Pestizide in Chur

06. November 2014 01:43; Akt: 06.11.2014 09:06 Print

Sind Winzer schuld an Bienensterben?

Dicke Luft in Chur: Die rund 60'000 Honigbienen im Dach des Stadthauses sind tot. Der Imker glaubt, die Pestizide der Weinbauern seien dafür mitverantwortlich.

storybild

Tote Bienen in einer Imkerei in Freiburg. (Bild: dpa / Patrick Seeger)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Drei von vier Bienenvölkern haben den Herbst nicht überlebt: Rund 60'000 Bienen aus dem Churer Dachstock sind verendet, wie «Die Südostschweiz» berichtet. Über die Gründe des Bienensterbens herrscht Streit zwischen dem Imker und den Winzern. Kantonstierarzt Rolf Hanimann hielt bei seiner Untersuchung fest, dass die Varroa-Milbe und die Faulbrut das Bienensterben verursacht hätten, schrieb die Zeitung am Mittwoch.

Diesen Befund bestreitet Projektleiter und Imker Urs Nutt laut «Südostschweiz» nicht – doch er ist überzeugt, dass das nicht die einzigen Gründe für das Ableben seiner Honigbienen seien. Die gegen die Kirschessigfliege, welche die Weintraubenernte bedrohte, eingesetzten Pestizide hätten seine Bienen zusätzlich geschwächt und anfällig für Krankheiten und Schädlinge gemacht.

Gesetzliche Fristen für Pestizide nicht eingehalten?

Die Vorwürfe des Imkers wiegen schwer: In der «Südostschweiz» sagt Nutt, man habe beobachten können, dass die schädlichen Spritzmittel um 10 Uhr morgens in den Reben gespritzt worden seien.

Es handelte sich um Mittel, für die der Bund angesichts der Bedrohung durch die Kirschessigfliege eine Ausnahmebewilligung erteilt hatte – allerdings unter strengen Auflagen: Nur am Abend und ganz früh am Morgen durfte gespritzt werden. Die betroffenen Winzer meinen, das Wetter habe die Flugzeiten der Bienen beeinflusst, und an den fraglichen Daten habe man ein Spritzmittel mit anderer Zusammensetzung benutzt.

Kantonstierarzt Hanimann fand im Labor keinerlei Anzeichen auf eine Vergiftung der verendeten Bienen. Das gibt auch Imker Nutt zu – doch er meint, die Giftpartikel können nicht lange nachgewiesen werden. Der «Südostschweiz» sagt er, er sei sicher, dass «ein gewisser Zusammenhang» zwischen dem Tod seiner Völker und dem Pestizideinsatz in den Rebbergen bestehe. Schliesslich seien die Trauben im Herbst eine der einzigen Nektarquellen für die Tiere.

(gbr)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Honey Bee am 06.11.2014 05:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Eingriffe in die Natur

    Wieder einmal hat der Bund mit seiner Haltung gezeigt, dass ihm der Rubel wichtig ist! Wir haben ja eigentlich keine Wein-Not, klar fehlt den Weinbauern dann die Ernte, aber mit dieser kurzfristigen Denkweise, fehlen uns irgendwann noch ganz andere Ernten! Wichtigere! Mir tut es leid um jedes Bienenvolk, das eingeht! Auch hier müssten wir wieder lernen, ihnen mal über eine Zeit, den Honig vollständig zu belassen, damit sie weniger arbeiten müssen, ihre Abwehrkräfte durch die eigene Nahrung regenerieren können und vor allem ihre natürliche Auslese bei der Brut stattfindet!

  • Hauiii am 06.11.2014 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir machen ja trotzdem einfach weiter!!

    Albert Einstein sagte einst: "Wenn die Bienen aussterben hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben." Keine Bienen - keine Blütenbestäubung - keine Pflanzen - keine Tiere - keine Menschen.

    einklappen einklappen
  • Andreas Schwarz am 06.11.2014 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin selbst winzer

    habe aber keine Insektiziedengespritzt. Um genau das zu verhindern. Zum Schutz meiner Trauben habe ich Steinmehle gespritzt und die sind völlig harmlos. Aber man soll auch wissen, das die Winzer nicht einzigen sind die das Insektizid gespritzt haben. Die mittel werden hauptsächlich von Obst und Beeren Produzenten eingesetzt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • alt Imker am 07.11.2014 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Imker?

    Natürlich kann die Gesundheit der Biene immer bei einem anderen gesucht werden, JEDER gute Imker macht eine Varoa Behandlung.... und Faulbrut.... na bitte. Lieber Imker, es sind nicht immer die anderen schuld.

  • John am 06.11.2014 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    peinliche Aussagen

    Wie bitte? Zitat :"Schliesslich seien die Trauben im Herbst eine der einzigen Nektarquellen für die Tiere." Dass diese Aussage völliger Quatsch ist, sollte jedem Laien klar sein. Trauben liefern keinen Nektar, wenn schon die Reben und die auch nur während der Blüte. Und das geschieht im Mai! Würde mich interessieren, ob diese peinliche Aussage von Herrn Nutt stammt oder ob es sich dabei um eine Zeitungsente handelt. Abgesehen davon blüht im Herbst nichts in den Rebbergen, da ab Mitte August jeweils fleissig das Gras gemäht wird. Vielleich sucht der Imker krampfhaft einen Schuldigen.

  • Clemens Zwibel am 06.11.2014 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    an euch "Bienenexperten" aller Welt

    Langsam wirds lächerlich! Derzeit fühlt sich jeder der nur eine Bienendokumentation gesehen hat als allwissender Bienenexperte und richtet dann immer und immer wieder seinen unwissenden und ungewaschenen Zeigefinger auf die agro-chemie Firmen. Anschuldigungen ohne jeglichen Beweis! Anschwärzen und gleichzeitig Dividenden einstreichen, anstatt endlich mal den Finger aus der Nase zu nehmen und sich bei einer neutralen (nicht von Greenpeace oder WWF) & grossen Studie über das Bienensterben finanziell zu beteiligen!

    • Felix am 06.11.2014 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ Clemens

      Kenne sie de Machenschaften der grossen Agromultis? Nein? Dann schauen sie sich auf Youtube den Film "The world according to Monsanto" an! Diese Multis werden uns in Zukunft vorschreiben, was wir mit unseren Samen aus dem eigenen Garten machen dürfen. Sie schreiben dem Bauern vor, was er wann zu spritzen hat! Er darf auch nicht wie früher den eigenen Samen nachziehen! All das zu unseren Ungunsten! Und das unterstützen sie? Dann arbeiten sie für die Agro oder sind einfach blind!

    einklappen einklappen
  • M.R. am 06.11.2014 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch zerstört die Natur

    Der Mensch sollte mehr Rücksicht auf seine Umwelt nehmen. Zeigt es sich doch am Beispiel des Bienensterbens, dass der Mensch gewinnorientiert handelt und ihm die Natur -so scheint es- egal ist. Solange der Mensch selber nicht betroffen ist zerstört er weiter. Erst wenn es ihn auch persönlich betrifft wird er handeln, doch dann wird es für viele Arten zu spät sein. Die Politik ist es, welche den Menschen einen Rahmen eines nachhaltigen und rücksichtsvollen Umgangs mit der Natur geben kann; da der Mensch dies alleine ja nicht hinbekommt. Doch leider sieht auch diese nur bedingten Handlungsbedarf

  • m mueller am 06.11.2014 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Ist es nicht schlimm genug, dass Bienen in der Schweiz, auch ohne das Problem mit den Gifen der Landwirtschaft, nicht ohne Chemi z.B Ameisen / Oxalsäure überleben können?