Strenge Regeln

10. Mai 2017 21:32; Akt: 10.05.2017 22:39 Print

Hausordnung erlaubt Babys, nachts zu schreien

von Laly Zanchi - Wie viel Lärm dürfen Mieter machen? Eine besonders detaillierte Regelung der Ruhezeiten sorgt für Stirnrunzeln.

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Ruedi Spöndlin beantwortet während einer Stunde Ihre Fragen rund ums Thema Wohnen im Mietshaus. Die Regelung der Ruhezeiten, die an einem Hauseingang in der Region Winterthur hängt, ist ausführlich. «Es ist absurd, Babys die Erlaubnis zu erteilen, nachts schreien zu dürfen», sagt Ruedi Spöndlin vom Schweizer Mieterverband. Dass Ruheverordnungen teils absurde Klauseln beinhalteten, käme regelmässig vor: «Viele dieser Verordnungen sind bis zu 40 Jahre alt und beinhalten verstaubte Regeln, die gar nicht mehr durchsetzbar wären.» So könne laut Spöndlin die Verwaltung das Wäschewaschen am Abend in der Regel nicht verbieten. Ebenso das nächtliche Duschen. Ruhezeiten in der Hausordnung festzulegen, sei meist auch nicht nötig. «Die Ruhezeiten sind in den örtlichen Polizeivorschriften schon geregelt», sagt Spöndlin. Innerhalb eines Hauses könne ein Vermieter aber eine abweichende Hausordnung erlassen. Spöndlin beobachtet, dass Menschen heute andere Ruhebedürfnisse haben und sich schneller gestört fühlen. «Früher hatten die meisten Menschen in einem Haus den gleichen Lebensrhythmus. Heutzutage machen viele Homeoffice oder arbeiten nachts und möchten dann tagsüber schlafen.» Der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) dagegen zeigt Verständnis für die detaillierte Ruheordnung. «Oft haben Hauseigentümer detaillierte Regeln erlassen, weil es Streitigkeiten zwischen den Mietern gegeben hat. Es ist grundsätzlich besser, etwas zu viel zu regeln statt etwas nicht zu regeln», sagt Annekäthi Krebs, Juristin beim HEV. Da in manchen Gebäuden sehr viele unterschiedliche Menschen auf recht engem Raum wohnten, könne es dem Hausfrieden dienlich sein, die Ruheregeln genau festzulegen wie dies in der Musterhausordnung des HEV Schweiz vorgesehen werde, erklärt Annekäthi Krebs, Juristin beim HEV.

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Die Regelung der Ruhezeiten, die an einem Hauseingang in der Region Winterthur hängt, ist ausführlich. Die genauen Ruhezeiten sind für jeden Tag detailliert aufgelistet. Der Mieter wird darauf aufmerksam gemacht, dass es verboten ist, an Sonn- und Feiertagen sowie über Nacht zu waschen.

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Verboten ist auch «lautes Toben und Schreien von Kindern» nachts. Von diesem Verbot ausgenommen sind Babys. Diese «dürfen nachts schreien, da sie ihre Bedürfnisse noch nicht anders ausdrücken können». Bei Lärmbelästigungen durch Nachbarn sollen sich die Mieter an die lokale Polizeibehörde wenden. Das Befolgen der Ruhezeiten sei nötig, damit «ein friedliches Wohnen im gleichen Haus möglich» sei.

«Absurd, einem Baby die Schreierlaubnis zu erteilen»

«Es ist absurd, Babys die Erlaubnis zu erteilen, nachts schreien zu dürfen», sagt Ruedi Spöndlin vom Schweizer Mieterverband. Dass Ruheverordnungen teils absurde Klauseln beinhalteten, käme regelmässig vor: «Viele dieser Verordnungen sind schon jahrzehntealt und beinhalten verstaubte Regeln, die gar nicht mehr durchsetzbar wären.» So könne laut Spöndlin die Verwaltung das Wäschewaschen am Abend in der Regel nicht verbieten. Ebenso das nächtliche Duschen. Oft würden die Vermieter veraltete Regelkataloge vorgedruckt beim Hauseigentümerverband vorfinden und einfach übernehmen. Im Falle der obigen Hausordnung scheine der Vermieter laut Spöndlin aber vor allem ungerechtfertigte Reklamationen vorwegnehmen zu wollen. «Das führt dann dazu, dass solche Selbstverständlichkeiten in einer Hausordnung landen.»

Ruhezeiten in der Hausordnung festzulegen, sei meist auch nicht nötig. «Die Ruhezeiten sind in den örtlichen Polizeivorschriften schon geregelt», sagt Spöndlin. Innerhalb eines Hauses könne ein Vermieter aber eine abweichende Hausordnung erlassen. «Diese gilt aber nur, wenn sie beim Unterzeichnen des Mietvertrags vorgelegt wurde und die Regeln darin einen sachlichen Grund haben und verhältnismässig sind.» Wenn der Vermieter eines Tages eine neue Hausordnung an die Eingangstür hängt, sei diese somit nicht automatisch gültig.

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Spöndlin beobachtet, dass Menschen heute andere Ruhebedürfnisse haben und sich schneller gestört fühlen. «Früher hatten die meisten Menschen in einem Haus den gleichen Lebensrhythmus. Heutzutage machen viele Homeoffice oder arbeiten nachts und möchten dann tagsüber schlafen.»

