Schweizer Aufschrei

18. Oktober 2016 20:47; Akt: 28.10.2016 18:23 Print

Ist Aline Trede selber eine Sexistin?

Politikerin Aline Trede von den Grünen wirft Ex-Kollegen sexuelle Belästigung vor. Gemäss einem SVP-Kantonsrat ist sie aber nicht viel besser.

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Im Zuge des «Schweizer Aufschreis» bezichtigte Grünen-Politikerin und Ex-Nationalrätin Aline Trede zwei ihrer ehemaligen Ratskollegen des Sexismus. Für SVP-Kantonsrat Claudio Schmid hat sie sich damit selbst ein Ei gelegt – er hat im Zeitungsarchiv gewühlt. «Würstchen gehören auf den Grill, starke Frauen in den Nationalrat»: Mit diesem Slogan warb Trede 2015 mit Kathrin Bertschy (GLP) und Lea Kusano (SP) für einen grösseren Frauenanteil im Bundeshaus. Sebastian Frehner (SVP) fand den Slogan damals plump. «Lustig ist anders. Ich sage ja auch nicht: ‹Schnecken zur Vorspeise, Männer in den Nationalrat.›» Trede warf ihm deshalb vor, «prüde» zu sein.

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Auf Twitter teilte Schmid den Beitrag unter dem Hashtag #OMG («Oh my god»). «Warum macht jemand ein solches Gstürm, der sich vor eineinhalb Jahren selbst verhauen hat?», sagt er auf Anfrage. Eins auswischen wolle er Trede mit dem Post nicht. «Ich will ihr nur den Spiegel vorhalten.» Die Sexismusdebatte interessiere ihn auch nicht: «Die ganze Diskussion ist völlig übertrieben.»


«Eine persönliche Attacke ist verletzender»

Aline Trede will sich dazu nicht äussern. Christa Binswanger, Geschlechterforscherin an der Universität St. Gallen, sagt, sie sei vom Wortlaut des Slogans nicht begeistert. «Ein Würstchen assoziiert ein männliches Glied, das ist sexistisch.» Sie rät von sexistischen Witzen ab: «Die sind in den allermeisten Fällen nicht konstruktiv.»

Dennoch verteidigt sie die Politikerin. «Eine persönliche Attacke auf Frau Trede ist verletzender als eine öffentliche Kampagne.» Generell seien sexistische Witze von Männern über Frauen heute noch weit verbreitet. Mit dem Slogan hätten die Politikerinnen lediglich einen gesellschaftlichen Mechanismus gedreht. «Das macht Frau Trede nicht zu einer Sexistin im Stile ihrer ehemaligen männlichen Ratskollegen.»

Auf Telebärn behauptete Aline Trede, der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät habe sie sexuell belästigt. Während einer Veranstaltung habe sie plötzlich die Hand des Stapis auf ihrem Knie gespürt. Auch Andreas Aebi bleibt nicht verschont. Dem SVP-Nationalrat und Landwirt wirft Trede vor, sie wegen ihres Beckens mit einer Kuh aus seinem Stall verglichen zu haben.

Wir suchen Kandidatinnen und Kandidaten für eine Gesprächsrunde. Sind Sie eine Frau und haben Sexismus erlebt? Sind Sie ein Mann und wollen sich zur aktuellen Sexismusdebatte äussern? Dann melden Sie sich hier:

(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • No. Lang am 18.10.2016 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Endlich hat es Aline Trede geschafft, wieder in die Schlagzeilen zu kommen. Im Nationalrat war dies natürlich einfacher. Seit ihrer Abwahl, die sie bis heute nicht verdaut hat, suchte sie 12 Monate lang vergeblich das Scheinwerferlicht.

  • Sepp Maier am 18.10.2016 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Aline wer?

    stimmt, die Frau, welche ohne etwas zu verändern wieder aus dem Nationalrat geflogen ist. Tönt bitter, war aber so.

  • Ein Mensch am 18.10.2016 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich

    Ich kann es nicht mehr hören und lesen auch nicht! Wenn es einen selbst betrifft, dann ist alles immer doppelt und dreifach so schlimm, wenn es dann aber andere angeht, dann ist es plötzlich lustig. Solche Leute wie Frau Trde gehören NICHT in die Politik, dort braucht es Leute (egal welchen Geschlechts) die sachlich das Schweizer Volk vertreten und unser Land in die Zukunft leiten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Enis am 18.10.2016 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ach chömed jetzt

    Wow haben wir Probleme. Sexismus der klar gegen eine Person gerichtet ist, ist ein now go. Würstchen auf den Grill, oder wenn dann auch Schnecke zur Vorspeise. Ach come on... Hört doch auch und macht eure Arbeit als Politikerinnen und Politiker.

  • Fabian am 18.10.2016 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Perfekt oder gar nicht

    Beim Sexismus gibt es kein wie du mir so ich dir, ansonsten kann man die ganze Diskussion gleich sein lassen.

  • Alexander am 18.10.2016 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Attacke.

    Ja, es ist wahrhaftig eine verheerende Attacke gegen Frau Trede gewesen. Und selbst wenn sie mit dem Slogan nur im kleinen Sinne den gesellschaftlichen Mechanismus umdrehen wollte: Sexismus gegen Sexismus ist genauso effektiv wie Gewalt gegen Gewalt.

  • No. Lang am 18.10.2016 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Endlich hat es Aline Trede geschafft, wieder in die Schlagzeilen zu kommen. Im Nationalrat war dies natürlich einfacher. Seit ihrer Abwahl, die sie bis heute nicht verdaut hat, suchte sie 12 Monate lang vergeblich das Scheinwerferlicht.

  • Juristisches am 18.10.2016 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Individualbeschwerderecht der Frauen

    das erst mit der Unterzeichnung der Frauenkonvention durch den BR im Feb. 2007 juristisch und formal legal wurde, wurde damals trotz 12 Jahren Gleichstellungsgesetz durch die SVP und den Arbeitgeberverband mit allen Mitteln bekämpft. Wie es aussieht, können SVP-ler immer noch nicht anerkennen, dass den heutigen Frauen ein solches Individualbeschwerderecht zusteht. Also wird die SVP immer weitermachen mit der Schlammschlacht, statt endlich geltendes Recht anzuerkennen.