Gewitter in der Schweiz

31. Juli 2017 00:03; Akt: 31.07.2017 16:02 Print

Unwetter sorgten für chaotische Nacht

Heftige Gewitter haben in mehreren Kantonen Spuren hinterlassen. Sicherheitskräfte haben ausrücken und teils Personen evakuieren müssen.

Hagel und Regen suchten verschiedene Regionen der Schweiz heim. (Video: Tamedia/Leserreporter)
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In mehreren Kantonen hatten am Wochenende unwetterartige Gewitter für Verwüstung und Chaos gesorgt. Bei der Baselbieter Polizei gingen nach 19 Uhr rund 30 Meldungen über Gewitterschäden ein, wie sie am Montagmorgen mitteilte. Mehrheitlich ging es um geflutete Keller nach starkem Regen. Allein in Röschenz BL musste die Feuerwehr achtmal ausrücken, in Liestal sechsmal. Nach 21 Uhr beruhigte sich die Lage. Verletzt wurde niemand.

Hagelsturm wütet in der Schweiz

Wetterdienste hatten vom späteren Nachmittag an mehrfach vor aufkommenden Gewittern der Stufe 2 respektive Stufe rot mit Hagelgefahr, Starkregen und Sturmböen in der Region Basel gewarnt. Diese zogen von Südwesten her aus dem Jura und dem Elsass über die Region Basel hinweg bis ins Südbadische und den Schwarzwald. Über der Stadt entleerten sich drei Gewitter hintereinander, teils mit Getöse, Himmelslightshow und überforderten Dachkäneln. Nennenswerte Schäden in Basel-Stadt sind indes der Polizei keine gemeldet worden.

DB-Unterbruch

Mehr Pech hatten Reisende der Rheintalstrecke der Deutschen Bahn (DB): Bei Orschweier unweit des Europaparks beschädigte ein Unwetter die Oberleitung, weshalb der ganze Nord-Süd-Bahnverkehr für rund drei Stunden unterbrochen war - von Norden endete die Bahnfahrt in Karlsruhe, aus Basel in Freiburg im Breisgau. Für gestrandete Reisende stellte die DB in Karlsruhe und Freiburg Hotelzüge bereit.

Die DB meldeten den Streckenunterbruch um 21.30 Uhr. Wegen regulär geplanter Bauarbeiten steht beim betroffenen Abschnitt derzeit nur ein Gleis zur Verfügung. Am frühen Morgen folgte der Bescheid, dass die Strecke nach der Reparatur von rund 600 Metern Oberleitung seit etwa Mitternacht wieder befahren werden konnte.

Während des Streckenunterbruchs pendelten zwischen Karlsruhe und Freiburg Ersatzbusse - Fahrpläne sind so kaum einzuhalten. Zeitweise sassen dazwischen in Offenburg (D) hunderte Bahnreisende fest; am Busbahnhof versorgten Feuerwehr und Rotes Kreuz Gestrandete. Viele warteten mit Gepäck bei leichtem Regen unter freiem Himmel.

Talstrasse im Unterengadin für eine Woche gesperrt

Das Unterengadiner Seitental Val S-charl bleibt nach den Unwettern eine Woche für den Verkehr gesperrt. Die Räumungsequipen arbeiteten am Montag mit Hochdruck an der Wiederherstellung der Talstrasse.

Gegen zehn Rüfen hatten am Samstagabend die Strasse ins Unterengadiner Seitental Val S-charl an mehreren Stellen verschüttet. 15 Personen waren in Autos auf der Strecke blockiert und mussten mit dem Helikopter aus dem Tal geflogen werden. Das Unwetter traf das Seitental heftig.

Helikopter transportieren Personen

Die Talstrasse werde rund eine Woche geschlossen bleiben, sagte der Gemeindepräsident von Scuol, Christian Fanzun, am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Damit der Zugang zum Tal rasch wieder hergestellt werden kann, werden nur die kleineren Rüfen geräumt. Über die grösseren wird ein Weg angelegt.

