Infosekta

16. April 2015 22:34; Akt: 16.04.2015 22:34 Print

Welche Sekten Schweizer am meisten ängstigen

Bei der Beratungsstelle Infosekta haben sich 2014 deutlich mehr besorgte Menschen gemeldet als im Vorjahr. Besonders häufig ging es um die Zeugen Jehovas und Scientology.

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Scientology und die Zeugen Jehovas beschäftigten die Berater der Infosekta am häufigsten. (Bild: Keystone/Paul Buck)

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Die Sekten-Beratungsstelle Infosekta zählte im vergangenen Jahr erneut mehr Anfragen. Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht 2014 nehmen seit längerem zwei Gruppierungen die Spitzenplätze in der Infosekta-Anfragestatistik ein: Scientology, der in der Schweiz noch 800 bis 900 Mitglieder angehören, und die grosse Gemeinschaft der Zeugen Jehovas mit rund 19'000 Mitgliedern in der Schweiz.

Die beiden Gruppen hätten bei allen Unterschieden gewisse Parallelen, schreibt die Beratungsstelle: Beide fokussierten auf einen künftigen idealen Zustand, beide wollten möglichst viele Menschen für ihre Doktrin gewinnen, beide missachteten die Bedürfnisse und Rechte von Kindern, und beide forderten von ihren Mitgliedern absoluten Gehorsam.

20 Stunden Arbeit neben den Hausaufgaben

Scientology etwa verlange von Mitgliedern, den Kontakt zu Personen – auch nächsten Angehörigen – abzubrechen, wenn diese der Organisation oder der Lehre kritisch gegenüberstehen. Zudem würden Teenager dazu verpflichtet, neben der Schule 20 Stunden pro Woche für die Organisation zu arbeiten. Mitglieder der Zeugen Jehovas werden dazu angehalten, Abtrünnige, die aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden, nicht einmal mehr zu grüssen. Laut Infosekta gilt dies selbst für Partner und Familienmitglieder.

Die Zeugen Jehovas würden oft unterschätzt. Doch: Von den Mitgliedern wird erwartet, dass sie monatlich zehn Stunden Missionsdienst leisten. Dazu kommen weitere Verpflichtungen wie die Teilnahme an Versammlungen zweimal in der Woche und das Bibelstudium daheim. Auch Kinder müssen an den Versammlungen teilnehmen. In einem kürzlich erschienenen Film wurde den Kleinen beigebracht: Wer nicht aufpasst, stirbt. Die Angst werde bereits Kleinkindern eingeimpft, wie die Beratungsstelle schreibt.

Auch Kirschblütengemeinschaft und Islamisten ein Thema

Neben diesen beiden Sekten verzeichnete die Beratungsstelle auch Anfragen wegen Anbietern, die sich dem Gedankengut des ehemaligen Vereins zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM) verpflichtet sehen, sowie zur umstrittenen Kirschblütengemeinschaft von Samuel Widmer in Lüssingen-Nennigkofen SO.

Auch vereinzelte Anfragen zu islamischen Gruppen seien bei Infosekta eingegangen. Angehörige hätten sich zunehmend um Jugendliche gesorgt, die von solchen Gruppen gezielt angeworben wurden und sich zu verändern begannen.

Vorwiegend Anfragen von Privaten

Infosekta verzeichnete im vergangenen Jahr 987 Erstkontakte. Dies entspricht einer Zunahme um 21 Prozent. Zusammen mit 1068 Folgekontakten (plus 14 Prozent) waren dies 2055 Beratungskontakte, wie es im Bericht heisst.

87 Prozent der Anfragen kamen aus der Deutschschweiz, 11 Prozent aus dem Ausland. Aus der französischen und italienischen Schweiz seien nur wenige Anfragen eingegangen, heisst es. Drei von vier Beratungsanfragen kamen von Privatpersonen, die übrigen von verschiedensten Institutionen wie soziale Dienste, Jugendpsychiatrische Dienste, Schulbehörden, Jugendämter und dergleichen.

In fast 75 Prozent der Anfragen ging es um konkrete Gruppen. 32 Prozent der Ratsuchenden sorgten sich um Angehörige oder sonst nahestehende Personen, die in den Einflussbereich einer Sekte geraten waren. 2 Prozent der Anrufe kamen von aktiven Mitgliedern einer Gruppierung, 5 Prozent von Ehemaligen.

