Salz in Fertigprodukten

19. Juli 2016 13:07; Akt: 19.07.2016 13:07 Print

«Wir verkaufen der Bevölkerung heute Gift»

Schon mit einer Portion Fertigspaghetti isst man zu viel Salz. Ein SP-Politiker will die Salzmenge in Lebensmitteln nun per Gesetz limitieren.

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Schweizer essen salzig: Statt der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen 5 Gramm pro Tag – das entspricht etwa einem Teelöffel – sind es laut der letzten Erhebung durchschnittlich 9,1 Gramm. Wie leicht man die empfohlene Tagesdosis überschreitet, zeigt ein Blick in die Regale eines Grossverteilers: Ein Wurst-Käse-Salat (325 g) enthält 4,9 Gramm Salz – die Fertigspaghetti «Caprese» (400 g) 5,2 Gramm und selbst in unverdächtigen Cornflakes steckt eine beträchtliche Menge Salz.

Für den Genfer SP-Nationalrat Manuel Tornare ist klar: Die freiwilligen Versprechen der Lebensmittelhersteller zeigen zu wenig Wirkung. Nun fordert er den Bundesrat in einem Vorstoss auf, die Salzmenge in industriell hergestellten Lebensmitteln gesetzlich zu beschränken.

«Salz überdeckt Geschmack schlechter Zutaten»

«Die Lebensmittel enthalten zu viel Zucker, zu viel Salz. Wir verkaufen der Bevölkerung heute Gift», sagt Tornare zu 20 Minuten. Gerade die Gesundheit jener Menschen sei gefährdet, die nicht nur bei Globus Bioprodukte einkaufen könnten. «Junge konsumieren auswärts immer mehr Fertigprodukte oder Fast Food, die zwecks Konservierung grosse Mengen Salz enthalten.»

Gleichzeitig überdecke das viele Salz den Geschmack von Zutaten zweifelhafter Qualität und rege den Durst an – was wiederum den Absatz von Softdrinks und Alkohol fördere. Dass die Lebensmittel mit weniger Salz fade schmecken, glaubt Tornare, der selbst kaum Salz isst, nicht. «Im Gegenteil, man schmeckt wieder mehr von den Lebensmitteln.»

Es sei «naiv», allein auf die Eigenverantwortung der Leute zu zählen. «Das hat nichts mit Bevormundung zu tun.» In den 70er-Jahren habe man sich mit ähnlichen Argumenten gegen die Gurtenpflicht oder das Rauchverbot gewehrt. Aber: «Die Volksgesundheit ist wichtiger als wirtschaftliche Interessen.» Mediziner unterstützten seinen Vorstoss: Zu viel Salz erhöhe den Blutdruck und begünstige Herz-Kreislauf-Krankheiten, so Tornare, der auch Restaurants zur Deklaration des Salzgehalts verpflichten will.

«Es wäre mit Geschmackseinbussen zu rechnen

Der Bund will mit seiner 2008 lancierten Salzstrategie den Salzkonsum kurzfristig auf acht, längerfristig auf fünf Gramm pro Person und Tag senken. Statt auf Vorschriften setzt er bisher aber auf Aufklärung und freiwillige Initiativen der Lebensmittelhersteller. Als Erfolg vermeldete das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit letztes Jahr, dass der Salzgehalt im Brot seit 2011 deutlich gesunken ist und nun unter 1,5 Gramm pro 100 Gramm liegt.