Ins Tal rein und wieder hinaus werden Personen vorerst mit Helikoptern der Heli Bernina geflogen. Die nach den Unwettern gekappte Stromversorgung wurde am Montag mit einem Provisorium wieder funktionstüchtig gemacht. Etwa 50 Personen waren am Sonntag evakuiert worden. Verletzt wurde niemand.

Rhätische Bahn spürt Gewitter

Weitere heftige Gewitter führten am Sonntagabend zu Behinderungen auf dem Streckennetz der Rhätischen Bahn (RhB). Wie die Bahn am Montag meldete, waren die Albulalinie, die Arosalinie sowie das Prättigau zwischen Saas und Serneus betroffen, wo Bäume auf die Fahrleitung fielen.

Fahrgäste wurden mit Ersatzbussen und mit Taxis befördert. Es kam zu Verspätungen. Die Arosalinie konnte am Sonntagabend um 21 Uhr wieder freigegeben werden. Seit Betriebsbeginn am Montagmorgen verkehrten alle Züge der Rhätischen Bahn wieder gemäss Fahrplan.

Heftige Unwetter in der Südschweiz

Intensiver Regen in Chur

Über die Stadt Chur war am späteren Sonntagnachmittag ein Gewitter mit intensivem Regen gezogen. Die Polizei rückte wegen überfluteter Keller, Strassen und Unterführungen sowie wegen eines umgestürzten Baumes aus. Zudem fiel ein Baum auf eine Stromleitung, und ein Teil einer sich im Bau befindenden Strasse wurde weggespült.

Personen kamen nicht zu Schaden, wie Roland Hemmi, stellvertretender Polizeikommandant, auf Anfrage erklärte. Nebst der Stadtpolizei standen die Feuerwehr Chur mit zwölf Personen, die Industriellen Betriebe und die Werkbetriebe der Stadt sowie eine Sicherheitsfirma im Einsatz.

Starker Regen beendet Zeltlager

Zu einer Evakuierungsaktion kam es am Samstagabend auch in Engelberg OW: Dort musste nach einem heftigen Gewitter ein Zeltlager seinen Platz räumen. Personen seien keine zu Schaden gekommen, teilte der Gemeindeführungsstab in der Nacht auf Sonntag mit.

Die Teilnehmer des Zeltlagers aus dem Kanton Schwyz hätten vorübergehend bei einer Bauernfamilie Unterschlupf gefunden, hiess es. Die Eltern seien noch am Abend durch die Lagerleitung orientiert worden. Sie hätten ihre Kinder unverletzt in Engelberg abholen können.

Golfplatz überflutet

Ausserdem wurden Teile des Golfplatzes in Engelberg überflutet und mit Geröll zugedeckt. Er bleibt vorerst geschlossen. Vom Unwetter betroffen war auch das «Winnetou» Freilichtspiel. Zur Wahrung der Sicherheit der Besucher und Mitwirkenden und weil die Naturbühne nicht bespielbar war, habe die Aufführung nicht stattfinden können.

Andernorts in der Innerschweiz regnete es in der Nacht auf Sonntag aber kaum, wie Felix Blumer von SRF Meteo auf Anfrage sagte. Für das Unwetter in Engelberg sei eine extrem lokale Gewitterzelle am Rand der Gemeinde verantwortlich gewesen. Sogar die Messstation in Engelberg selbst habe nur geringe Regenmengen verzeichnet.

Zu viel Regen für den Rasen

Viel Regen gab es allerdings im Tessin und in Graubünden. Nach Angaben von SRF Meteo fielen in Lugano TI innert kürzester Zeit 34 Millimeter Regen. Das war zu viel für den Rasen im Fussballstadion: Das Super League-Spiel zwischen Lugano und St. Gallen musste abgebrochen werden. Auch sonst habe es im südlichen Tessin grosse Regenmengen gegeben. In Stabio bei Chiasso wurden 27,5 Millimeter Regen gemessen.

Am Flüelapass führte der heftige Regen zu einem Erdrutsch. Die Beifahrerin eines Motorradfahrers wurde dabei leicht verletzt: Ein herunterfallender Stein traf sie an der Schulter. Sie wurde von Drittpersonen ins Spital Davos gebracht, wie die Bündner Kantonspolizei mitteilte. Die Passtrasse blieb bis am frühen Sonntagmorgen geschlossen.

