Warnung der BfU

16. November 2016 08:34; Akt: 16.11.2016 08:34 Print

«Der Fahrassistenz darf man nicht blind vertrauen»

Vom Autofahrer werde der Mensch bald zum Autoüberwacher, stellt die Beratungsstelle für Unfallverhütung fest. Doch die Technik dürfe man nicht überschätzen.

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Moderne Autos verfügen über Systeme, die dem Fahrer vieles abnehmen. Dies ist laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) jedoch nicht ohne Risiko. Stefan Siegrist, stellvertretender BfU-Direktor, sagt: «Wir befinden uns am Anfang einer anforderungsreichen Übergangsphase.» Die heutigen teilautonomen Autos mit Fahrerassistenz dürften nicht überschätzt werden.

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(Video: Youtube/BfU)

Noch seien Autos, die komplett selbstständig fahren, ferne Zukunft. Weil das Auto noch nicht zu allem fähig sei, müssten Autofahrer jederzeit innert Sekunden übernehmen können. «Sie dürfen sich nicht blind auf die Technik verlassen.» Der Mensch wird laut der BfU vom Autofahrer zum «Autoüberwacher». Dies berge auch Gefahren, denn es würden technische Möglichkeiten entwickelt, ohne vorgängig zu gewährleisten, dass der Mensch damit umgehen könne und sie wirklich sicher seien.

Hände immer am Lenkrad halten

Die Behörden seien gefordert, so Siegrist: «Sie sollen bei Sicherheitsbedenken Fahrzeugen die Zulassung verweigern.» Auch müssten die Hersteller «korrekt über die Grenzen der verkauften Systeme informieren». In der derzeitigen Übergangszeit gelte: «Der Lenker muss weiterhin den Blick immer auf die Strasse richten sowie die Hände am Lenkrad halten.»

Gemeinsam mit dem TCS hat die BfU aktuelle Fahrassistenzsysteme der Modelle Mercedes E-Klasse, Tesla Model S und Volvo S90 getestet. Dabei habe sich gezeigt, dass diese Systeme noch nicht ausgereift seien, so die BfU. Überzeugt hätten alle Fahrzeuge beim Abstandstempomat und der Verkehrszeichenerkennung, doch die elektronischen Helfer hätten nicht immer zuverlässig gearbeitet. Negativ aufgefallen seien bei den Tests die teilweise schlecht wahrnehmbaren Warnhinweise für den Fahrer, die auf gewisse Situationen aufmerksam machen sollten.

Zunahme der Unfälle befürchtet

Die Fachleute der BfU befürchten, dass die Zahl der Unfälle in der laufenden Übergangszeit zunehmen könnte. Denn die Technik sei komplexen Situationen noch nicht gewachsen, die Kommunikation mit den übrigen Verkehrsteilnehmern fehle, und es müssten rechtliche Fragen geklärt werden.

Generell begrüsse man jedoch den Trend zum selbstfahrenden Auto: Vorteile von vollautomatisierten Fahrzeugen seien etwa weniger Tote und Verletzte, weniger Stau und eine bessere Ökobilanz. Die ersten vollständig selbstfahrenden Autos werden gemäss den Erwartungen der BfU in fünf Jahren auf der Autobahn unterwegs sein, und in zehn Jahren würden solche Fahrzeuge auch in anspruchsvollen Situationen sicher verkehren können.

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Detlef am 16.11.2016 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Korrekt, aber ...

    Es stimmt, dass man sich nicht auf die Elektronik verlassen darf. Aber ist ist schon so, dass das Autofahren, vor allem auf der Autobahn, viel entspannter ist. Ich schalte den Tempomat ein und er hält bei meinem Volvo immer den Abstand zum vorderen Fahrzeug ein, auch wenn der mal kurzfristig auf die Bremse muss. So komme ich viel erholter zur Arbeit und wieder nach Hause. Keinen Stress mehr wegen all jenen die in irgendwelche Lücken reindrücken wollen.

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  • Sador am 16.11.2016 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Assistent

    Eigentlich sollte es einem eine Hilfe sein und das Fahren erleichtern. Wenn man sich jedoch Blind darauf verlässt und sein Hirn abschaltet, dann wird es gefährlich.

  • Realist ZG am 16.11.2016 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Künstliche Intelligenz

    Seit 38 Jahren fahre ich Auto, Motorrad und Lastwagen. Ich bin Autorennen gefahren und lange als Fahrlehrer tätig. In dieser Zeit habe ich auf den Strassen viel gesehen und gelernt. Aber es kommt immer wieder vor, dass es eine Situation gibt, welche ich so noch nie erlebt habe und instinktiv reagieren muss, um einen Unfall zu vermeiden. Das zeigt auf, dass es immer wieder Situationen gibt, welche nicht programmiert werden können. Wer sein Auto nicht mehr selbst fahren kann oder will, soll doch gleich auf den ÖV umsteigen. Somit tut er sich und uns einen grossen gefallen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 17.11.2016 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Künstliche "Intelligenz"

    Wenn man sich in einigen Situationen nicht nur auf das Navi verlassen darf, wie soll das dann mit selbstfahrenden Fahrzeugen gehen!

  • Annette am 16.11.2016 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Nur überwachen ist langweilig und Langeweile kann zu Unaufmerksamkeit und Müdigkeit führen. Und all diejenigen die jetzt schon immer am Telefonieren sind, erledigen dann noch die ganze Büroarbeit während dem fahren??? Legal??? Wenn das obligatorisch wird ....auswandern in weniger fortschrittliche Länder und dort AHV verprassen! Und wie soll das mit den Motorrädern gehen???

  • Marcel Kiener am 16.11.2016 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ach schau...

    In einer der letzten Phasen wird dann das System mit dem Fahrer kommunizieren, ist in der Grafik ersichtlich. Das wäre eigentlich schon zu Beginn absolut notwendig, damit der Fahrer versteht, was das System macht, und notfalls eingreifen könnte. Bis dahin wird es noch viele Unfälle geben. Und wie steht es mit der Haftung, wenn das System nachweisbar falsch programmiert war?

  • Pedro Gee am 16.11.2016 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache, aber....

    Die Assistenzsysteme von heutigen Autos sind echt toll und hilfreich. Aber sie funktionieren nicht immer 100%-ig. Das heisst, dass der Fahrer eben immer noch die Kontrolle über das Fahrzeug beibehalten muss. Was aber auch sehr wichtig wäre, wäre eine Normierung der Warnsignale, ich komme mir manchmal in meinem Auto vor, als ob ich in einer Vogelvoliere sitze. Jeder Hersteller hat andere Warnsignale, das kann die Sache missverständlich machen.

  • BVBkusi am 16.11.2016 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiederhol mich ungern

    Wenns geht werde ich NIE ein selbsfahrendes auto fahren.eine 100% vertrauen in die technik wäre überheblich.