arbeitslos.ch

14. November 2013 23:37; Akt: 14.11.2013 23:37 Print

«Diese Versicherung ist überflüssig»

von Vroni Fehlmann - Arbeitslose stehen oft vor finanziellen Problemen. Eine Versicherungsfirma verspricht trotz allem ein unbeschwertes Leben. Der Konsumentenschutz prüft nun eine Klage.

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Job weg, Einkommen weg: In Zeiten steigender Arbeitslosenzahlen macht sich so mancher Sorgen um seine Zukunft. Ist man erst einmal gekündigt, kommt die Arbeitslosenversicherung des Bundes zum Zug. In der Regel werden allerdings nur 70 bis 80 Prozent des ehemaligen Monatsverdienstes ausbezahlt. Ein Online-Portal verspricht hier allerdings Abhilfe: «Mit We Club können Sie Ihren Lebensstil erhalten und in aller Ruhe nach einer neuen Stelle zu suchen.» Damit wirbt die private Arbeitslosenversicherung auf ihrer Homepage. Seit einem Jahr kompensiert die Firma die fehlenden 20 bis 30 Prozent des Monatslohnes.

Seit zwei Monaten wirbt die Firma nun mit dem Angebot auch in bekannten TV-Sendern wie Prosieben. Mit dem Spruch «Ich nimms easy» wird suggeriert, dass Arbeitslosigkeit nichts Schlimmes ist. Es wird vermittelt, dass sich Arbeitslose scheinbar ohne Probleme ein Auto, ein Haus und Ferien leisten können. Was nicht erwähnt wird, sind die vielen Voraussetzungen, damit man überhaupt eine Versicherungsleistung zugesprochen bekommt. So werden etwa ausgesteuerte Personen oder junge Leute unter 25 Jahren nicht unterstützt. Auch jene, die von sich aus gekündigt haben und selbständig Arbeitende erhalten keine Leistung. Trotzdem: Wer das Glück hat, zu den Begünstigten zu gehören, soll laut den allgemeinen Geschäftsbedingungen insgesamt bis zu 120 Prozent des letzten Monatsgehalts erhalten - ein verlockendes Angebot.

«Weckt falsche Hoffnungen»

Bei genauerem Hinsehen kommen erste Zweifel an der Seriosität des Angebots. Die offensichtlich mittels Übersetzungsprogramm vom Französisch ins Deutsche übersetzte Seite ist übersät mit Rechtschreibfehlern und in den AGB finden sich widersprüchliche Informationen. So wird beispielsweise mehrere Male betont, dass der Versicherungsschutz nur bis zum 60. Lebensjahr dauert. In einem Abschnitt wird dann allerdings erwähnt, dass sich versicherte Personen, die das 60. Lebensjahr erreicht haben, «weiter versichern können, sofern sie den Vertrag während den drei Jahren vor Erreichen des Schlussalters abgeschlossen haben».

Laurent Jaquier, Geschäftsführer von We Club, bestätigt, dass man bis zum 65. Lebensjahr versichert bleiben kann. Derzeit seien rund 1300 Personen bei arbeitslos.ch versichert. «Wir haben viele Leute mit Familien. Die meisten sind zwischen 30 und 45 Jahre alt und verdienen in der Regel zwischen 4000 bis 6000 Franken im Monat.» Es gebe aber auch Banker aus Genf oder Zürich, die bei ihm versichert seien. Und der Werbespot sei ein Erfolg: Seit der Aufschaltung habe die Anzahl Kunden stark zugenommen. «Wir haben etwa fünf neue Versicherte pro Tag.»

SKS prüft Klage

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), hält von dem Angebot wenig. «Es ist überflüssig. Es gibt so viele Ausschlussklauseln, dass nur eine sehr kleine Gruppe wirklich Leistungen beziehen kann.» Gerade diejenigen, die eine finanzielle Spritze wirklich bräuchten, würden von We Club ausgeschlossen. «Das weckt falsche Hoffnungen», sagt Stalder. Einen alternativen Weg, das Arbeitslosengeld mittels einer Versicherung etwas aufzustocken, gebe es aber leider nicht.

Der aktuelle Werbespot von We Club kommt bei Stalder gar nicht gut an. «Diese Werbung vermittelt einen vollkommen falschen Eindruck, denn aus dieser Versicherung können bei Weitem nicht alle Arbeitnehmer einen Nutzen ziehen. Aus diesem Grund prüfen wir eine Klage bei der Lauterkeitskommission.»

Die Arbeitslosenquote der Schweiz ist gegenüber dem Vormonat im Oktober um 2371 Personen gestiegen. Das sind rund 3,1 Prozent Erwerbslose, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft im November mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Anzahl um 7907 Personen (6,3 Prozent) zugenommen. Die Jugendarbeitslosenquote hingegen ist im Vergleich zum September 2013 auf 4,6 Prozent gesunken. Im Monat August wurden insgesamt 3050 Personen ausgesteuert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fr am 15.11.2013 00:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angebot

    Einfach ignorieren.

  • M.R am 15.11.2013 00:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunt mich fast..

    Diese Werbung ist sowieso das dümmste und billigste was ich je gesehen habe!

  • Tom Builder am 15.11.2013 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Eigener Notgroschen

    Die Versicherung verspricht die fehlenden 20-30% zu ergänzen. Bei einem Lohn von 5000 sind das 1000-1500 pro Monat, die auszuzahlen wären (wenn das Versprechen stimmt). Weiter gilt, dass Menschen mit sicheren Arbeitsplätzen (ja, die gibt's!) diese Versicherung kaum abschliessen. Dadurch ist die Gruppe der Versicherten tendenziell eher von Arbeitslosgkeit betroffen als der Durchschnitt. Dazu kommen Verwaltungskosten und Marketing. Entsprechend hoch müssten bei einem ehrlichen Angebot, die Prämien sein. Mein Fazit: Eigenen Notgroschen ansparen für solche Fälle statt gebundene Prämien zu zahlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Konsument am 16.11.2013 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Versicherung ist gleich Risiko

    Jedes Risiko, das man selbst übernimmt spart Versicherungskosten. Hohe Risiken versichern ja, andere nicht. Du bist dann nicht enttäuscht, dh. du kannst selber entscheiden, was du tun willst, und hast weniger Aeger.

  • caesar1291 am 16.11.2013 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Zurechtgebogen

    Alles klar. Ausgesteuerte sind ja keine Arbeitslose mehr, weil neu Sozialempfänger. Deshalb haben wir dem Bericht zufolge im August 3050 weniger Arbeitslose. So wird in der CH alles ZURECHTGEBOGEN! Danke.

  • sophia am 16.11.2013 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    versicherungs fake?

    diese versicherung klingt nicht gerade seriös!! würde ich nie zustimmen. lieber selbst sparen.

  • M.75 am 15.11.2013 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für fast alles,eine Versicherung ! ! !

    Da wird mit der Angst der Menschen,um die Zukunft,(finaziell),Geld gemacht.Egal was man kann sich versichern,dafür wird noch auf Pro.7 Werbung gemacht.

  • Faust am 15.11.2013 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Die Arbeitslosen-Zahlen

    Die Arbeitslosen Zahlen sind doch nur ein Schwindel...die Ausgesteuerten sind so gesehen wieder mit einer Arbeit beglückt...und das stimmt doch nicht.

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