mich nicht erklärbar sind..

  • Judith am 16.07.2016 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aufwachen

    2016, und hier les ich sprüche, die direkt aus dem mittelalter kommen.

    • Heino am 16.07.2016 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Judith Echt???

      Hatten die da schon Internet?....cool, wieder was gelernt!

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  • patrick h. am 16.07.2016 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Glauben heisst nicht Wissen. Und ich weiss zu gerne! Tragisch wenn man im Jahre 2016 noch an Wolkengötter glauben muss.

  • Hochi am 16.07.2016 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt...

    Kann helfen muss aber nicht. Hahahaha lach mich weg.

    • Zumi am 16.07.2016 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hochi öööhm!

      Ich will dein Gelächter jetzt nicht unterbrechen... aber bei Medikamenten ist das genau so :-))!

    • Hochi am 16.07.2016 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zumi

      Ich bin Eppileptiker. Hatte einige Anfälle vor ettwa vier Jahren. Nehme seit dieser Zeit ein Medikament das die Anfälle unterdrückt. Bin mir nicht ganz sicher ob Beeten auch nützen würde. Will es auch nicht herausfinden.

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