Verhütung

19. Mai 2017 18:53; Akt: 19.05.2017 20:38 Print

«Ich bin 18 und bekomme im Juli Zwillinge»

von B. Zanni - Jasmin Hermann verhütete nicht. Jetzt bekommt sie Zwillinge. Und Nathalie Sabeur-Chouirefs vergass manchmal, die Pille zu nehmen.

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Youtube-Star Dagi Bee und zahlreiche andere junge Frauen haben die Antibabypille abgesetzt. Öffentlich schildern sie, wie sehr sie unter dem «Teufelszeug» litten. Gleichzeitig warnte der Beratungsdienst Schwanger-Hilfe.ch vor mehr schwangeren Teenagern.

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So ergeht es Jasmin Hermann. Die 18-Jährige erwartet im Juli Zwillinge. «Es war schon ein genug grosser Schock, als ich erfuhr, dass ich schwanger war», sagt Hermann. Erst beim dritten Frauenarzttermin habe sich herausgestellt, dass es sogar doppelten Nachwuchs gebe.

Sie sei leichtsinnig gewesen. «Ich verhütete gar nicht, weil ich dachte: Wenn vorher nichts passiert ist, wird auch jetzt nichts passieren.» Auf Kondome sei sie allergisch. «Und um die Pille regelmässig einzunehmen, bin ich ein zu vergesslicher Mensch.» Auch habe ihr das Mittel Angst gemacht. «Raucher sollen ja ein erhöhtes Thromboserisiko haben, wenn sie die Pille nehmen.»

Freund freute sich

Im Dezember bestätigte ihr Frauenarzt, dass sie schwanger sei. «Ich hatte meine Tage nicht mehr gekriegt. Auch waren meine beiden Schnelltests positiv ausgefallen.» Ihr Freund habe sich über die Nachricht gefreut. «Als er erfuhr, dass es Zwillinge sind, meinte er: ‹Haben wir gut gemacht.› Der 23-Jährige habe schon immer früh Vater werden wollen. «Ich hätte schon lieber noch bis 22 gewartet.» Demnächst zieht sie mit ihm und ihrer Mutter in eine Wohnung. «Sie wird uns mit den Babys unterstützen.»

Ihre Lehre unterbricht Hermann vorläufig. «Manchmal habe ich Angst und frage mich, ob ich das alles schaffe mit zwei Kindern.» Dass Abtreiben nie infrage kommen würde, war für die junge Frau schon immer klar. «Da ist ein Leben in einem drin.» Und: «Trotz allem freue ich mich riesig über den Nachwuchs und bereue nichts.»

«Ich nahm die Pille nicht regelmässig»

Nathalie Sabeur-Chouiref (36) wurde mit 17 Jahren schwanger. «Auf dem Nachhauseweg von der Schule lernte ich meine erste grosse Liebe kennen», sagt sie. Sie und der Afrikaner wurden bald ein Paar und zogen zusammen. «Vielleicht vier oder fünf Monate später wurde meine Monatsblutung plötzlich unregelmässig.» Beim Frauenarzt habe sie erfahren, dass sie im dritten Monat schwanger sei.

Sie habe mit der Pille verhütet. «Aber ich nahm sie nicht regelmässig. Vergass ich sie mal wieder, machte ich mir keinen Kopf.» Verhütung sei auch unter ihren Freunden kein grosses Thema gewesen. Abtreiben wäre für sie aber nie infrage gekommen. «Ich wuchs ohne Vater auf und spürte von meiner Mutter keine Liebe. Ich sah mein frühes Mutterglück als Schicksal.»

Schule abbrechen

Die Mittelschule musste Sabeur-Chouiref abbrechen. «Schwangerschaften sind ansteckend», habe der Rektor gesagt. «Er glaubte, dass meine Mitschülerinnen dann auch unvorsichtig würden, wenn sie mich mit meinem herzigen Baby sähen.»

Weil ihr Freund sie betrog, ging ihre Beziehung in die Brüche. Ihre Tochter zog sie allein in einer Wohnung oberhalb ihrer Mutter auf. Um nicht mehr vom Sozialamt abhängig zu sein, wollte sie eine Lehre machen. «Die Stelle, die ich gut mit meinem Kind hätte vereinbaren können, wurde dann aber leider wegen Sparmassnahmen gestrichen.»

Mittlerweile hat Sabeur-Chouiref einen KV-Abschluss in der Tasche und arbeitet zu 100 Prozent. «Ich bin stolz, was ich in meinem Leben trotz der ungewollten Schwangerschaft alles erreicht habe.» Ihre Tochter Laura ist heute 18-jährig. «Sie ist ein so tolles Mädchen. Ich bin froh, dass sie so herausgekommen ist, wie ich es mir wünschte.»