Wetterlage bleibt «explosiv»

Zu Verkehrsbehinderungen wegen heftiger Gewitter kam es auch an der Ofenpassstrasse sowie im Bergell. Dort wurden laut SRF Meteo 22,6 Millimeter Regen verzeichnet. Allerdings müsse aufgrund der Schäden davon ausgegangen werden, dass lokal noch deutlich grössere Regenmengen niedergingen. Verletzte gab es keine, allerdings wurden laut Kantonspolizei parkierte Autos durch Schlamm und Geröll leicht beschädigt.

Die Situation dürfte sich – zumindest wettermässig – vorerst nicht entschärfen. SRF Meteo erwartet für die nächsten Tage sehr warme Temperaturen und weitere Gewitter: Die Wetterlage bleibe «explosiv».

(chi/fal/chk/kaf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bonsyM1 am 30.07.2017 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher...

    ...kam ein heftiges Gewitter und hat am Tag danach was in der Zeitung Gelesen! Heute ist man Live mit dabei!Komische Welt!

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  • Faules Schwein am 30.07.2017 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    War schon immer so ;-)

    Nach em Räge schint Sunne, nachem Briege wird glacht tuja tuja ho. .....

  • R.B. am 30.07.2017 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwetter

    heftig wau.... hoffe kommt nicht in die Ostschweiz!! Gewitter zwar angekündigt aber noch nicht gekommen !! jetziger Zeitpunkt 16:41 noch alles ruhig....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sei etwas Wachsam und kritisch am 31.07.2017 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Augen und Verstand benutzen

    HAARP, ELF-Wellen und Chemtrails. Wer das als Verschwörungstheorie diffamiert, will sich nicht auf sachliche Diskussionen einlassen, sondern verhält sich wie ein verbohrter, untoleranter Gläubiger, der seinen Glauben und Vertrauen blind verschenkt.

  • Pedro am 31.07.2017 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Erwärmung Atmosphäre

    Wegen der Klimaerwärmung wird mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre gespeichert was dann zu stärkeren Niederschlägen führt. Warme Luft kann mehr Wasser speichern als kalte.

  • M. Viani am 31.07.2017 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur Unwetter

    Ich finde es gut das es Gewitter gibt aber nicht in dem Ausmass Unwetter artig mit überschämmug es ist halt Natur Oke der Mensch macht auch viel zB Chemie hinauf lassen zB FCKW oder sonstiges irgend wie mus es wieder in einer Form runter komme vom Himmel sei es Gewitter oder nur regen Natur Gewalt ist nicht zu unter schätzen

  • R.Indli am 31.07.2017 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Zum Glück keine Personen verletzt oder Schlimmeres.Es gibt aber noch andere Lebewesen die in Gefahr waren und noch sind!Nämlich die Schafe und Kühe,Pferde usw.die auf den Alpen parkiert sind.Ist aber scheinbar keine Erwähnung wert.Macht mich traurig.

    • Catlover am 31.07.2017 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R.Indli

      Stimmt da haben sie recht! Ich denke auch an die Tiere auf der Alp. Sie können kaum irgendwo Schutz finden. Tiere tun mir genau so leid wie Menschen wenn ihnen etwas zustösst.

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  • Catlover am 31.07.2017 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Ich finde es seltsam, die Unwetter haben in letzter Zeit stark zugenommen.. immer unberechenbarer.. Möglicherweise wieder der Mensch der herum manipuliert...die heutige Technik macht vieles möglich...habe schon einige Berichte darüber gelesen und war eher skeptisch, aber die Realität lässt etwas anderes vermuten.

    • iwy vom berg am 31.07.2017 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      extreme wetterperioden

      ihre vermutung stimmt und wir müssen uns der realität stellen. vor 10 jahren sagte uns ein befreundeter klimatiloge(ETH), dass alle wettersituationen in extreme perioden ausarten werden. haben es zuvor schon an hanglage kanton zug erlebt und sofort umbauliche massnahmen ergriffen. hat sich bis jetzt bewährt. auf ratschläge von experten sollte man hören.

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