(vro/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin S. am 16.04.2015 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scientology ist eine Macht

    Gewisse Leute wollen es vielleicht nicht so genau wissen, wer sich aber damit beschäftigt weiss, dass Scientology sehr mächtig und mit einem weltweiten Netz verbreitet ist. Und sie haben Einfluss: Auf die Politik, Medien, Polizei, Gericht, ... Nur keine Angst, dass sie sich ausbreiten. Sie sind bereits überall.

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  • Kurt Spalinger am 16.04.2015 23:54 Report Diesen Beitrag melden

    Definiere Sekte...!

    Jeder Mensch soll selbständig ohne physischen oder psychischen Druck wählen können ob er einer Weltanschauung zugehören will oder nicht und diese auch ohne Einschränkung wieder verlassen können.

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  • Anonym am 16.04.2015 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einlenken

    Ich hoffe der Bund lenkt ein, bevor ein grosser Teil unserer Gesellschaft, mit Gehirnwäsche, in diese Sekten reingezogen wird. Ich möchte nur, dass meine Kinder wenigstens die Möglichkeit haben, in einem gesundem Umfeld aufzuwachsen. Es ist ja bekannt, dass Sekten Menschenleben zerstören können. Ich kann nur hoffen dass sie, zumindest in der Schweiz, keinen grossen Zuwachs bekommen wie in den usa.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Werwill Daswissen am 17.04.2015 23:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Wenn und Aber

    Die Mittel heiligten schon immer den eigenen Zweck!Dabei geht es bei denen (UND ANDEREN) nur um eines: Ausgrenzung der Einen, Einschränkung der Eigenen

  • Marco am 17.04.2015 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    ZJ beteiligen sich an keinen Kriegen

    Zeugen Jehovas zwingen ihre Kinder nicht Kopftücher und Burkas zu tragen, sie dürfen auch in den Schwimmunterricht, es gibt auch keine Zwangskindestaufen noch kennen sie das Zölibat, ja selbst Verhütung und Alkoholgenuss sind erlaubt. Und sie waren schon immer Pazifisten und selbst während des Nationalsozialismus politisch neutral. (Im Gegensatz zur kath. Kirche - siehe Reichskonkordat 1933)

  • Anonymous am 17.04.2015 22:22 Report Diesen Beitrag melden

    Mal nachdenken!

    Gerne wollte ich mal in die Runde fragen, ob es Angstmacherei und Panikmache ist, einem Kind zu sagen: "Wenn du nicht rechts und links schaust, bevor du über die Strasse gehst, kannst du überfahren werden!" Ein Kind hat eine lebhafte Phantasie. Und Warnungen darf man trotzdem nicht pauschal als Angstmacherei bezeichnen. Anderer Punkt: Wenn man mit Kindern Geburtstag oder Weihnachten feiert, werden sie dann in der Regel dazu gezwungen? Ich sehe das nicht so. Man sollte auch das Nicht-Feiern nicht pauschal als Zwang darstellen.

  • Anonym am 17.04.2015 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bilden die sich eine eiGene Meinunf bitte! 

    Ich möchte nur mal klarstellen dass Zeugen Jehovas niemanden bekehren, abzocken, unterdrucksetzten oder nerven möchten!! Zj finanzieren ihr weltweites Werk mit FREIWILLIGEN Spenden und zocken daher ihre Mitglieder nicht ab. Und was über die Kinder geschrieben wurde, ist totaler Quatsch!! Man sollte lieber mal in eine Versammlung gehen und sich selber ein Bild vom ganzen machen:) Im Predigtdienst versuchen sie ausserdem niemanden zu bekehren geschweige denn jemanden zu stören! Wenn sie keine Zeit, oder kein Interesse haben können sie dies ruhig sagen.

  • Blender am 17.04.2015 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Offensichtlich...

    ...beteiligen sich hier ganz viele dieser "Gemeinschaft" an der Diskussion, ansonsten kann ich mir die vielen Daumen runter, sobald sich jemand kritisch äussert nicht erklären. Naja mir solls egal sein, jeder soll glauben was er möchte, aber hört endlich auf andere zu belästigen mit eurer Missioniererei! Traurig das eure Kinder keine Wahl haben. Und jetzt liebe ZJs drückt bitte kräftig Daumen runter.