Die Branche wehrt sich denn auch gegen eine staatlich verordnete Salzlimite: «Es stimmt, laut dem Bund konsumieren wir zu viel Salz – auch, weil bei verarbeiteten Lebensmitteln der Salzgehalt teilweise hoch ist. Wir setzen aber auf freiwillige Massnahmen und eine klare Deklaration der Nährwerte», sagt Patrick Marty von der Interessensgemeinschaft Detailhandel Schweiz, zu der etwa Migros und Coop gehören. Die Konsumenten müssten weiterhin eine Wahlfreiheit haben. «Würde das Salz auf einen Schlag massiv reduziert, wäre mit Geschmackseinbussen zu rechnen.» Es brauche darum eine etappenweise Reduktion, damit sich die Konsumenten an den tieferen Salzgehalt gewöhnen könnten.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sergio am 19.07.2016 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Dies ist unnötig und führt nur dazu, dass mehr Glutamat und Hefexetrakt als Geschmacksverstärker zum Einsatz kommen. Ich bekomme jetzt schon im Migros Fleischregal praktisch keine Fleischprodukte ohne Glutamat, dann hat es davon noch mehr drin. Es wäre viel wichtiger, dass die Kennzeichnung für Salz, Zucker und Geschmacksverstärker geändert werden. Auf der Packung sollte es rund herum Bänder in Farben haben, welche den Anteil im Produkt sofort sichtbar machen. Das heisst eine 0,5l Eistee PET hätte dann etwa bis zu einem drittel der Flasche rundherum einen roten Streifen der für Zucker steht.

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  • w29 am 19.07.2016 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naka

    kocht wie ich einfach selber (vor) für die Arbeit etc dann habt ihr das Problem nicht

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  • Reto am 19.07.2016 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn

    Wahnsinn: was wir nicht alles verbieten sollten. Salz, Zucker, Fleisch, ... - wann verbieten wir gesetzliche Vormundschaft oder diesen Schwachsinn?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 21.07.2016 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir leben nicht mehr länger

    Unsere Kinder werden voraussichtlich nicht mehr so alt wie unsere Eltern. Der Grund ist die fehlende Bewegung und die schlechten Nahrungsmittel. Aber wie so viele schreiben. Jeder darf selber wählen, an was er sterben will. Aber ist doch schön, wenn wir uns für ein Sterben entscheiden, welches ein paar Leuten mächtig Geld in die Kassen spühlt. Also esst den auf Basis von Profit hergestellten Food. Alles im Sinne der Wirtschaft. Anders gesagt unterstütze ich die Forderung nach einer oberen Grenze. Wem würde es schaden?

    • Freeman am 21.07.2016 20:50 Report Diesen Beitrag melden

      Der Freiheit ...

      ... und dass jeder Mensch selbstbestimmt und Verantwortungsvoll das Leben leben darf - dazu er ja nicht gefragt wurde, ob er auf diese Welt in so ein System geboren werden möchte - ohne irgend eine Wahl haben zu dürfen.(?)

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  • Lukas L. am 21.07.2016 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso die Aufregung?

    Jeder Konsument von Nikontin und Alkohol braucht sich keine Gedanken über die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln zu machen!

    • Freeman am 21.07.2016 19:35 Report Diesen Beitrag melden

      Warum...

      ...nicht - wie meinst du das genau?

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  • ben bo am 20.07.2016 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super stop aspartan

    das ist super , und verbietet noch aspartan... ist kreberegend und sogar in den medis der ärtze drin. aspartan ist in china verboten, in der schweiz legal, billiger süsstoff

  • Dolfius Schwan am 20.07.2016 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sschon wieder ein Soz mit Schnapsidee

    Die Sozen sollten sich aufs Armstrecken, die Abschaffung des Kapitalismus und die Errichtung der Diktatur des Proletariats konzentrieren statt sich nicht mit solchen Kinkerlitzchen abzugeben.

  • Freeman am 20.07.2016 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Der Konsument ...

    ... hat es ja in der Hand und könnte bestimmen, was in den Regalen steht. Denn werden gewisse Produkte einfach gemieden, werden sie schlussendlich auch nicht mehr im Regal stehen! Leider müsste 'man' etwa 80% der Produkte in den Regalen weglassen, wenn 'man' den wahren Gesundheitsaspekt im Auge hat. Konsumiert einfach bewusster und informiert euch unabhängig - im Netz gibt es genug Quellen. Siehe auch ältere Posts hier. :-) Man sollte halt auch etwas tun dafür, sich ein Bild mit Pro und Contra machen zu können und am Schluss das eigene Herz noch fragen, dann kommt's schon gut :-)