«Besser zu viel regeln als zu wenig»

Der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) dagegen zeigt Verständnis für die detaillierte Ruheordnung. «Oft haben Hauseigentümer detaillierte Regeln erlassen, weil es Streitigkeiten zwischen den Mietern gegeben hat. Es ist grundsätzlich besser, etwas zu viel zu regeln statt etwas nicht zu regeln», sagt Annekäthi Krebs, Juristin beim HEV. «Klar ist es nicht sinnvoll, den Mietern zu verbieten, nachts für fünf Minuten zu duschen, wenn aber zum Beispiel einer anfängt, sich um Mitternacht ein Vollbad einzulassen, muss man gewisse Grenzen setzen.»

Da in manchen Gebäuden sehr viele unterschiedliche Menschen auf recht engem Raum wohnten, könne es dem Hausfrieden dienlich sein, die Ruheregeln genau festzulegen, wie dies in der Musterhausordnung des HEV Schweiz vorgesehen werde. Diese Regelungen entsprächen den örtlichen Polizeiverordnungen. So sei für alle klar, welche Ruhezeiten einzuhalten seien, sagt Krebs. Die vom HEV Schweiz angebotene Hausordnung sei aktuell und könne im Einzelfall angepasst werden.

Haben Sie bei sich auch eine absurde Hausordnung? Dann erzählen Sie davon oder schicken Sie uns ein Foto.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 10.05.2017 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Hausordnung

    Nach unserer Hausordnung dürfen wir von 12-15 Uhr nicht Staubsaugen. Aber ab 13 Uhr darf man Bohren, Hämmern, laut Musik hören, usw. Das macht natürlich sehr viel Sinn.^^

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  • Don Logan am 10.05.2017 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Naja, ich möchte mal hoffen, dass das Schreien von Babys auch nachts erlaubt ist. Ein Baby kann nichts dafür wenn es schreit. Sonst soll der Vermieter die Wohnung nicht an Eltern mit Kleinkinder vermieten und das ganz klar im Vertrag erwähnen.

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  • Anne89 am 10.05.2017 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Absurde Regel

    Super. Dann erlaube ich den Wolken nachts Niederschlag. Macht ähnlich viel, bzw. wenig Sinn..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Désy am 11.05.2017 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Désy

    Ich finde das geht zu weit ein Kind sollte Kind sein können.

  • G. Renze am 11.05.2017 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Hausordnung

    Rücksichtnahme unter Mietern ist prinzipiell gegenseitig zu verstehen. Wenn Kindern in der Mietwohnung tagsüber alles erlaubt ist was lärmt, darf ich tagsüber während 2 Stunden auch Musik mit Megabass hören, selbst wenn dies den Nachbarn nicht gefällt. Das Problem hat so in der Praxis von selbst erledigt.

    • Erwachsene person am 11.05.2017 22:58 Report Diesen Beitrag melden

      Egoist

      Na dann bist du auf dem gleichen Niveau wie ein Kleinkind das solche Sachen nicht verstehen kann? -.- ich verstehe wenn meine Nachbarn oben mir spielen (kinder) aber warum dieser neben uns nicht verstehen kann dass nicht jeder seine musik mag, das verstehe ich nicht!!

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  • Barbara am 11.05.2017 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Babygeschrei

    Ein Baby schreit nun mal wenn es etwas will oder hat, das kann ja noch nicht sprechen, was soll das denn? Wen Babygeschrei stört, sollte einfach keine Wohnung mieten, wo Eltern mit Kleinkindern in der Nachbarschaft wohnen oder eben die Wohnung an Eltern mit kleinen Kindern nicht vermieten, fertig.

    • Alice am 11.05.2017 11:27 Report Diesen Beitrag melden

      Fertig

      Es gibt Menschen, die müssen hart arbeiten und brauchen ihren Schlaf. Es geht gar nicht, dass alle durch das Geplärre gestört werden. Eltern mit Kleinkindern können ja in Familiensiedlungen ziehen, oder nicht?

    • Real am 11.05.2017 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      Wunderland Alice wach auf

      Genau weil ja die Eltern nicht arbeiten liebe Alice...aufwachen Alice im Wunderland...wir sind im Jahre 2017 da arbeiten die Frauen nach 3 Moanten wieder weil man sonst nicht über die Runden kommt. Einfach traurig wie egoistisch wir geworden sind!!! übriens wo wohnten Sie denn so in ihrer Kindheit isoliert von dem arbeitenden Volk?

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  • Mieter am 11.05.2017 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Hausordnung?

    Bei uns werden Hausordnungen von Neuzuzügern überhaupt nicht mehr beachtet. Jede(r) macht nur noch, was sie/er will. Danke für die kulturelle Bereicherung

  • Mike am 11.05.2017 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nein Danke

    Hab mal in einem älteren Quartier eine Wohnung besichtigt, kaum waren wir dort, schon wurden wir mit Argwohn durch die Anwohner beobachet. In der Waschküche wies und dann der Hausmeister darauf hin, dass nach 22:00 Uhr zwar noch gewaschen, dabei aber nicht gesprochen werden darf... Zudem hielt er uns einen 15 Minuten Vortrag, dass bald die Container verschwinden würden weil es die anderen Mieter nicht fertig bringen, Gebührensäcke zu verwenden. Wir haben uns dann gleich verabschiedet und nicht einmal die Wohnung angeschaut. Wer so leben muss, tut mir schon fast leid.